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Gefragt: Peter Schleef verkauft in seinem Fachgeschäft seit rund zehn Jahren auch die derzeit heiß begehrten E-Bikes.  - © Mareike Patock
Gefragt: Peter Schleef verkauft in seinem Fachgeschäft seit rund zehn Jahren auch die derzeit heiß begehrten E-Bikes.  | © Mareike Patock

Pedelcs als neuer Trend-Sport Corona kurbelt E-Bike Verkäufe an

Sie sind die Gewinner der Corona-Krise: Warum Pedelecs gerade so beliebt sind, worauf besonders junge Leute abfahren und was ein gutes E-Bike an Ausstattung haben sollte, erklärt Zweiradhändler Peter Schleef aus Spenge.

Mareike Patock
26.09.2020 | Stand 23.10.2020, 11:37 Uhr

Eine so große Nachfrage nach E-Bikes wie momentan hat Peter Schleef noch nicht erlebt: Seit rund zehn Jahren verkauft er in seinem Zweirad- und Motorrad-Fachgeschäft in Spenge auch Pedelecs. „Der richtige Boom ging vor etwa fünf Jahren los", sagt er. „Von da an hat man richtig gemerkt, dass normale Räder fast gar nicht mehr gefragt sind."

 Hohe Nachfrage nach mehr E-Bike Auswahl

Normalerweise gibt es in seinem Geschäft eine große Auswahl an E-Bikes. „Sonst stehen hier bestimmt 30 Pedelecs, aber davon bin ich im Moment weit entfernt", sagt er. In diesem Jahr hätten die Leute wegen der Corona-Pandemie nicht groß verreisen können. Darum hätten sich viele ein neues Rad gekauft. Bei E-Bikes an Nachschub zu kommen, sei derzeit allerdings eine Herausforderung. „Es ist gerade ganz schwierig mit den Lieferzeiten."

Mitte August habe er bei einem großen Radhersteller in Oldenburg angerufen, um neue Pedelecs zu ordern. „Ich hätte mich da auf alles eingelassen – egal, welches Modell oder welche Farbe", sagt Schleef. „Aber es war nichts mehr da. Nicht mal mehr Modelle mit Rahmen oder in Farben, die sonst nicht so gut gehen." Liefertermin sei zu der Zeit Ende Oktober gewesen.

Erfahrung beim Fahrradverkauf zahlt sich aus

Allerdings sind nicht nur die Räder selbst momentan schwer zu bekommen. Auch, wer ein Ersatzteil braucht, muss sich mitunter in Geduld üben. Verschleißteile seien derzeit schwer zu ersetzen, sagt er. „Außenspiegel zum Beispiel sind seit Wochen schon schwer zu bekommen." Mit Zweirädern kennt sich Peter Schleef schon seit fast vier Jahrzehnten aus. Früher, in den 80ern, ist er Motorradrennen gefahren. 1984 wurde er Deutscher Juniorenmeister. „Ab 1987 bin ich dann Weltmeisterschaften mit 500 Kubik-Motorrädern in der Königsklasse gefahren." Auf Rennstrecken in der ganzen Welt war er mit seiner Maschine unterwegs, auch auf dem Nürburgring. Danach hat der heute 59-Jährige sein Hobby zum Beruf gemacht.

E-Bike Ausstattung wichtig

Heute verkauft er neben Motorrädern und (Elektro-)Rollern auch E-Bikes. Und er weiß, was ein Pedelec an Ausstattung braucht: „Ein gutes E-Bike sollte einen Mittelmotor haben", empfiehlt Schleef. Der sei in Höhe des Tretlagers angebracht und biete gute Fahreigenschaften, unter anderem mehr Sicherheit auf unsicherem Untergrund. „Wenn man zum Beispiel auf Sand oder Rollsplit kommt, hört der Motor auf zu arbeiten – dann kann man nicht stürzen."

Ob Front-, Hinterrad- oder Mittelmotor: „Alle Motoren dürfen nur 250 Watt haben", sagt Schleef. „An der Wattzahl des Akkus liegt es dann, wie weit man mit dem Rad fahren kann." Mit einem guten E-Bike könne man eine Strecke zwischen 100 und 150 Kilometern zurücklegen. „400 Watt bräuchte der Akku dafür an Stärke." Wer zu einem mit 625 Watt greift, könne mit seinem Pedelec bis zu 230 Kilometer weit fahren. Normale Akkus bräuchten vier bis fünf Stunden, bis sie wieder aufgeladen seien. Es gebe aber auch Modelle, die schon nach zweieinhalb Stunden wieder „aufgetankt" sind.

Akku-Technologie wird bei Pedelecs immer ausgefeilter

Alle Akkus könnten an eine herkömmliche Steckdose angeschlossen werden, sagt Schleef. Wer sich ein Pedelec zulegen möchte, sollte allerdings darauf achten, dass der Akku mit einem Schlüssel abgenommen werden kann. „Dann kann man ihn ganz bequem mit ins Haus nehmen und dort wieder aufladen, denn nicht jeder hat ja eine Garage oder ein Carport." Schwer tragen muss man an den Akkus heute nicht mehr: „Sie wiegen nur noch zwei Kilo", sagt Schleef. Was außerdem wichtig für ein gutes Pedelec ist: ein verstellbarer Lenkervorbau, eine gute Gabel mit einer weichen Federung im ersten Drittel, eine ordentliche Beleuchtung (30 Lux) und geeignete Bremsen – am besten hydraulische.

Wer glaubt, dass Pedelecs nur bei älteren Menschen gefragt sind, irrt übrigens: „Auch immer mehr Jüngere wollen ein E-Bike." Bei ihnen seien zum Beispiel E-Mountainbikes beliebt. „Das ist ein Trend", sagt Peter Schleef. Bei diesen Bikes sitze der Akku im Rahmen. „Den sieht man überhaupt nicht mehr. Das sind die schicksten Dinger."

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