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Der Banding-Stausee im Royal Belum Rainforest in Malaysia. - © FOTO: KARSTEN-THILO RAAB
Der Banding-Stausee im Royal Belum Rainforest in Malaysia. | © FOTO: KARSTEN-THILO RAAB

Malaysia Unterwegs im Regenwald

Zu Besuch bei den Orang Asli

22.03.2014 | Stand 11.11.2015, 18:46 Uhr

Die Hitze ist drückend. Fast scheint es, als bewege man sich in einer Freiluftsauna.Im Gänsemarsch geht es hinter Basri und Salhin her durch das tiefgrüne Dickicht, aus dem ein undefinierbares Gewirr an Geräuschen dringt. Es knackt, summt und zischt überall. Permanentes Schreien, Grunzen, Knurren, Trompeten, Quaken, Flattern und Schnattern bestimmt die nicht enden wollende Geräuschkulisse im Royal Belum Rainforest im Norden der malaiischen Halbinsel. "Ich höre die Geräusche schon gar nicht mehr", lacht der Touristenführer Salhin. Schweigend schreitet er weiter über Wurzeln, Steine und vorbei knorrigen Lianen an zum Teil mannshohen Blättern. Dann deutet Salhin auf ein paar gut sichtbare kleine Löcher in der Baumrinde. "Elefanten", sagt der Ranger, der gerade einmal Anfang 20 ist und diesen Teil des Regenwaldes wie seine Westentasche kennt. Die Löcher in der Rinde stammen von den Stoßzähnen. Wenig später deutet sein Kollege Basri auf eine noch dampfende Ansammlung von Elefantendung. "Das Tier muss ganz in der Nähe sein, will uns aber offensichtlich nicht treffen." Gleiches gilt für die rund 90 Malaysiatiger und die Sumatranashörner, die in dem gigantischen Regenwald daheim sind, dessen Fläche mit 117.500 Hektar etwa viermal so groß ist wie der Stadtstaat Singapur. Dafür wissen Basri und Salhin, wo eine andere Besonderheit zu finden ist: die Rafflesia. Der übel riechende Schmarotzer mit der größten Blüte im Pflanzenreich gedeiht in der Nähe von Bächen, Flüssen oder Wasserfällen. "Acht bis zehn Monate dauert es, bis die Rafflesia für fünf, sechs Tage blüht", erläutert Salhin. Der Royal Belum Rainforest sei rund 130 Millionen Jahre alt und damit deutlich älter als der Regenwald am Amazonas oder im Kongo. 3.000 Pflanzenarten, darunter 850 Orchideen, gibt es hier, schwärmt der Guide. Besonders weit verbreitet seien die Flügelfruchtbäume mit ihren hoch vom Boden aufragenden Brettwurzeln. Der Riese in der Dschungelflora ist der bis zu 50 Meter hohe Tualang-Baum. In seinen Wipfeln schwingen sich Makaken und Gibbons von Ast zu Ast. "Wir haben in Royal Belum mehr als 700 Vogel-, 280 Schmetterlings- und 150 Amphibien- sowie 300 Reptilienarten, darunter Kobra, Viper und Python", ergänzt Basri.Ein Sprung ins kühle Nass Am 25 Meter hohen Sungai-Enam-Wasserfall, einem von neun Wasserfällen in Belum, gibt es dann beim Sprung in das kühle Nass eine kleine Abkühlung inmitten der Regenwald-Sauna. So erfrischt, geht es mit dem Boot weiter kreuz und quer durch die vielen Seitenarmee und Zuflüsse des 80 Kilometer langen Banding-Stausees. Das dichte Grün des Regenwaldes reicht bis ans Ufer. Immer wieder ragen die Stämme abgestorbener Bäume aus dem Wasser auf. Ein paar Krokodile liegen scheinbar faul dösend im seichten Wasser oder wärmen sich am Ufer. An verschiedenen Stellen stören allerdings die sichtbaren Unterwasserkäfige kommerzieller Fischzuchtstationen die Urwald-Idylle. Rund 35 Minuten rast das mit zwei Außenbordern bestückte Boot laut dröhnend über die malerische Seenlandschaft, um dann am Anleger von Aman in Pulau Banding kurz festzumachen. Weitere 45 Minuten später tuckert das Boot auf eine kleine, hügelige Insel zu. Schon von weitem sind die Hütten der Orang Asli, der malaiischen Ureinwohner, zu erkennen. "Kampung Chuweh" nennen die Angehörigen des Jahai-Stamms ihre Ansiedlung, die aus kaum mehr als ein Dutzend einfacher, auf Stelzen errichteter Behausungen aus Bambusrohr und Palmen besteht. Die indigenen Orang Asli, deren Name übersetzt "ursprüngliche Menschen" bedeutet, leben hier noch wie vor Hunderten von Jahren. Immerhin haben sie vom Staat für den Fall der Fälle ein Motorboot zur Verfügung gestellt bekommen. In den spärlich ausgestatteten Hütten gibt es weder Betten noch Tische oder Sitzmöbel. Strom und fließendes Wasser gibt es ebenfalls nicht. Wasser holen sich die Orang Asli aus dem See. Auch Schuhe trägt hier niemand. Ein paar Hühner und Gänse laufen frei herum. Die Männer fangen Fische, die Frauen kochen oder hocken im Schneidersitz auf dem Boden und flechten Taschen aus Gräsern. "Hier herrscht noch das Gesetz der Wildnis. Alle leben von dem, was der Regenwald hergibt", erklärt unser Führer Basri. Die Orang Asli seien in erster Linie Jäger und Sammler.

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