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Emissionsfrei? Auf lange Sicht sind Elektroautos ein Gewinn für die Umwelt. :  - © Julian Stratenschulte/dpa
Emissionsfrei? Auf lange Sicht sind Elektroautos ein Gewinn für die Umwelt. :  | © Julian Stratenschulte/dpa

E-Mobilität im Fokus

Emissionsfreies Fahren – und das am besten mit grünem Strom: Wer sich für ein E-Auto entscheidet, verbessert auf lange Sicht seine Ökobilanz.

27.02.2021 | Stand 26.02.2021, 14:36 Uhr

Immer mehr Menschen kaufen sich ein Elektroauto oder sind zumindest dabei, sich ausführlich über die emissionsfreie Art der Mobilität zu informieren. Laufende Kosten, Förderung, Ladestationen, Versicherung, Reichweite – alles Dinge, die man bei seiner Entscheidung berücksichtigen muss.

Aber auch Hersteller machen sich intensiv Gedanken, wie die Klimabilanz der eigenen Fahrzeuge aussieht. So zum Beispiel Volvo. Nachdem Volvo Cars bereits das in den Hochvoltbatterien verwendete Kobalt weltweit rückverfolgbar gemacht hat, informiert das Unternehmen nun auch über die genaue Klimabilanz seines ersten Elektrofahrzeugs Volvo XC40. Demnach sind sie trotz einer zu Beginn verhältnismäßig großen CO2-Belastung über das gesamte Fahrzeugleben betrachtet umweltfreundlicher als konventionell angetriebene Autos.

Wer rein elektrisch fährt, ist zumindest lokal emissionsfrei unterwegs: Im Fahrbetrieb werden weder CO2 noch andere Schadstoffe wie Rußpartikel und Stickoxide freigesetzt. Damit tragen Elektroautos aktiv zu einer Verbesserung der Luftqualität bei.

Dennoch sind Elektrofahrzeuge nicht komplett emissionsfrei: Denn der geladene Strom verursacht je nach Ursprung mehr oder minder viel CO2. Noch mehr Emissionen entstehen in der Fahrzeugproduktion sowie bei der Nutzung und Verarbeitung bestimmter Materialien. Dabei schlagen sich nicht nur die Lithium-Ionen-Batterien in der Ökobilanz von Elektrofahrzeugen nieder, auch der vermehrte Einsatz von Aluminium, beispielsweise für den Sicherheitskäfig des Hochvoltakkus, macht sich bemerkbar.

Zu diesem Ergebnis kommen die Experten der Lebenszyklus-Analyse (LCA) des Volvo Sustainability Centers, einer Abteilung des unternehmenseigenen Forschungs- und Entwicklungszentrums. Bei dieser genormten Analyse wird jedes Bauteil des neuen vollelektrischen Volvo XC40 in Augenschein genommen und genau untersucht, wie sich das Fahrzeug über seinen kompletten Lebenszyklus auf die Umwelt auswirkt – von der Gewinnung der Rohstoffe, der Logistikkette, der Produktion und Montage, der Nutzungsphase bis hin zum Recycling der verbauten bzw. verwendeten Materialien.

Fakt ist: Der vollelektrische Volvo rollt mit einem vergleichsweise großen CO2-Fußabdruck vom Band. Während der Nutzung arbeitet das Elektroauto seine negative Bilanz jedoch sukzessive auf. Stammt der geladene Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energien wie Wind- und Sonnenkraft, wo nur geringe Emissionen in der Herstellung der Windräder und Solarpanels entstehen, emittiert der Elektro-Volvo bereits nach einer Laufleistung von 47.000 Kilometern weniger CO2 als sein benzinbetriebenes Pendant. Die Folge: Im Laufe ihres Lebens führen Stromer zu weniger als nur halb so viel CO2 wie Verbrenner-Modelle. Doch selbst mit dem angenommen ungünstigsten, zu größten Teilen auf fossilen Brennstoffen basierenden Strommix ist die CO2-Bilanz des ersten Volvo Elektroautos noch immer rund vier Tonnen besser als die vergleichbarer Benziner.

Schritt in die E-Mobilität oder staatlich subventionierter Klimabetrug? Ob Plug-in-Hybride eine komplett saubere Sache sind, daran scheiden sich aktuell noch die Geister. Die Teilzeitstromer sind nur so umweltfreundlich wie ihre Fahrer.

Mit der Batterie durch den Alltag und auf weiteren Strecken ausnahmsweise auch mal mit Benzin – so lockt die Autoindustrie mit dem Plug-in-Hybrid seit einigen Jahren auch skeptische Kunden in die Elektromobilität. Solche Fahrzeuge haben sowohl Verbrennungsmotor als auch E-Maschine an Bord und lassen sich auch an der Steckdose aufladen.

Nach Lesart der Ingenieure vereinen sie das Beste aus zwei Welten und werden zur Brückentechnologie: Wo niemand Angst um die Reichweite haben oder eine Ladesäule suchen muss, kann man sich nach dieser Argumentation getrost auf das Abenteuer einer neuen Mobilität einlassen. „In der Stadt fahren sie rein elektrisch, bei langen Strecken profitieren sie von der Reichweite des Verbrenners", meint Torsten Eder als Leiter der Antriebsstrang-Entwicklung bei Mercedes.

An die deutliche Beschleunigung der Mobilitätswende durch Plug-in-Hybride als sinnvolle Brückentechnologie glaubt auch Andreas Radics: „Vor allem in Staaten oder Regionen, in denen die Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge kaum ausgebaut ist oder nur langsam wächst", so der Experte vom Strategieberater Berylls. „Sie stellen sozusagen den Link zwischen alter Verbrenner- und neuer E-Mobilitätswelt dar." Und sie kann erschwinglicher werden: „Nutzt man ihn artgerecht, also möglichst viel im E-Modus, ist der Plug-in so umweltfreundlich wie ein reines E-Auto; bei tendenziell etwas niedrigeren Anschaffungskosten, weil er keine große und teure Batterie benötigt."

Das sieht die Politik genauso und fördert die Teilzeitstromer, die je nach Marke und Modell bis zu 100 Kilometer Reichweite haben und teilweise über 140 km/h schnell stromern können, mit bis zu 75 Prozent des Bundesanteils für reine E-Autos. Weil obendrein die Steuerlast für Dienstwagenfahrer gesenkt wurde, stehen die Teilzeitstromer vor allem bei Firmenkunden hoch im Kurs.

Weil Plug-in-Hybride im Normzyklus zudem extrem niedrige Verbrauchswerte ausweisen, drücken sie den CO2-Flottenwert der Hersteller und senken so das Risiko hoher Strafzahlungen. Deshalb haben fast alle Marken ihr Angebot dramatisch ausgeweitet. Doch je größer ihr Anteil wird, desto mehr Kritik gibt es auch.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sehen in den Teilzeitstromern eine grüne Mogelpackung. Denn sauber seien sie nur, wenn sie auch brav an der Steckdose geladen würden. Wer nur mit Benzin fährt, zahle nicht nur einen überhöhten Preis für den doppelten Antrieb, sondern riskiere allein durch das größere Gewicht auch noch einen höheren Verbrauch. 

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