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Tierische Begegnungen: Im Queen Elisabeth Nationalpark erlebt man Elefanten in freier Wildbahn. - © Imme Lohmeyer-Lorek
Tierische Begegnungen: Im Queen Elisabeth Nationalpark erlebt man Elefanten in freier Wildbahn. | © Imme Lohmeyer-Lorek

Uganda Ein Land voller Erlebnisse

Eine Reise mit dem Kieler Pfarrer Klaus Onnasch und seiner Frau in das ostafrikanische Uganda bringt den Teilnehmern Land und vor allem Leute näher

Imme Lohmeyer-Lorek
07.04.2018 | Stand 05.04.2018, 19:11 Uhr

Unsere Reise beginnt in der Hauptstadt Kampala, wo wir im Gästehaus Namirembe residieren. Die Millionenstadt in der Nähe des Victoriasees zieht uns sofort in ihren Bann. Vor allem das bunte Treiben auf den Märkten, wo Einheimische Töpferwaren, Holzschnitzereien und farbenfrohe Textilien anbieten, ist faszinierend. Auf dem Gemüsemarkt ein paar Straßen weiter sind wir die einzigen Weißen, die mal misstrauisch, mal neugierig gemustert werden. Unsere Busfahrer treiben uns durch die Menge in der Hoffnung, auch keines ihrer „Schäfchen" zu verlieren. Von unserer Unterkunft sehen wir die große Ghadafi-Moschee und hören schon früh am Morgen die Gebetsgesänge der frommen Muslime. Unser eigentliches Reiseziel ist Rukararwe, ein kleines Dorf in der Region Bushenyi. Dieses Hüttendorf hat Klaus Onnasch, Reiseleiter, Initiator der ökologischen Reisen und selbst seit über 30 Jahren begeisterter Uganda-Reisender, aus privaten Mitteln finanziert. Jede der Rundhütten ist nach einem afrikanischen Tier benannt. Meine 80-jährige Mutter – sie ist die Älteste unter den Reiseteilnehmern – und ich hausen in der „Antilope". Wie begeistert sind wir, als wir diese scheuen Tiere in freier Wildbahn erleben, im Queen Elisabeth Nationalpark, einem der Highlights unserer Reise. Auch Elefanten, die sich mit ihren riesigen Ohren in der Mittagshitze Luft zufächern, stolze Giraffen, Wildschweine und riesige Büffelherden bekommen wir zu sehen. Ein unheimlich friedliches Bild, diese wilden Tiere in ihrer ursprünglichen Umgebung und nicht in einen Zoo gepfercht zu sehen, finden wir alle, als wir in der Spätnachmittagssonne den Park wieder verlassen. Unser Heimweg führt vorbei an Bananenplantagen, endlosen Teefeldern und immer wieder an der roten Erde Afrikas. Die Straßenverhältnisse sind nicht zu vergleichen mit europäischen. Auf dem Weg zum Bwindi National Park, nahe der Grenze zu Ruanda, brauchen wir für die letzten 30 Kilometer eineinhalb Stunden. Wir müssen die Fenster schließen, um den Staub auszusperren. Denn wir fahren auf Erde, die an vielen Stellen riesige Schlaglöcher freigibt. Unser Fahrer Howard jedoch nimmt es gelassen. Am nächsten Morgen brechen wir zeitig auf. Nach einer kurzen Einweisung starten wir die Reise zu den Berggorillas. Rund 900 Exemplare gibt es noch, ein Drittel in Uganda, zwei im benachbarten Ruanda. Sie stehen unter Naturschutz und werden von Rangern streng kontrolliert. Zwei von ihnen gehen uns voraus und schlagen mit Buschmessern einen Weg in den unwegsamen Urwald. Schon nach einer halben Stunde bleiben wir atemlos stehen. In etwa 100 Metern Entfernung sehen wir den ersten Silberrücken. Als wir uns nähern, nimmt er das gelassen zur Kenntnis und wendet sich dann wieder seiner Lieblingsbeschäftigung zu, dem Kauen von Blättern und Früchten. Immerhin fünf Stunden benötigt ein ausgewachsener Gorilla zur Nahrungsaufnahme. Auf Händen und Füßen kriechen wir tiefer in den Urwald hinein – und unsere Mühe wird belohnt. Vor uns hangelt sich ein Weibchen von Ast zu Ast und verweilt dann fünf Minuten an einem Arm hängend vor unseren Augen. Was die Ranger besonders stolz macht: Sie können uns sogar eine Gorilla-Mutter mit einem fünf Monate alten Baby zeigen. Wir verstummen in Ehrfurcht vor den Giganten des Urwaldes. Als ehemaliger Gemeindepastor interessiert sich Klaus Onnasch besonders für die Schicksale der Menschen in Uganda, das leider unter einer korrupten Regierung und unter 70 Prozent Arbeitslosigkeit leidet. Durch unseren Aufenthalt und den weiterer Reisegruppen haben viele Menschen in der Region Bushenyi Arbeit. Wir werden ausgezeichnet bekocht und mit einbezogen in das soziale Leben. So dürfen wir mit den Frauen aus dem Dorf tanzen und trommeln. Sie zeigen uns darüber hinaus, wie sie aus buntem Papier ovale Perlen formen, aus denen sie Ketten, Ohrringe und Armbänder fertigen. Wir staunen über ihre Hüftschwünge beim Tanzen, ihre tiefen Stimmen und ihr angeborenes Rhythmusgefühl. Auch eine Trauergruppe dürfen wir kennenlernen, in der überwiegend die Witwen verstorbener AIDS-Patienten oder Unfallopfer zu finden sind. Wie wissbegierig die Kinder hier sind, erleben wir beim Besuch der Nyamiko-Grundschule. Sie zeigen uns stolz ihre Bilder, die sie im Klassenzimmer aufgehängt haben. Auch die Kinder des Waisenhauses nahe Bushenyi empfangen uns überschwänglich. Sie singen ihre traditionellen Lieder, einige legen eine Tanzeinlage hin. Ständig sind sie in Bewegung. Die Lehrerinnen aus unserer Reisegruppe können hier ihr pädagogisches Talent einsetzen und mit den Kleinen trommeln und singen. Sie wollen uns gar nicht gehen lassen und klammern sich an die Türgriffe unserer Busse. Hellhäutige Menschen haben sie bisher höchstens aus dem Fernsehen gekannt. Aber wir müssen leider fahren, das Waisenhaus verlassen und auch Uganda, in dem wir uns nach zwei Wochen fast heimisch fühlen. Wir wissen, dass uns in Deutschland Dunkelheit und Kälte erwarten, wenn wir zurückkommen. Aber wir tragen ein Stück Uganda mit nach Hause und haben viel gelernt und gesehen.

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