0
Blick auf Zell am See von der Schmittenhöhe mit Gleitflieger.jpg - © Juchtmann
Blick auf Zell am See von der Schmittenhöhe mit Gleitflieger.jpg | © Juchtmann

Österreich Gipfel, Gletscher, Gaumenfreuden

Warum die Pinzgauer Gemeinde Zell am See-Kaprun im Salzburger Land ein ideales Urlaubsziel ist und was ein unscheinbares Kärtchen damit zu tun hat

Jürgen Juchtmann
31.08.2019 | Stand 29.08.2019, 16:52 Uhr

Was ist ein perfekter österreichischer Schmäh? Wenn der Schiffs-Kellner bei einer Rundfahrt über den Zeller See angesichts der seit gut 40 Jahren angetrauten Ehefrau fragt: „Und was darf es für das Fräulein Tochter sein?" 45 Minuten dauert die Tour um den 4,5 Quadratkilometer großen See auf dem Dampfer Schmittenhöhe. Mindestens so lange hielt das Lächeln auf dem Gesicht der besten aller Ehefrauen: Ein gelungener Urlaubsauftakt. Vom Wasser aus offenbart sich ein großartiger Blick auf die Zell am See umgebende Bergwelt. Der höchste Berg der Region, das Kitzsteinhorn, wurde bereits in den 1960er Jahren als Ganzjahres-Skigebiet erschlossen. Vom Kapruner Tal aus tragen Seilbahnen Besucher bis auf 3.029 Meter Höhe. Von verschiedenen Aussichtsplattformen erschließt sich der Blick auf schneebedeckte Gipfel wie Großglockner und Großvenediger. Snowboarder und Skifahrer finden auf dem Gletscher ganzjährig gute Bedingungen. An der Mittelstation auf 2.400 Meter Höhe gibt es sogar eine Rodelbahn. Gut trainierte Flachlandtiroler in Bergschuhen können in Begleitung eines Führers die letzten 200 Meter zum Gipfel des Kitzsteinhorns erklimmen. Motto: „Mein erster Dreitausender". Ebenso beeindruckend wie vom Kitzsteinhorn ist das Bergpanorama vom Hausberg oberhalb von Zell am See, der Schmittenhöhe. Eine Gondelbahn erschließt ein riesiges Gebiet für Tourengänger auf 2.000 Metern Höhe – dank vieler relativ flacher Routen auch für Familien und weniger ambitionierte Wanderer geeignet. An die 30 Gipfel mit über 3.000 Metern Höhe erspähen Findige von hier oben. Schon Kaiserin Sissi hat sich auf der „Schmitten", wie die Einheimischen den Berg nennen, verlustiert. Eine Kapelle erinnert an diese Begebenheit zu Beginn des 20. Jahrhunderts, bei der die Kaiserin im Pferdekarren sitzend den Berg hi-
naufgezogen wurde. Die Seilbahn nutzen viele Gleitschirmflieger für den Aufstieg, um dann wie die hier verbreiteten Bartengeier im Aufwind zu schweben und die Aussicht auf Zell und seinen See zu genießen. Wer länger oben bleiben will, kann zum Beispiel in der Pinzgauer Hütte übernachten. Für Gäste vieler Hotels in der Umgebung sind Fahrten mit den Seilbahnen ein günstiges Vergnügen. Mit der im Salzburger Land konkurrenzlosen Sommerkarte bleiben Bergbahnen, der öffentliche Nahverkehr und der Eintritt in viele Attraktionen kostenfrei. Seine personalisierte Karte erhält jeder Gast – auch Kinder – in Zell am See-Kaprun für die Dauer des Aufenthalts am Anreisetag. Wir haben nachgerechnet: Zwei Personen können mit der Karte in zwei Wochen 400 Euro und mehr sparen. So gibt es freien Eintritt in die Sigmund Thun Klamm, an den Krimmler Wasserfällen, und auch die Postbusfahrt hinauf zu den Kapruner Hochgebirgsstauseen Wasserfallboden und Mooserboden kostet mit der Karte nichts. Es ist eine abenteuerliche Fahrt durch kilometerlange Tunnel zu den Stauseen. Jeweils bis zu 85 Millionen Kubikmeter Wasser aus den Hohen Tauern speichern sie für die Stromgewinnung. Die Bauwerke, 1938 bis 1955 errichtet, gelten als Symbol für den Wiederaufbau Österreichs. Führungen durch die Staumauer am Mooserboden klären über die Bedingen auf, unter denen tausende Arbeiter – während des Krieges auch Gefangene und Zwangsarbeiter – schuften mussten. Zurück im Tal lockt in Kaprun ein kleines Automuseum der besonderen Art. Der Sammler Helmuth Vötter hat dort im Keller seines Hotels rund 200 Exponate aus den 1950er und 60er Jahren zusammengetragen. Sehr sehenswert, Eintritt mit der Sommerkarte frei. Wer mit dem Auto da ist, sollte an einem schönen Tag die nahe gelegene Großglockner-Hochalpenstraße hinauffahren. Wenn man mit Kindern reist, ist ein Besuch des Tierparks Ferleiten direkt vor der Mautstelle ein Muss. Wer sportliche Aktivitäten im flachen Bereich bevorzugt, wird die beiden international ausgezeichneten Golfplätze im Talgrund zwischen Kaprun und Zell am See zu schätzen wissen. Die bestens gepflegten 18-Loch-Plätze Kitzsteinhorn und Schmittenhöhe sind leicht zu laufen, verlangen taktisch kluges Spiel und bieten für Anfänger wie gute Spieler große Herausforderungen. Auf beiden Plätzen eignen sich die jeweils letzten Spielbahnen dazu, einen bis dahin guten Score zu verderben. Entschädigen kann da nur das großartige Panorama vor der Clubterrasse. Natürlich kommen im Pinzgau – wie überall in Österreich – die Gaumenfreuden nicht zu kurz. Vom Kaiserschmarrn über Kas-
press- und Speckknödel, Wurst- und Käsespezialitäten reicht die Palette für Gourmets. Oder darf es ein Hirsch-, Reh- oder Wildschweinrohschinken sein, ein Obstbrand, regionale Bauernprodukte? Wer probieren oder gar den Geschmack des Urlaubs nach Hause mitnehmen möchte, ist bei Feinkost Lumpi richtig. Peter Lumpi betreibt mit Ehefrau Adriana das Geschäft in der Zeller Fußgängerzone in dritter Generation. Mit knielanger Krachlederner und traditioneller blauer Schütze berät Peter Lumpi seine Kundschaft und verkündet stolz mit Blick auf sein Feinkostgewölbe: „Hier probiert der Chef noch alles selbst!" Und das ist garantiert kein Schmäh!

realisiert durch evolver group