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Alles was Marco und Bolle auf ihren Reisen und zum Leben noch brauchen, passt in zwei kleine Backpacks. Ganz wichtig: Kaffee, Schokolade, aufgeladene Akkus, Speicherkarten und ein Notizblock! - © Tristan Pineda/Unsplash
Alles was Marco und Bolle auf ihren Reisen und zum Leben noch brauchen, passt in zwei kleine Backpacks. Ganz wichtig: Kaffee, Schokolade, aufgeladene Akkus, Speicherkarten und ein Notizblock! | © Tristan Pineda/Unsplash

Reisen Backpacking rund um die Welt: Alles kündigen und los geht's?

Die Globetrotter Bolle und Marco haben alles hinter sich gelassen um die Welt zu erleben. Ihre Reisen halten sie auf einem Blog fest.

Zoi Theofilopoulos
28.08.2019 | Stand 03.09.2019, 11:56 Uhr

Ich bin weg! Wann ich wieder komme? Weiß ich noch nicht. Wieso? Ich will endlich Herr meiner eigenen Zeit sein – und vor allem Erfahrungen sammeln, andere Kulturen kennenlernen und meinen Horizont erweitern. Mein nächster Halt darum: ganz, ganz weit weg. Besonders jetzt: Der Herbst steht vor der Tür. Demnächst kommt dann die Winterdepression dazu – und schon ist sie da: die Sehnsucht nach der Ferne. Gedanken, die immer wieder durch die Köpfe vieler Menschen rauschen. Nur die wenigsten setzen ihn jedoch in die Realität um. Das trendige Backpacking ist dafür wie geschaffen. Aber so bald man den „Ciao, ich hau ab"- Gedanken weiterspielt, zerplatzt er wie eine Seifenblase. Die Wohnung kündigen. Sowieso alles kündigen. Den Job. Die Familie und Freunde hinter sich lassen. Sein Hab und Gut in einem Rucksack unterbringen. Und so eine Weltreise muss doch teuer sein. Oder? "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen" Bolle und Marco, Reise-Junkies, Liebespaar und Dreamteam, haben sich ihren Wunsch erfüllt. Auf ihrem Blog im Internet „Komm, wir machen das einfach!" kann man nicht nur ihre Reisen verfolgen, sondern auch Tipps und Tricks nachlesen. Wo fängt man bei der Planung an? „Zu Beginn macht man sich total verrückt. Das ist normal! Unsere To-do-Liste wurde von Tag zu Tag länger", berichtet Bolle. Die Gesundheit steht dabei an erster Stelle. Bolle gibt den Tipp, sich über Impfungen schlau zu machen. „Die Krankenkassen unterstützen einen finanziell, so dass man meistens gar nichts selber zahlen muss." Außerdem empfiehlt es sich, das nächste Tropeninstitut ausfindig zu machen. Dort wird man mit Reisemedizinischen Infos versorgt. Nächster Schritt: Die Auslandsversicherung. Bolle meint: „Die wenigsten wissen, dass die normale Auslandsversicherung nur kurze Auslandsaufenthalte sichert." Mit einer Langzeit-Reiseversicherung lassen sich Aufenthalte von drei Monaten bis hin zu sechs Jahren absichern. Diese kostet natürlich Geld. „Ich finde aber, dass man sein Geld nicht besser anlegen kann. Falls einem was passieren sollte, wird man problem- und kostenlos versorgt", so Bolle. Versicherung schön und gut. Ohne eine Aufenthaltsgenehmigung geht aber gar nichts. Bolle und Marco wussten, dass sie in Indonesien starten wollten. Deshalb haben sie sich noch in Deutschland um ihr Visum gekümmert. „Backpacker sollten sich für das erste Reiseziel eine längere Aufenthaltsgenehmigung organisieren, damit man vor Ort ohne Zeitdruck weiter planen kann." Die restlichen Visa-Regelungen für die jeweiligen Reiseziele kann man sich vor Ort besorgen. „Überraschenderweise ist es auf der anderen Seite der Welt total einfach, ein Aufenthaltsrecht zu bekommen", so die Weltenbummlerin. In manchen Ländern kann man sogar mit einem deutschen Reisepass bis zu 30 Tage ohne Visum bleiben. Der letzte wichtige und meist schwerste Schritt, ist das Kündigen von allem, was man ab Reisebeginn nicht mehr braucht. Bolle erzählt: „Erst war mir unwohl dabei, die Wohnung und den Job aufzugeben. Doch dann ist es wie aufräumen. Dabei fällt einem nämlich erstmal auf, was man monatlich für unnützes Geld ausgegeben hat. Handyverträge, Zeitschriften, Versicherungen, die einem aufgeschwatzt wurden." Jetzt steht der Reise nichts mehr im Weg. Aber wo soll das „Ticket um die Welt" beginnen? „Ich gebe allen den Tipp, nicht zu viel zu planen. Als wir auf Bali gelandet sind, haben wir uns verliebt. Aus zwei Wochen wurden spontan vier Monate. Hätten wir bereits in Deutschland das Ticket zum nächsten Ziel gebucht, wäre das nicht möglich gewesen. Dieser Lebensstil macht unabhängig von Geld und Zeit, sagt Bolle. Außerdem erzählt sie, dass sich das Reisen, erst beim Reisen entwickelt. Neue Bekanntschaften und Entdeckungen lassen einen die Welt mit anderen Augen sehen. „Günstig reisen funktioniert! Wir waren in Mauritius, sind für 20 Cent Bus gefahren und haben ein Mittagessen für einen Euro bekommen. Sogar Waschmaschinen sind überall günstig zu finden. Voraussetzung ist, dass man nicht all zu viel Luxus erwartet", so Reisebloggerin Bolle. Sie meint, dass es zwei Möglichkeiten gibt, eine längere Reise finanziell zu ermöglichen. Entweder spart man längere Zeit für eine bestimmte Route, oder man macht es wie die beiden: „Wir haben in einem bestimmten Zeitraum all das Geld zusammengekratzt das wir hatten und sind mit einem One-Way-Ticket gestartet." Die zwei Abenteurer haben monatlich einen Haushaltsplan geschrieben. Dort wurden alle Einnahmen zusammengerechnet und pro Tag durch Fixkosten wie Verpflegung und Übernachtung wieder runtergerechnet. Haben sie mal zuviel ausgegeben, wurde es an andere Stelle abgezogen. „Wenn man anfängt, in einem Land zu leben und nicht nur Urlaub zu machen, hat man nicht jeden Tag Action. Das bedeutet, man gibt nicht jeden Tag viel Geld aus", sagt Bolle. Außerdem konnte Bolle mit Laptop und Internetverbindung ab und zu arbeiten und ein bisschen hinzu verdienen. "Wir bereuen nur das, was wir nicht gewagt haben" Und dann kam eins zum anderen. „Wir starteten unseren Blog, auf dem wir unsere Erlebnisse für unsere Liebsten dokumentierten. Plötzlichen interessierten sich nicht nur Familie und Freunde für ihre Reise. „Wir brauchten eine Aufgabe, so steckten wir immer mehr und mehr Arbeit in unseren Blog." Heute können sie davon leben. Bevor es losging aber erstmal der Gedanke: Jetzt gibt es kein Zurück mehr. „Gefühlschaos. Wir saßen verheult im Flieger. Auf der einen Seite unbeschreibliche Vorfreude auf unsere bevorstehende Reise. Auf der anderen Seite Angst, dass unsere Beziehung in die Brüche geht. Aber vor allem waren wir stolz, auf alles, was wir geschafft haben", beschreibt Bolle. Sie erzählen, dass sie schon lange nicht mehr die sind, die sie vor dem Reisen waren. Ihr Partnerschaft ist stärker, denn sie haben Unglaubliches gemeinsam erlebt. „Einmal haben wir zum Beispiel freilaufende Schimpansen im Regenwald gesehen. Das verbindet!", sagt Bolle. Und nicht nur das: „Marco und ich sind weltoffener und entspannter. Unsere Grenzen haben sich verschoben. Wir kommen mit wenig klar und schätzen das, was wir haben und das Leben mehr denn je." Ihr Motto jetzt: Komm, wir machen das einfach! Was man zu verlieren hat? Bolle antwortet:" Nichts, außer Zeit, die man verliert, wenn man nur zuhause sitzt."

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