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Lange Spaziergänge an der Küste sind für beide erholsam. - © FOTO: CARIN MÜLLER
Lange Spaziergänge an der Küste sind für beide erholsam. | © FOTO: CARIN MÜLLER

Belgien Pfotenspuren im Sand

Mit dem besten Freund die belgische Küste entdecken

27.04.2013 | Stand 12.11.2015, 10:04 Uhr

Irgendeiner seiner Vorfahren muss ein Seehund gewesen sein. Anders lassen sich die begeistert glänzenden Augen von Airedale-Terrier Toni beim ersten Blick auf die rauschende Nordsee nicht erklären. Die salzige Seeluft in der Schnauze, den frischen Wind unter den Ohren, Leine ab und mit Vollgas rein ins Vergnügen. Die erste Welle, die über ihm zusammenschlägt, irritiert ihn noch ein wenig, doch schon die nächste begrüßt er in typischer Spielaufforderung: Vorderbeine und Bauch flach auf dem Boden, Hintern in der Luft. Das vorhersehbare Ergebnis ist die nächste kalte Dusche. Doch einen richtig harten Hund kann so ein bisschen Wasser natürlich nicht schrecken. Flitzt er stattdessen halt hinter den kreischenden Möwen her. Die Ferien können beginnen. Ein Hund ist eine große Bereicherung, das werden alle Hundebesitzer bestätigen. Tag für Tag bringt er seinem Dosenöffner Abwechslung und Freude – bis die Ferienzeit naht und damit die Frage: Muss Wuffi in die Tierpension, oder darf er mitfahren? Und wenn Zweites: Wohin soll die Reise gehen? Die meisten Hunde sind ziemlich anpassungsfähig und bereit, sich für so ziemlich jede Umgebung zu begeistern, solange nur Herrchen und Frauchen in der Nähe sind. Umgekehrt gilt das nicht immer, und daher ist es schon angenehmer, wenn gewisse äußere Kriterien erfüllt sind. Der Wuffi in unserem Fall heißt Toni und ist mit seinen vier Jahren ein durchaus erfahrener Weltenbummler. Das Schwimmen hat er in einem reißenden Gebirgsbach in Südtirol gelernt, er bezirzt toskanische Eisverkäufer, Extra-Gelato für ihn rauszurücken, und als souveräner Stadthund fühlt er sich auch in pulsierenden Metropolen wohl. Das klappt alles prima, ist aber häufig ein bisschen stressig für alle Beteiligten. Könnte er sprechen, würde Toni daher mit Sicherheit sagen, dass sein Traumurlaubsort der belgische Küstenort De Haan ist.Pommesfrites, Bier und Schokolade - die große Schwäche der Belgier Dort sind wir vor zwei Jahren praktisch versehentlich zum ersten Mal gelandet, und seitdem gehört er zum jährlichen Pflichtreiseprogramm. Die Belgier haben nicht nur eine große Schwäche für Pommesfrites, Bier und Schokolade, sondern sind auch ausgesprochen hundefreundlich. Vor vielen Restaurants und Cafés stehen Wassernäpfe für die durstigen Vierbeiner, und auch in den Restaurants sind sie in der Regel gern gesehen – solange sie angeleint und gut erzogen sind. Auch an ihrer 67 Kilometer langen Küste haben Hunde häufig mehr Freiheiten als in anderen Ländern. In De Haan dürfen sie außerhalb der Sommersaison (1. Juni bis 15. September) weitgehend ungestört über den endlosen Strand brettern und tun, was Hund tun muss: im Sand buddeln, im Meer baden, Möwen jagen, und mit den zahlreichen Kollegen toben, die dort ebenfalls urlauben. Nur beim Thema Hinterlassenschaft, hört der Spaß auf. Diverse Schilder weisen die Halter darauf hin, dass das große Geschäft bitte schön fachgerecht eingetütet und entsorgt werden muss. Das interessiert Toni selbstredend überhaupt nicht. Er genießt die Freiheit, ohne Leine und hektisches Gekreische seiner Zweibeiner durch die Gegend zu sausen. Und seine Menschen kosten diese Stunden aus den gleichen Gründen aus.Ein Ferienhäuschen ist die ideale Unterkunft für entspannte Ferien Damit auch die restlichen Ferien entspannt sind, bietet sich als Unterkunft ein Ferienhäuschen in einem der vielen Parks der Umgebung an. In vielen Häusern sind Haustiere erlaubt, und die eingezäunten Gärten sind ein Traum für alle Stadthunde. Nach dem Toben am Strand steht dann zur Abwechslung Chillen auf der Wiese auf dem Programm. Wem das auf Dauer zu beschaulich erscheint, der macht einfach einen Ausflug in die Umgebung zum Fährengucken und Fischessen in Oostende zum Beispiel, Bummeln durch das pittoreske Brügge oder einer Kanalfahrt durch Gent. Letzteres ist selbst für große Hunde gratis, und an sonnigen Feiertagen wird auf den Kähnen einfach zusammengerückt, damit Toni auch eine gute Sicht auf die Schönheiten der Stadt hat. Er war dann allerdings auch fast der Einzige, der ein Auge für die Architektur hatte, alle anderen Gäste waren damit beschäftigt, vielsprachig seinen Putzigkeitsfaktor zu loben. Das ist manchmal ein echter Nachteil: Ist der Hund halbwegs nett anzusehen und freundlich zu anderen, müssen seine menschlichen Begleiter tapfer sein. Denn dann bekommt in der Regel der Vierbeiner im Restaurant zuerst das Wasser serviert, und die Verkäuferinnen in einer Antwerpener Parfümerie kramen begeistert nach Leckerli.

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