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Traumstrand: Wer auf der Suche nach schönen Stränden ist, wird an der Nordküste Schottlands bei Durness nicht enttäuscht. - © Roland E. Jung
Traumstrand: Wer auf der Suche nach schönen Stränden ist, wird an der Nordküste Schottlands bei Durness nicht enttäuscht. | © Roland E. Jung

Schottland Malerische Highlands

Kein Klischee könnte romantischer sein als die Realität, wenn es um Schottland geht. Das alte keltische Reich am Rande Europas ist immer noch traumhaft wild und menschenleer, vielerorts zumindest

Roland Jung
07.09.2019 | Stand 05.09.2019, 16:59 Uhr

Wer von Schottland schwärmt, denkt in erster Linie an die Highlands. Wilde Landschaft, Clan-Geschichten, Nessie, Kilt und Dudelsack. Lange war die Region der unzugänglichste Teil des Landes. Bewegt man sich heute abseits der touristischen Zentren, ist die Unwegsamkeit zum Teil geblieben. Und in dieser mystischen Region gibt es 277 Berge, die eine Landschaft ausmachen, die an Schönheit kaum zu übertreffen ist. Stirling, die Stadt mit ihrem auf steilem Fels gelegenen Schloss, war in alten Zeiten der einzige Übergang vom Tiefland ins zentrale Hochland. Hier beginnen die sanft gerundeten Höhenzüge. Moore und Heideflächen wechseln sich ab und das Wasser in den zahlreichen Seen und Lochs schimmert stahlblau. Dazwischen finden sich immer wieder historische Schlösser, Whiskybrennereien und kurvenreiche Straßen. Die Blumenstadt Aberdeen hat ihren Namen von dem heimischen Granit, auf dem die Häuser gebaut sind. In dem lebendigen Zentrum der Fischerei grünt und blüht es an jeder Ecke, was angesichts Aberdeens Lage im hohen Norden einmalig ist. Im größten Fischereihafen der Insel werden jeden Tag Hunderte Tonnen Fisch angelandet und verkauft. Hier pulsiert das Leben in vollen Zügen. Aberdeen ist auch gleichzeitig das Tor zu Royal Deeside, dem Flusstal des Dee. Die romantischen Burgen von Drum, Crathes und Craigievar recken inmitten schöner Parks und Gärten ihre Türmchen gen Himmel – der Inbegriff des schottischen Ba-
ronialstils. Die Drehscheibe für den Hochlandtourismus ist zweifellos Inverness, Hübsch sind die häusergesäumten Uferpartien von Ness Walk und Ness Bank am Fluss, über denen sich die Kathedrale erhebt. Südlich von Inverness am legendären Loch Ness, lebt angeblich Nessie. Erstmals im Jahre 565 gesichtet, ist es auch heute noch Anziehungspunkt für zahlreiche Touristen. Obwohl der See nicht unbedingt zu den schönsten Schottlands gehört, ist die Faszination, die jenes Monster ausgelöst hat, ungebrochen. Ob der 325 Meter tiefe und eisig kalte See sein Geheimnis jemals preisgeben wird, ist ungewiss. Die rötlichen Ruinen, die zum Urquhart Castle gehören, sind jedoch allgegenwärtig und gehören zu den größten Burgen Schottlands. Die Einsamkeit und Ursprünglichkeit, die sich im nördlichen Teil Schottlands dem Besucher präsentiert, ist mit Worten nur schwer zu beschreiben. Klippen, Berge und Moore bestimmten das Bild und selbst die Dörfer sind nicht mehr als eine Handvoll Häuser. Man kann diese raue Natur und menschenleeren Landschaften einfach nur lieben oder hassen. Auf der fast unberührten Halbinsel Dunnet Head bildet das 130 Meter hohe Kap mit seinem Leuchtturm den nördlichsten Punkt Schottlands. Die wenigen Menschen, die hier leben, versuchen ihr karges Einkommen mit Knitwear Shops und etwas Kunstgewerbe aufzubessern. Gigantisch ragen bei Cape Wrath die 300 Meter hohen Klippen ins Meer. Sie sind jedoch nur mit einer kleinen Fähre von Durness aus zu erreichen. Ein Paradies für Bergwanderer und Abenteurer. Die Westküste mit ihren Inseln halten viele für die schönste Landschaft Schottlands. An Ullapool, dem Fährhafen für die Äußeren Hebriden, kommt kein Tourist vorbei. Wer einen Abstecher auf die Hebriden machen möchte, wird über die „Road to the Isles" anreisen. Die Panoramastraße führt durch enge Schluchten und über weite Hochebenen. Bei den Five Sisters of Kintail, einer vielbestiegenen Berggruppe, öffnet sich die Schlucht zum Loch Duich. Und dann liegt plötzlich Eilean Donan Castle vor einem. Die mit Sicherheit am meisten fotografierte Burg Schottlands ist über eine lange, vielbogige Brücke mit dem Festland verbunden. In Kyle of Lochalsh endet die „Road to the Isles" und man blickt auf Skye, die nur durch einen schmale Meerenge vom Festland getrennt ist. Die einzige Hebriden-Insel mit wachsender Bevölkerung besticht durch enorme Felsmassive, steil abfallende Klippen und die sanfte Gartenlandschaft im Süden. Folkloristische Museen, Dunvegan Castle und nicht zuletzt das Dudelsackzentrum in Borreraig setzen die kulturellen Akzente. Die „Neblige Schöne", wie die Insel von den Einheimischen genannt wird, ist für ihre Regenschauer, Nebelbänke und das unwirkliche Licht berühmt. Und wenn dann die ersten Sonnenstrahlen auf die von bunten Cottages gesäumte Hafenfront von Portree fällt, ist man fasziniert von dieser Szenerie. Die Route über die Trotternish-Halbinsel führt an den Meat Falls, wo sich enorme Wassermassen 40 Meter tief auf den Strand stürzen. Das wilde Quiraing-Massiv ist ideal für Wandertouren auf gut sichtbaren Pfaden. Hier findet man wilde Orchideen, arktische Pflanzen und mit ein wenig Glück kann man Goldadler beobachten. Eine weitere Herausforderung, diesmal allerdings für Bergsteiger, sind die Cuillins. Die schroffen Gipfel ragen bis zu einer Höhe von 993 Meter in den Himmel. Das romantisch an einer Meeresbucht gelegene Dunvegan Castle mit seinen drei Meter dicken Burgmauern ist seit mehr als 700 Jahren der Sitz des MacLeod-Clans. Die schottischen Highlands zählen nicht nur zu den am dünnsten besiedelten Regionen Europas, sie sind weit mehr als Dudelsack, Kilt und Whisky. Zu jeder Jahreszeit ist die Landschaft eine Komposition aus zarten Farbschattierungen. Ein Land nicht nur für Naturliebhaber, sondern auch für diejenigen, die altehrwürdige Schlösser, alte Bergstraßen und interessante Felsformationen erkunden wollen.

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