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Happy End: Stilecht auf der Parkbank feiern die Brüder Honk (v. l. Oliver Geilhardt, Jan van Weyde und Christian Kühn) Sarahs (Rosetta Pedone) Geburtstag mit Bratwurst vom Mofa-Grill. Rubbel, der Hund (Jesper), guckt neidisch. Fotos: Judith Gladow|| - © Judith Gladow
Happy End: Stilecht auf der Parkbank feiern die Brüder Honk (v. l. Oliver Geilhardt, Jan van Weyde und Christian Kühn) Sarahs (Rosetta Pedone) Geburtstag mit Bratwurst vom Mofa-Grill. Rubbel, der Hund (Jesper), guckt neidisch. Fotos: Judith Gladow|| | © Judith Gladow

Brackwede "Das geht hier um Liebe"

Tourneetheater: Beim letzten Stück "Rubbeldiekatz" gibt es viel zu lachen. Das Verwirrspiel mit Rock und Strapsen weiß mit Witz und Biss zu überzeugen

Judith Gladow
10.05.2016 | Stand 10.05.2016, 12:05 Uhr

Brackwede. Vier Schauspieler stellen zwölf Figuren dar, die wiederum selbst Rollen spielen und darunter noch einer, der in Frauenkleider schlüpft. "Rubbeldiekatz" glänzt beim Gastspiel vor 550 Besuchern in der Brackweder Realschulaula als amüsantes Verwirrspiel mit Witz und vielen kleinen und großen Anspielungen an bekannte Travestiekomödien und quer durch die (Zeit-)Geschichte. "Rubbeldiekatz" basiert auf dem gleichnamigen Film von Detlev Buck. Auf der Bühne adaptiert wird es seit zwei Jahren von der Comödie Dresden, inszeniert von Max Giermann. Und darum geht es: Schauspieler Alexander Honk (Jan van Weyde) hat gerade sein Engagement in "Charlies Tante" erfolgreich beendet, da bekommt er eine Anfrage für den Hollywood-Film "Naziland". Seine beiden Brüder sind natürlich sofort begeistert. Schnell stellt sich heraus, dass Alex fälschlicherweise für eine Frauenrolle besetzt worden ist. Doch für eine solche Produktion greifen die Gebrüder Honk zur Werkzeugkiste und machen aus Alexander Alexandra. Die glänzt prompt beim Vorsprechen - "Ich bin eher ein lustiger Typ ... Frau" - und wird engagiert. Die wilde und typisch männlich stilisierte Sause danach endet für Alex im Bett einer fremden Frau. Diese stellt sich am nächsten Tag - natürlich - als seine Schauspielkollegin in "Naziland" heraus. Es kommt, wie es kommen muss, Sarah freundet sich mit Alexandra an, verliebt sich gar in sie, nichtsahnend, dass es die blonde Frau gar nicht gibt. Mit der Enttarnung kommt der Eklat und nach einem Jahr Liebeskummer und einer Liebeserklärung vor laufender Kamera die Versöhnung samt Happy End. "Das geht hier um Liebe, du Vollpfosten", rufen die Honks und Sarah einem missmutigen Nachbarn im Off zu. "Und das ist schließlich auch nur ein Gefühl." Filmsequenzen dienen als Übergang zwischen den Szenen und geben den Schauspielern Gelegenheit, ihre Kostüme zu wechseln. Begeistern kann nicht nur Jan van Weyde, der es mit viel humorvoller Eindeutigkeit schafft, den Mann zu spielen, der eine Frau spielt, die eine andere Rolle spielt, ohne dass man den Überblick verliert. Auch Oliver Geilhardt schafft es, nahtlos vom stoffeligen Honk-Bruder Jürgen zum aalglatten Starschauspieler Thomas und zu dem cholerischen Regisseur zu wechseln. Besonderen Eindruck hinterlässt Christian Kühn, der sage und schreibe sechs, meist exentrische Rollen im Stück übernimmt. Ob er als trauriger Hitler-Schauspieler Jörg Alexandra eine Rose schenkt, sich als Basti Honk alkoholisiert in seinen Zylinder übergibt oder als Harald das perfekte Stereotyp eines tuntigen Kostümbildners abgibt - Kühn gibt jeder dieser Figuren einen speziellen komischen Flair und einen eigenen Dialekt noch oben drauf. Einen besonderen Auftritt hat schließlich noch Rubbel, der Hund (gespielt von Labrador-Rüde Jester), der Alex über seinen Liebeskummer auch nicht hinweghelfen kann. Als echter Theaterhund bleibt Darsteller Jester immer seelenruhig, selbst beim dröhnenden Schlussapplaus, den sich das Dresdner Ensemble redlich verdient hat.

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