0

NIEDERSACHSEN Von Meppen nach Emden: Unterwegs auf dem Emsradweg

Zieleinlauf in Ostfriesland

VON RALPH MEYER
18.06.2011 | Stand 17.06.2011, 14:45 Uhr

Endspurt auf dem Emsradweg: An zwei verlängerten Wochenenden haben wir den Weg von den Quellen in der Senne bei Hövelhof bis ins emsländische Meppen gemeistert. Jetzt steht das Finale an: noch 121 Kilometer bis zum Endpunkt nach Emden. Und es kommen doch noch fünf Kilometer hinzu, denn der Weg ist ein wenig länger geworden. Nach dem Vorbild des Hövelhofer Startpunktes ist im ostfriesischen Emden jetzt ein offizieller Zielpunkt des Emsradweges entstanden. "Dazu haben wir das bekannte Emsradweg-Logo originalgetreu nachgepflastert und eine Infosäule aufgestellt, im gleichen optischen Erscheinungsbild wie in Hövelhof", so Rainer Gerdes, Geschäftsführer der Emden-Marketing-und-Tourismus. "Übrigens endet der Emsradweg damit auch in direkter Nähe zum Borkum-Kai am Außenhafen, wo die Fähren zur Nordseeinsel Borkum anlegen", weiß Hövelhofs Bürgermeister Michael Berens, der bereits an einer Partnerschaft mit der Insel Borkum schmiedet – eine Idee, die auch Susanne Westermann, Tourismusdirektorin auf der Insel Borkum, gut findet. Die stammt nämlich aus Rheda-Wiedenbrück. Zuvor war sie mehr als sieben Jahre bei OWL Marketing tätig. Die letzte Etappe des Emsradweges ist reich an Superlativen. Bei Dörpen ist die Transrapid-Versuchsstrecke nicht weit und immer einen Abstecher wert. Auf einer Länge von 31,5 Kilometern wird zwischen Lathen und Dörpen die Technik der Magnetschwebebahn getestet und weiterentwickelt. Zu der Führung durch das Transrapid-Besucherzentrum gehört auch der Informationsvortrag zu Technik und Systemeigenschaften dieses Verkehrsmittels.Schwimmende Kreuzfahrtpaläste in Papenburg Wer es langsamer mag, überquert die Ems bei Lehe mit der Seilzugfähre Leher Pünte. Über Aschendorf geht es weiter nach Papenburg. Dort durchziehen beschauliche Kanäle die Stadt an der Ems. Zug- und Klappbrücken verbinden die beiden Ufer, an denen sich mit Blumen geschmückte Häuser dicht an dicht reihen. Bekanntes Fotomotiv ist die Brigg "Friederike", die vor dem Papenburger Rathaus ankert. Diese Bilder nimmt jeder Radler, der auf dem Emsradweg unterwegs ist, mit nach Haus als Erinnerung an die Stadt der Kapitäne und Schiffbauer. Heute laufen in Papenburg Ozeanriesen und schwimmende Kreuzfahrtpaläste vom Stapel, meist im Sechsmonatstakt. In der Stadt geht natürlich nichts ohne die Meyer-Werft und ihr modernes Besucherzentrum – aber bitte rechtzeitig für einen Termin anmelden unter Tel. (0 49 6) 83 96-0 (www.meyerwerft.com). Eng mit den großen Pötten der Meyer-Werft verbunden ist das Emssperrwerk in Gandersum, das es den Dickschiffen erst ermöglicht, den Weg zum Meer zu erreichen. Außerdem muss ständig am sandigen Bett gebaggert werden, um die nötige Tiefe zu erreichen, ein Vorgang, der bei Naturschützern auf Kritik stößt. Andere führen immer wieder den Erhalt der Arbeitsplätze in dieser strukturschwachen Region ins Feld. Ulrike Wellige, Landschaftsökologin und Diplomgeografin, die zweimal pro Jahr den Emsradweg kontrolliert, würde es begrüßen, wenn sich die Werft auf die mittelgroßen Kreuzfahrtschiffe beschränkte, ein Typ, den das Unternehmen weltbekannt gemacht hat. Weiter geht’s nach Leer, dem Tor Ostfrieslands, mit dem bekannten Rathaus und der Waage. Die umfassend sanierte Altstadt, direkt angrenzend an den Freizeithafen, lädt auch die Zweiradfahrer zum Bummeln, Entdecken und Entspannen ein. Vor allem lohnt sich ein Abstecher in das Museumsviertel dieser typisch ostfriesischen Stadt. Kleiner Tipp: In der "Schönen Aussicht" einen Kaffee-Stopp einlegen, draußen sitzen und Blick auf den Hafen genießen. Während die meisten Autofahrer den Emstunnel nutzen, queren die Radler den Strom per Brücke.Ostfriesisches Landesmuseum lädt ein Im Rheiderland folgen die kleinen Orte, die fast immer auf "-um" enden, wie Perlen an der Schnur. Die Gemeinde Jemgum ist geprägt von historischen Siel- und Warftdörfern. Die Orte Pogum und das Fischerdorf Ditzum liegen am Ende der Schnur, dort, wo die Ems in den Dollart mündet, am "Endje van de Welt". In Ditzum wartet die Personen- und Fahrradfähre, und Emden ist innerhalb weniger Minuten erreicht. Kunsthalle, Ratsdelft und das Otto-Huus sind nur drei von vielen Sehenswürdigkeiten der Seehafenstadt. Im prachtvollen Emdener Rathaus wartet das Ostfriesische Landesmuseum auf die Besucher. Zu den Schätzen in der Rüstkammer gehören auch die Rüstungen und Waffen der Leerer Bürgerwehr. Nur ein paar Schritte vom Rathaus entfernt, im Ratsdelft, liegen maritime Schätze vor Anker: das Feuerschiff "Deutsche Bucht" und der Seenot-Rettungskreuzer "Georg Breusing" der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, die in ganz Norddeutschland mit den kleinen Sammelschiffchen präsent ist. Ebenfalls einen Abstecher wert ist die Kesselschleuse in Emden. Wer den ganzen Weg vom Paderborner Land an die Nordsee geradelt ist, hat sich Entspannung verdient, und daher schließen wir noch eine kleine Schiffsreise an. Unser Ziel ist Borkum. Die westlichste der Ostfriesischen Inseln ist per Fährschiff oder Katamaran zu erreichen – Insel-Hopping im Schnelldurchgang. Mit rund 30 Kilometern Entfernung zur deutschen Küste hat Borkum nicht nur einen gehörigen Abstand zum Alltag. Es liegt auch als einzige ostfriesische Insel ganzjährig unter Einfluss von Hochseeklima. Denn anders als die Nachbarinseln ist Borkum immer vollständig von Seewasser umgeben. Weshalb die Luft besonders arm an Pollen und reich an Jod ist. Auf dem Emsradweg wartet eine Vielzahl von Beherbergungsbetrieben, die meisten als Bed-and-Bike-Fahrradhotel lizenziert, und Cafés und Gasthöfe auf die Radler. Bahnhöfe sind stets nur ein paar Kilometer entfernt. So lassen sich die Etappen bei Wind und Wetter auch mal abkürzen, und in ein paar Stunden ist man wieder in Ostwestfalen zurück.

realisiert durch evolver group