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Regionale 2022: Dadurch werden neue Ideen angeschoben wie die „MonoCaps", die auf alten Gleisen fahren könnten. Auch die Themen „Der neue Mittelstand", „Die neuen Kommunen ohne Grenzen" und „Das neue Stadt-Land-Quartier" gehören zum Strukturförderprogramm.  - © Ilja Nowodworski
Regionale 2022: Dadurch werden neue Ideen angeschoben wie die „MonoCaps", die auf alten Gleisen fahren könnten. Auch die Themen „Der neue Mittelstand", „Die neuen Kommunen ohne Grenzen" und „Das neue Stadt-Land-Quartier" gehören zum Strukturförderprogramm.  | © Ilja Nowodworski

Ideen aus OWL ÖPNV: Regionale Verbindungen in OWL verbessern

Wie wäre es, wenn man auf alten Bahngleisen jederzeit von einem selbstfahrenden Kapsel-Taxi abgeholt werden könnte? Oder wenn Radfahrer auf komfortablen Wegen von einer Stadt in die andere fahren könnten? Warum diese Ideen bei uns wahr werden könnten.

Monika Dütmeyer
26.09.2020 | Stand 01.10.2020, 11:01 Uhr

Vielen Ostwestfalen und Lippern dürfte es bekannt vorkommen: Eigentlich würde man gern mal das Auto stehen lassen und stattdessen einfach den Bus oder die Bahn nehmen. Das ist nicht nur besser für die Umwelt, man kann sich einfach mal bequem fahren lassen, die nervige Parkplatzfrage fällt weg und wenn das Ziel eine Feier ist, könnte man sogar mal ein Gläschen trinken.

Doch nur zu oft fehlt es an guten Verbindungen: Mal fahren die Busse zu selten oder abends vielleicht auch gar nicht mehr. Oder man müsste einen manchmal stundenlangen Weg zum nächsten Bahnhof auf sich nehmen, der mit dem Auto in einem Bruchteil dieser Zeit zu erreichen wäre. Und nur allzu oft lautet das Fazit: ohne Auto geht es irgendwie doch nicht bei uns auf dem Land.

Und an diesem Punkt setzt die Mobilitätsstrategie der Regionale 2022 an. Ein Strukturförderprogramm, das einen Schwerpunkt auf schnelle und gute Wege durch OWL legt. Dazu konnten und können Menschen ihre Ideen einreichen, die im Zuge der Regionale gefördert und umgesetzt werden können. Dabei geht es um Ideen mit Vorbildcharakter, die das Ziel verfolgen, Mobilität auch bis in den hintersten Winkel einer ländlichen Region zu gewährleisten – von Beverungen bis nach Rahden. Dazu sind schon eine Menge Vorschläge eingegangen und an einigen wird schon sehr fleißig gearbeitet.

Mobilität von Tür zu Tür im Kreis Lippe

Zum Beispiel am Multimodalen Verkehrssystem für den Kreis Lippe, das bereits offizielles Regionale-Projekt in der Umsetzung ist. Im Mittelpunkt steht dabei, schnelle Achsen zwischen den Städten und komfortable und bedarfsgerechte Verbindungen in die Dörfer zu schaffen. Kurzum: Stadt und Land enger zu vernetzen – ganz im Sinne der Regionale, die unter der Überschrift „Das neue 
UrbanLand" steht. „Das Multimodale Verkehrssystem für den Kreis Lippe ist ein Beispiel für eine Zukunftslösung, die den Menschen ermöglicht, bequem von Haus zu Haus zu kommen", erklärt Regionale-Managerin Annette Nothnagel. Damit das funktioniert, spielen eine Menge Verkehrsträger und Sharing-Angebote zusammen: Herzstück ist eine Schnellbusachse, auf der die Linien im 30-Minuten-Takt verkehren und den ländlichen Raum an die Städte, große Firmen und Ausbildungshotspots sowie an die Eisenbahn anbindet.

Damit das wirklich für jeden funktioniert, ist das „Drumherum" entscheidend: Viele Buslinien werden beispielsweise im sogenannten Richtungsbandbetrieb verkehren, sodass flexibler auf Fahrgastwünsche eingegangen werden kann.

Außerdem entstehen Mobilstationen, an denen es beispielsweise Car-Sharing-Angebote sowie Fahrrad- und E-Bike-Stationen geben wird, auch Bürgerbuslinien werden in das Angebot integriert. Ergänzend dazu entstehen neue Bezahlmodelle. „Die Neustrukturierung der Tarifstruktur und Jobticketangebote sind attraktiv insbesondere für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und machen das Multimodale Verkehrssystem gleichzeitig wirtschaftlich", so Achim Oberwöhrmeier, Geschäftsführer der Kommunalen Verkehrsgesellschaft Lippe.

Buchen bis Bezahlen: Eine App für alles

Während das Multimodale Verkehrssystem bereits den Status „A" genießt und damit als Regionale-Projekt ausgezeichnet ist, gibt es noch weitere Ideen, die sich im Status B und C noch auf dem Weg dahin befinden. Im Status B gehört auch die Ostwestfälischen Mobilitätsplattform dazu, initiiert vom Nahverkehrsverbund Paderborn/Höxter. Gibt man sein Ziel ein, dann verbindet die Anwendung Mobilitätsangebote ganzheitlich von der Busverbindung bis zum Carsharing – das soll übrigens auch NRW- und bundesweit funktionieren. Auf diesem Wege kann man sich informieren, buchen und das individuelle Ticket für die gesamte Strecke auch damit bezahlen. „Entscheidend ist dabei die komfortable Nutzung", sagt Annette Nothnagel.

Neue MonoCaps auf alten Gleisen

anch einer, der in der Nähe von stillgelegten Bahngleisen wohnt, hat sich vielleicht schon mal gedacht: Wäre doch schön und praktisch, wenn hier mal wieder ein Zug fahren würde. Doch so oft lautet die Antwort: Das lohnt sich einfach finanziell nicht.

Doch wie auf der historischen Eisenbahnstrecke zwischen Lemgo und Extertal, könnte sich auf vielen stillgelegten Gleisen bald wieder was bewegen. Denn das ist die Teststrecke für Monocaps – kleine, selbst fahrende Kabinen, die wie ein Taxi bei Bedarf rund um die Uhr gerufen werden können – zum Beispiel für die Fahrt in die Stadt oder zurück. Sie fahren nur auf einer Schiene, sodass immer zwei Mono-Caps – ähnlich wie ein Paternoster-Aufzug – im ständigen Umlauf in beide Richtungen nebeneinander her fahren können. Dahinter stehen die Projektträger Technische Hochschule OWL, die FH Bielefeld, das Fraunhofer Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung in Lemgo und die Landeseisenbahn Lippe e. V.. Kürzlich überreichte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst dafür Förderbescheide in Höhe von 3,6 Millionen Euro. „Mobilität verändert sich gerade tiefgreifend. Mit den MonoCabs wollen wir die Mobilität auf der Schiene im ländlichen Raum stärken", sagte Wüst bei der Übergabe in Bielefeld.

Auch zwei Projekte, die sich derzeit im C-Status befinden, haben bereits eine Förderung zugesprochen bekommen. Die Mobilitäts-Pilotprojekte „Tariflinien-E-Carsharing" in Borgholzhausen und „On-Demand-Ridepooling" in Höxter werden als Teil des Landeswettbewerbs „Mobil.NRW – Modellvorhaben innovativer ÖPNV im ländlichen Raum" des Verkehrsministeriums NRW mit zusammen rund 3,6 Millionen Euro gefördert.

So wie fast alle Verkehrsprojekte lassen sich viele nicht von heute auf morgen realisieren. „Doch es wurde schon viel angeschoben, viele Zusammenarbeiten sind entstanden", sagt Annette Nothnagel. Corona habe auch die ein oder andere Verzögerung mit sich gebracht, aber auch neue Perspektiven eröffnet, wenn es um mobiles- und Remote-Arbeiten geht.

„Co-Working-Spaces sind nun auch in ländlicheren Regionen denkbar." Durch die örtlich lockerere Bindung könnten ganz neue Arbeitsverhältnisse eingegangen werden. Zum Beispiel könnte es dann sein, dass man zwei Tage die Woche in München im Unternehmen arbeitet – und den Rest der Zeit zu Hause oder in Coworking-Spaces. „Das ist eine Chance für den ländlichen Raum."

Information

Zukunftsideen für Mobilität

Für die Regionale sind noch weitere spannende Ideen eingegangen, die sich derzeit im C-Status befinden und zukünftig umgesetzt werden könnten.



MOVE IN OWL
Dahinter stehen mehrere Ideen für autonomes Fahren unterschiedlicher Initiatoren – auf verschiedenen Wegen wie Straße, Schiene, Autobahn und auch auf der „letzten Meile".

TWE-STRECKE
Dabei geht es um die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Harsewinkel, Gütersloh und Verl.

ON-DEMAND-RIDEPOOLING HÖXTER
Dabei geht es um die Strecke vom Bahnhof bis nach Hause. Und im Prinzip um die intelligente Weiterentwicklung der Idee des Sammeltaxis für möglichst viele Gäste im ländlichen Raum, das auch im Fahrpreis enthalten sein soll.

TARIFLINIEN E-CARSHARING
Im Mittelpunkt steht ebenfalls die Strecke vom Bahnhof bis nach Hause – und die Idee, diese mit kostenlosem Car-Sharing-Angeboten für ÖPNV-Nutzer abzudecken.

RAIL-CAMPUS OWL
Hier geht es um Zusammenarbeit von Hochschulen und der Deutschen Bahn bezüglich Themen wie Innovationen, Weiterbildung und Forschung.

RADNETZ OWL
Im Mittelpunkt steht die zunehmende Bedeutung von Radmobilität, die Verbindung von Kommunen und die Identifikation von starken Radverkehrsachsen. Eine Idee, die allen partizipierenden Kommunen nutzt und viel Potenzial besitzt.

RADSCHNELLWEG
Dabei dreht sich ebenfalls alles ums Rad: Konkret um den Radschnellweg „RS 3", der von Minden nach Herford führen soll – und, weiter gedacht, über Rheda-Wiedenbrück den Anschluss ans Ruhrgebiet leisten könnte.

MULTIMODALHUB LUSTGARTEN
Dabei geht es um das Parkhaus „Lustgarten" in Detmold und die exemplarische zukunftsweisende Gestaltung und Nutzung von Parkhäusern, beispielsweise als Quartiersgarage, Paketstation und auch um weitere Ideen wie hängende Gärten.

MODELLREGION POSTFOSSILE MOBILITÄT
Es geht um neue Kraftstoffe aus Pflanzen, Gas, Wasserstoff und außergewöhnlicheren Quellen wie Abfall. Und auch um Themen wie Raumentwicklung, z. B. Tankstellengestaltung.

CITY LOGISTIK – SMART CITY-KONZEPT
Hier geht es um den Transport von Waren in der Stadt und um Möglichkeiten, diese zu bündeln. Auch um Hubs, beispielsweise in historischen Innenstädten, in denen nicht viel Lagerraum zur Verfügung steht.

TARIFE ÜBER REGIONALE GRENZEN
Das Ziel ist eine verständliche und faire Tarifgestaltung, die nicht an der Stadtgrenze endet. Mehr Infos:

www.urbanland-owl.de

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