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FRAnKREICH Auf Öko-Bootstour in Martinique

Freier Blick bis zum Meeresgrund der Karibik

VON CHRISTIAN BOERGEN
04.02.2012 | Stand 04.02.2012, 02:42 Uhr

Kajakfahren und Paddeln kann man ja auf vielen Karibikinseln. Aber Harry, Marc und Max bieten in der Baie des Mulets von Martinique ein besonderes Erlebnis: Bei ihren Ökotouren in die sogenannte Maultierbucht erlauben die Boote den freien Blick auf den Meeresboden: Sie sind aus transparentem Kunststoff gebaut und durchsichtig wie Taucherbrillen. Der Weg von der Asphaltstraße bei Vauclin über zwei Kilometer Schotterpiste voller Schlaglöcher ist abenteuerlich, lohnt sich aber. Harry mixt in der Maultierbucht bereits den Rumpunsch. Der heißt auf der Insel Punch Planteur und wird vor jedem Kajakausflug frisch zubereitet. Harry gießt Ananas- und Guavensaft in den Mixbecher, gibt Weißen Rum, Muskat und Zimt hinzu. "Es gehören immer zwei Säfte hinein. Apfelsaft ist okay, Orangensaft zu kräftig", verrät er beim Schütteln. Mit viel Eis landet der Punsch samt Verpflegung und Erfrischungsgetränken im Begleitboot. Es kann losgehen. Ihren Namen verdankt die Baie des Mulets den Grautieren von den Zuckerrohrplantagen, die dort früher gewaschen wurden. Die Ausflugsgruppe zieht die Schuhe aus und legt Schwimmwesten an, denn Sicherheit hat Vorrang. Nicht einfach gestaltet sich das Besteigen der wackeligen Pirogen, wie die Zweier-Kajaks vor Ort genannt werden. Dafür entschädigt der Blick durch den transparenten, wie eine Taucherbrille wirkenden Bootskörper. Als größte Herausforderung erweist sich das Paddeln im Takt mit dem Partner. Kaum sind die letzten gestartet, zeigt Marc vom Beiboot aus Uferbäume, die sich an den Hang schmiegen. Ihre Kronen haben atlantische Winde geformt.Klimawandel und Verschmutzung setzen den Korallen zu Unter der Wasserfläche ist nicht alles öko: Klimawandel und Wasserverschmutzung machen den Korallen zu schaffen. Nachdem die Wassertemperatur seit 2005 um ein Grad zugenommen hat, sind 40 Prozent von ihnen abgestorben, bedauert Marc. Schlimmer als eine Ölpest wirkten zudem die Insektenschutzmittel der Bananenplantagen auf die Korallen. Der Legende nach hat allerdings der abgeschlagene Kopf einer Meduse die toten Verwandten der unter dem Kajak vorbei gleitenden bunten Riffbewohner auf dem Gewissen. Auch Sonnencreme vergiftet die Korallen, ergänzt Harry: "Lange Ärmel sind viel besser!" Vorsichtig dirigiert er die kleine Flotte zu den Mangroven. Deren Schatten ist willkommen; Getränke werden von Piroge zu Piroge durchgereicht. Auf den Wipfeln der verholzten Salzpflanzen nisten Kuhreiher. Hervorragend organisiert, müssen sie in der Maultierbucht keine natürlichen Feinde fürchten. Die Vogelpaare teilen sich die Arbeit. Während die Männchen Baumaterial heranschaffen, ist die Nestkonstruktion Frauensache. Beim Brüten wechseln sich die Reiher ab; manchmal betreuen sogar Adoptivväter den Nachwuchs. An tief hängenden Mangrovenästen haben sich Muscheln festgesaugt, darüber krabbeln Krabben durch die Blätter. Harry erläutert die Symbiose zwischen Mangroven und Korallen. Während Erstere die Nesseltiere vor Sedimenten schützen, indem sie diese festhalten, sind Korallen für das Wachstum der Salzpflanzen unentbehrlich. Harry zeigt die Luft- und Stelzwurzeln der Mangroven, deren schimmelfreies Holz als Baumaterial beliebt ist. Unter Wasser dienen die Salzgewächse kleinen Fischen als Kinderstube, wo sie zwischen den Wurzeln geschützt aufwachsen.Picknick auf dem Paddelboot Leider ist der "kleinste Strand der Welt" zwischen den Mangroven bereits mit der Grillparty einer Jachtbesatzung belegt. Also ankert die Gruppe auf einer Sandbank mitten in der Bucht, die Kajaks wie an einer Perlenschnur hinter dem Begleitboot vertäut. Der Atlantik schwappt über die Knie, der Rumpunsch in den Bechern. Paddeln macht hungrig. Deshalb werden zum Picknick Hähnchen, Brot, Ananas und Melone gereicht, dazu Tabouleh, das sind mit Kräutern, Knoblauch und Chili frittierte Scampi. Die Stimmung im Sonnenschein ist prächtig. Zum Schluss wird auf der Sandbank Polonaise getanzt.So gestärkt, paddelt die kleine Flotte zurück ans Ufer. Einigen erschwert der Punsch die Koordination, andere haben mehr Wasser, Saft oder Cola intus. Insgesamt ist das Programm der Ökotour mit Erklärungspausen wohl dosiert. Erschöpft, aber glücklich, verlassen alle die Kajaks und genießen den Sonnenuntergang hinter der Maultierbucht.

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