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Segeln vor Australien

Mit dem Zweimaster ins Inselparadies

01.11.2014 | Stand 12.11.2015, 09:31 Uhr

Nach Cairns und Port Douglas sind die Inseln und das Festland der Whitsundays (Pfingstsonntagsinseln) das dritte Sprungbrett zum Weltnaturerbe Great Barrier Reef vor Queensland. Besondere Attraktion, allerdings nur vom Wasserflugzeug oder Helikopter aus richtig zu sehen, ist dort das Herzriff. Mit dem langgezogenen Whitehaven Beach verfügen Australiens Whitsundays zudem über einen der zehn besten Strände weltweit. Ein Segeltörn ist die schöne Möglichkeit zum Erkunden der 74 Inseln. Bevor es jedoch im Festland-Ferienort Airlie Beach an Bord geht, ist ein Besuch der neu eröffneten Barcelona Tapas Bar an der Abell Point Marina Pflicht. Serviert wird dort eine gelungene Kombination spanischer Kochkunst mit frischen Produkten der Whitsundays. Das Spektrum reicht von karamellisierten Jakobsmuscheln auf gegrillter Chorizo und Mango-Mousse über Weichschalen-Krabbe mit Avocado- und Grapefruitsalat, saftigen Spanferkelrippchen mit Rum bis zu Kammmuscheln aus der Pfanne auf spanischer Blutwurst und karamellisiertem Apfelmus an krossem Bauchspeck. Flüssige Hausspezialität sind "Infusionen" auf Tanqueray-Gin- und Limonen-Basis, wahlweise mit Erdbeeren, Minze/Kiwi, Thymian oder Wassermelone. Am Steg vor der Tapasbar hat die "Solway Lass" festgemacht. Sie ist 1902 als Frachtsegler in Holland vom Stapel gelaufen und wurde 1905 nach Deutschland verkauft. Von Großbritannien 1914 als Kriegsbeute beschlagnahmt, überstand die Schonerbrigg den Ersten Weltkrieg als U-Boot-Köder und pendelte später als Handelsschiff zwischen Schottland und Liverpool. Ihren heutigen Namen erhielt sie 1924 beim Erwerb durch ein schottisches Unternehmen. Im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte das Dritte Reich den Segler und nutzte ihn als Truppenversorger und Eisbrecher. Ab 1949 war die Schonerbrigg als "Sundeved" in Dänemark unterwegs sowie ab 1970 als Frachtschiff im Südpazifik, wo sie in den 1980er Jahren verfiel, bis der Australier Tim Lloyd sie 1983 erwarb und restaurierte. Mehrfach modernisiert, segelt die "Solway Lass" seit 1999 durch die Whitsundays. Das ist die Kurzfassung der Geschichte, die der Skipper nach dem obligatorischen Sicherheitsbriefing zum Besten gibt. Wer unter Deck Kreuzfahrtschiff-Komfort erwartet, wird enttäuscht: Bullaugen fehlen den historischen Kajüten. Eine ist sogar mit sechs Kojen ausgestattet, Platz zum Gepäckabstellen ist knapp. Deutlich mehr Frischluft gibt es an Deck, wo auch die Büfett-Mahlzeiten eingenommen werden. Das 28 Meter lange Oldtimer-Schiff fasst maximal 30 Passagiere. Mehr als 20 Meter hoch sind die Masten. Es macht Spaß, der Besatzung beim Segelsetzen in den Wanten hoch über dem Schonerbrigg-Deck zuzusehen. In der Takelage sichern Karabinerhaken die Crewmitglieder. Der kraftraubende Einsatz erfordert Geschick und Schwindelfreiheit und bleibt daher für Gäste tabu. Unter Aufsicht von Bootsmann Kenny dürfen sie jedoch beim Segelhissen helfen. Sind alle gesetzt, gleitet der Zweimaster überraschend schnell durch die Wellen und wiegt die Passagiere nachts sanft in den Schlaf. Sind die Wellen zu hoch oder herrscht Flaute, gibt es einen Dieselmotor an Bord. Wind, Seegang und Gästewünsche entscheiden über das Programm der bis zu sechs Tagen kombinierbaren Drei-Tage-Törns auf dem historischen Schiff. Kapitänsträume gehen in Erfüllung, wenn Passagiere die "Solway Lass" steuern dürfen. Wir ankern vor der Nationalparkinsel South Molle. Nach Zyklonschäden ist das Resorthotel dort noch nicht wieder richtig in Betrieb, obwohl Coca-Cola vor seinem Bauer-Bay-Strand sogar einen Werbespot gedreht hat. Der Neun-Loch-Golfplatz, auf dem die letzte Clubmeisterschaft 2004 ausgetragen wurde, wird weiter gepflegt, um den Wert der Anlage zu erhalten. Gleich dahinter beginnt der Molle Islands National Park. Ein Matrose führt uns den Ngaro Sea Trail mit spektakulären Aussichten hinauf. Der Name geht auf einen ausgestorbenen Aborigine-Stamm zurück, der seine Steinwerkzeuge auf South Molle herstellte. Neuguinea-Araukarien krallen sich in von langen Gräsern bewachsene Hänge. Nicht nur North Molle, auch Cid, Daydream, Long, Plantation und Whitsunday Island sind von South Molle aus gut zu sehen. Das Daydream Island Resort auf der Nachbarinsel unterhält einen kuriosen Streichelzoo mit 140 Fisch- und 83 Korallenarten, wo Rochen gefüttert und Haie in den Arm genommen werden können. Durch einen kleinen Urwald führt der Ngaro Sea Trail hoch zum felsigen Aussichtspunkt "Spion Kop" auf South Molle, unter dem die "Solway Lass" in der Bauer Bay auf Reede liegt. Auf dem Rückweg vom grandiosen Inselpanorama bergab träumen wir bereits vom Durchsegeln der Whitsunday-Passage ganz vorne im Netz der Schonerbrigg mit Kurs Airlie Beach, wo ein Gelbhaubenkakadu auf dem Hotelbalkon auf Gäste wartet. Doch ins Netz über den Wellen dürfen aus Sicherheitsgründen nur jeweils zwei Passagiere.

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