Musik macht Spaß: Richtig gute Mucke macht die Band "Rocket Stars" mit den "Musicus"- Schülern Giulio Carparelli (v. l.), Franziska Krones, Thorben Hense, Stefan Winkelmann, Ulrike Jeusfeld, Phillip Zurlinden, Luis Kiel, Lehrer Jürgen Wiese und Ahmed Darrazi. - © Sibylle Kemna
Musik macht Spaß: Richtig gute Mucke macht die Band "Rocket Stars" mit den "Musicus"- Schülern Giulio Carparelli (v. l.), Franziska Krones, Thorben Hense, Stefan Winkelmann, Ulrike Jeusfeld, Phillip Zurlinden, Luis Kiel, Lehrer Jürgen Wiese und Ahmed Darrazi. | © Sibylle Kemna

Brackwede Verein Musicus hilft Menschen mit Handicap, ein Instrument zu lernen

Individueller Unterricht, der Spaß und Freude erzeugt

Sibylle Kemna

Brackwede. "Musik ist immer Therapie", sagt Jürgen Wiese. Der Musikpädagoge und Vorsitzende hat bei "Musicus e. V." vielfach erlebt, wie Menschen mit Behinderungen aufblühen und sich erstaunlich entwickeln. Der Verein mit Sitz an der Germanenstraße 15a feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Voller Wut und ein wilder Junge war Phillip, als er zu Musicus kam. Dort entdeckte er das Schlagzeug, auf dem er den Großteil seiner Aggressionen loswerden kann. Aus dem impulsiven Autisten ist ein Gärtner geworden, der sich bei der Feuerwehr engagiert und seinen Musiklehrer Jürgen Wiese zuweilen berät, wenn dieser wieder mal so einen "wilden" Jungen unterrichtet. "Musik ist ein wesentlicher Lebensfaktor für mich geworden", betont Phillip, der inzwischen "richtig gut Schlagzeug spielt", wie Wiese betont. Ahmed sitzt im Rollstuhl und kann nur seinen Kopf bewegen. So bleibt ihm als Instrument nur die Stimme. "Anfangs hat er Rap gesungen, weil er nicht anders konnte. Doch inzwischen kann er immer deutlicher sprechen und ist unser Leadsänger", berichtet Wiese, der die Band "Rocket Stars" leitet, in der Phillip das Schlagzeug spielt. "Meine Tochter konnte eher Noten lesen als Buchstaben", erinnert sich Berta Margarete Huldt, die im Vorstand des Vereins aktiv ist. "Der Musikunterricht hat Simone so gutgetan, sie hat sich dadurch richtig toll entwickelt." Das Klavier war von Anfang an ihr Instrument. "Sie hat über die Musik sprechen gelernt", berichtet ihre Mutter über die inzwischen 39-Jährige, die bei den "Rocket Stars" Keyboard spielt. "Musik öffnet Autisten das Leben, das ist immer wieder die sichere Burg, die ihnen Kraft gibt." Musicus wurde 1990 vom Sonderschullehrer Michael Wenzel gegründet, um Behinderten die Welt des Musikmachens zu erschließen. "In eine normale Musikschule wurden diese Menschen nicht aufgenommen", berichtet Jürgen Wiese, Wenzels Nachfolger als Vorsitzender. Inspiriert vom "berufsbegleitenden Lehrgang Instrumentalspiel für Menschen mit Behinderung an Musikschulen" suchte sich Wenzel Mitstreiter wie Alexandra Schüller und begann, Menschen mit Handicap zu unterrichten. Jeder Schüler ist anders, und so ist auch der Unterricht ganz individuell ausgerichtet. Die zumeist intuitive Herangehensweise erweckt Lebensfreude und neue Ausdrucksmöglichkeiten. "Hier erlebt man Menschen, die von jedem Ton beglückt sind", schwärmt Wiese, den die Arbeit mit Menschen mit Handicap in seinem musikalischen Schaffen "enorm bereichert hat". Fernab von Leistungsdruck, Frustration und Ellenbogenmentalität ist hier Freiraum für Spontaneität und Glücksgefühle. "Da kommt auch schnell etwas zurück von unseren Schülern", berichtet Wiese, dem viele ans Herz gewachsen sind und der über besonders talentierte Schüler erzählen kann. "Die Behinderung fällt beim Musizieren kaum ins Gewicht." Neu bei Musicus ist die sogenannte niederschwellige Betreuung. Hier zahlt die Pflegekasse, wenn behinderte oder auch demente Menschen beschäftigt und damit deren Betreuer entlastet werden. Musik ist ideal auch für Demenzerkrankte und so ist Wiese auch in Altenheimen, wie zum Beispiel im Marienstift, unterwegs.

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