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Lichterketten und Kinderaugen glänzen um die Wette: Für 80 Prozent der Deutschen gehört der Weihnachtsbaum zum Fest einfach dazu. Die festliche Atmosphäre machen oft Schmuck und Beleuchtung aus.  - © istock
Lichterketten und Kinderaugen glänzen um die Wette: Für 80 Prozent der Deutschen gehört der Weihnachtsbaum zum Fest einfach dazu. Die festliche Atmosphäre machen oft Schmuck und Beleuchtung aus.  | © istock

Tradition Ein Traum von Baum

Für viele Menschen ist die Weihnachtszeit ohne den dazugehörigen Weihnachtsbaum kaum vorstellbar. Eine 500 Jahre alte Tradition, die durch zeitgemäßen Baumschmuck Jahr für Jahr neu erfunden wird.

01.12.2020 | Stand 01.12.2020, 16:03 Uhr

Zum Weihnachtsfest kommen überall Familien zusammen, um gemeinsam zu feiern. Dabei hat jede Familie ihre eigenen kleinen Traditionen. Einige Weihnachtsbräuche sind aber rund um den Globus verbreitet, zum Beispiel der festlich geschmückte Tannenbaum. Wie ist diese Tradition entstanden? Eine deutsche Erfolgsgeschichte.

Weihnachtsschmuck in der Antike
Schon in der ägyptischen und griechischen Antike haben Menschen ihre Häuser im Winter gerne mit grünen Zweigen oder Bäumen geschmückt. Dazu verwendete man je nach Region zum Beispiel Palmen, Lorbeer, Fichten oder Tannen. Solche immergrünen Pflanzen galten als Symbole für Fruchtbarkeit und Lebenskraft – und drückten besonders im Winter die Sehnsucht und Hoffnung nach dem nächsten Frühjahr aus. Noch heute lieben wir im Winter das natürliche Grün und den feinen Duft des Tannenbaums in unseren Wohnzimmern.

Für die heidnischen Germanen war die Wintersonnenwende rund um den 21. Dezember einer ihrer wichtigsten Festtage. Dieser besondere Tag kennzeichnete den Beginn des neuen Jahres. Dazu schmückten die Germanen ihre Versammlungsorte und Häuser bereits mit Tannenzweigen. Diese ursprünglichen Traditionen wurden nach und nach mit christlichen Bräuchen und Feiertagen vermischt. Im Mittelalter wurden zu Weihnachten Paradiesspiele aufgeführt, denn der 24. Dezember war der liturgische Gedenktag Adam und Evas. Dazu wurden sogenannte Paradiesbäume aufgestellt und mit Äpfeln und Gebäck geschmückt.

Mehr als 500 Jahre Weihnachtsbäume
Auf das 15. und 16. Jahrhundert gehen die Wurzeln unserer heutigen Weihnachtsbäume zurück. Aus dieser Zeit gibt es die ersten Berichte über geschmückte Weihnachtsbäume auf öffentlichen Plätzen. Ab dem 17. Jahrhundert verbreitet sich der Weihnachtsbaum durch deutsche Seeleute und Auswanderer nach und nach auf der ganzen Welt.

Baum als wichtigste Weihnachtsdeko
Nachdem Weihnachtsbäume über viele Jahre und Jahrzehnte wohlhabenden Beamten und Bürgern vorbehalten waren, wurden sie im 20. Jahrhundert für die breite Bevölkerung erschwinglich.

Heute gehört die geschmückte Tanne für 80 Prozent aller Deutschen fest zum Weihnachtsfest. Jedes Jahr werden rund 25 Millionen natürliche Weihnachtsbäume in deutschen Wohnzimmern aufgestellt. Mit den Lichtern, Glaskugeln und den Geschenken darunter ist der Weihnachtsbaum die wichtigste traditionelle Weihnachtsdekoration.

In den vergangenen Jahrzehnten werden auch Plastik-Weihnachtsbäume verkauft. Doch mit der zunehmenden Ablehnung gegenüber umweltschädlichen Kunststoffen stehen die Plastikbäume vermehrt in der Kritik der Verbraucher. Ein natürlich gewachsener Weihnachtsbaum hat dagegen eine weitgehend neutrale CO2-Bilanz.

Rauschgoldengel und Glaskugeln
In den Anfängen wurden die Tannenbäume vor allem mit roten Äpfeln geschmückt und erinnerten damit an den biblischen Baum der Erkenntnis. Später kamen Gebäck, Nüsse und Süßigkeiten für die Kinder dazu. 1774 erwähnt Goethe in seinem Roman „Die Leiden des jungen Werther" einen „aufgeputzten Baum mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln".

Früher stellten die Familien den Weihnachtsschmuck meist selbst her. Gebastelt wurden einfache Sterne und Ketten aus Papier und Stroh. Ab dem 18. Jahrhundert wurde Rauschgold oder Flittergold populär, sehr dünne, goldglänzende Messingfolien. Erst gegen 1900 wurde das Rauschgold durch industrielles Lametta abgelöst. Im 19. Jahrhundert verändert sich der Weihnachtsschmuck: Seit 1847 gibt es mundgeblasene Christbaumkugeln. Diese Kugel-Optik ist bis heute beliebt.

Information

Wie umweltfreundlich ist der Weihnachtsbaum?

An jeder Ecke werden derzeit Weihnachtsbäume angeboten. Aber welcher ist der richtige?

Ist ein Plastik-Baum die ökologischere Variante? Nur wenn er auch wirklich Stehvermögen hat. Das sagt eine Sprecherin beim Naturschutzbund Deutschland (NABU), denn: „Ein Plastikbaum müsste 17 bis 20 Jahre durchhalten, bevor er sich ökologisch rechnet." In der Natur gewachsene Weihnachtsbäume sind dem Verband Natürlicher Weihnachtsbaum zufolge in der Regel klimaneutral.

Wirklich klimafreundlich sei aber nur der Weihnachtsbaum, dessen Holz oder Holzspäne nach dem Fest als Material für Möbel oder Baumaterial verwendet werde. Der NABU rät zudem zu Fichten, Kiefern und Weißtannen aus Durchforstungsmaßnahmen oder von forstlichen Sonderstandorten wie unter Hochspannungstrassen. Diese in der Regel unbehandelten Bäume müssten sowieso gefällt werden, sagt die Sprecherin vom Naturschutzbund. Wer ein Exemplar ohne Pestizide, Dünger und Co. zu Hause haben möchte, sollte auf jeden Fall auf Bäume aus ökologisch wirtschaftenden Betrieben zurückgreifen.

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