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Unübersichtlich: Wer sein Auto unterwegs laden möchte, findet sich meist im Tarifdschungel wieder.  - © Istock
Unübersichtlich: Wer sein Auto unterwegs laden möchte, findet sich meist im Tarifdschungel wieder.  | © Istock

Was fehlt für die E-Mobilität? Ladeinfrastruktur für E-Akkus unter der Lupe

Beschwerden von Nutzern und Dienstleistern: Bundeskartellamt untersucht Markt für E-Auto-Ladesäulen.

26.09.2020 | Stand 01.10.2020, 13:12 Uhr

Soll die E-Mobilität gelingen, braucht es eine vernünftige ausgebaute Ladeinfrastruktur. Die gleicht im öffentlichen Raum allerdings eher einem Flickenteppich. So sind nach Angaben der Bundesnetzagentur zwar deutschlandweit mehr als 13.000 registrierte Ladesäulen für Nutzer von Elektrofahrzeugen verfügbar, doch hat das Bonner Marktforschungsinstitut EuPD Research festgestellt, dass es dafür insgesamt 194 Stromanbieter mit 288 Tarifen gibt.

Stiftung Warentest kritisiert Ladeinfrastruktur

Das kritisiert auch Stiftung Warentest: „Während es mit anderen Pkw selbst­verständlich ist, spontan zu einem weithin sicht­baren Preis zu tanken, ist das bei Elektro­autos deutlich schwieriger. Viele Ladesäulen haben kein Display, das den Gesamt­betrag nennt. Den sieht der Kunde oft erst auf der Rechnung einmal im Monat. Statt einer Abrechnung nach Preis pro kWh sind andere Abrechnungs­modelle verbreitet."

Das Problem: Der Aufbau und Betrieb von Ladesäulen unterliegt nicht der für Stromnetze geltenden umfassenden Regulierung. Deshalb ist das Bundeskartellamt aktiv geworden und hat Anfang Juli eine Sektor­unter­suchung zur Bereit­stellung und Vermarktung öffent­lich zugäng­licher Lade-Infrastruktur für Elektrofahr­zeuge eingeleitet. „Wir wollen in dieser frühen Marktphase der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge strukturelle Wettbewerbsprobleme identifizieren, um einen Beitrag zu einem erfolgreichen Ausbau zu leisten", sagt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. „Der Aufbau einer flächendeckenden E-Ladeinfrastruktur ist Voraussetzung für den Erfolg der Elektromobilität in Deutschland. Für die Entscheidung von Verbrauchern, auf Elektromobilität umzusteigen, sind die Bedingungen und Preise für das Laden im öffentlichen Raum von zentraler Bedeutung." Zwar befände sich der Markt, so Mundt, noch im Entstehen: „Aber uns erreichen schon jetzt vermehrt Beschwerden über die Preise und Konditionen an den Ladesäulen."

Ladestationen in öffentlicher Hand

Untersucht werden sollen auch die verschiedenen Vorgehensweisen der Städte und Kommunen bei der Bereitstellung geeigneter Standorte und deren Auswirkungen auf den Wettbewerb zwischen den Betreibern von Ladestationen sein. Das Bundeskartellamt will ebenfalls die Rahmenbedingungen für den wettbewerblichen Aufbau von Ladesäulen an den Bundesautobahnen unter die Lupe nehmen. Zur Durchführung der Untersuchung will das Bundeskartellamt eigenen Angaben zufolge die Akteure in zwei Ermittlungsphasen befragen. „In der ersten Phase sollen vor allem der Stand des Aufbaus der öffentlichen Ladeinfrastruktur und die aktuelle Praxis der Städte, Kommunen und weiterer Akteure bei der Planung und Bereitstellung geeigneter Standorte ermittelt werden", so die offizielle Stellungnahme. Darauf aufbauend sollen in der zweiten Phase vertiefte Ermittlungen vorgesehen, die insbesondere auch Fragen des Zugangs von Mobilitätsdienstleistern und Ladekunden zu den Ladesäulen abdecken.

Die Ermittlungsergebnisse sowie daraus zu ziehende wettbewerbliche Schlussfolgerungen werden im Anschluss der Öffentlichkeit in einem Bericht vorgestellt werden. Wann diese Untersuchungen abgeschlossen sein werden, teilte das Amt nicht mit.

Es gibt aber auch schon heute einige positive Ansätze. So bietet Stiftung Warentest zufolge der ADAC bietet in Koope­ration mit dem Energieversorger EnBW eine Karte an, die das Laden im In- und Ausland ohne Grund­gebühr zu einem einheitlichen, trans­parenten Preis ermögliche. Auch Netz­werke wie New Motion, PlugSurfing und Laden­etz kooperierten mit Ladesäulen­betreibern und ermöglichten das Laden deutschlandweit, teils auch im Ausland.

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