0
Häufiger unterwegs: E-Bike-Fahrer fahren längere Strecken, das ist gut für die Fitness.  - © istock
Häufiger unterwegs: E-Bike-Fahrer fahren längere Strecken, das ist gut für die Fitness.  | © istock

Medizin E-Bikes sind gut für die Gesundheit

Wer meint, Pedelecs seien ausschließlich eine bequeme Alternative zum herkömmlichen Radfahren, irrt gewaltig. Die Fahrräder mit Hilfsmotor haben viele Eigenschaften, die sich positiv auf den Körper auswirken.

Lennart Krause
19.06.2020 | Stand 05.10.2020, 16:28 Uhr

E-Bikes werden immer beliebter. Laut dem Internetportal statista.de war jedes dritte im vergangen Jahr verkaufte Fahrrad ein E-Bike. Insgesamt fahren schon rund 1,5 Millionen Fahrräder mit elektrischem Hilfsmotor auf den deutschen Straßen und Radwegen. Doch trotz der steigenden Zahlen sehen sich E-Bike-Fahrer oft mit kritischen Vorurteilen konfrontiert. Etwa, dass das Fahren mit Motor kein richtiges Radeln sei und nur etwas für Faulpelze. Aber stimmt das eigentlich? Ist das Fahren mit einem E-Bike zu bequem? Hat es keinen Nutzen für unsere Gesundheit?

E-Bikes steigern die Gesundheit

„Das Gegenteil ist der Fall, für viele Menschen kann der gesundheitlichen Nutzen sogar höher sein, als bei einem Fahrrad ohne Unterstützung", sagt Christian Colcuc, Oberarzt für Sporttraumatologie und Sportmedizin am Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld. Der 42-jährige Mediziner verweist auf Studien aus Basel und Hannover, die Anlass zu dieser Feststellung geben. „In diesen Studien hat sich gezeigt, dass das Fahren eines Pedelecs ein hervorragendes Cardiotraining ist, gerade wegen des Motors."

Grund dafür sei vor allem, dass E-Bike-Fahrer im sogenannten „aeroben Bereich" trainieren. Das bedeutet, erklärt Mediziner Colcuc, dass der Körper während der Bewegung mit genügend Sauerstoff arbeitet. Dies führe dazu, dass der Körper besonders gut Fett und Kohlenhydrate verstoffwechseln kann. „Daher hilft das Fahren eines E-Bikes beim Abnehmen", erklärt Colcuc. Vor allem auch, weil E-Bike-Fahrer oftmals länger und häufiger mit dem Rad unterwegs sind als „herkömmliche" Radler. Darauf deute unter anderem die Studie der Medizinischen Hochschule Hannover hin. Dort sollte erreicht werden, dass sich unsportliche Mitarbeiter im Alltag häufiger bewegen. 400 Kollegen meldeten sich freiwillig. Am Ende der Studie zeigte sich, dass die Mitarbeiter nach Nutzung des E-Bikes im Schnitt auf 207 Minuten körperliche Aktivität in der Woche kamen. Damit übertrafen sie die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO deutlich. Die empfiehlt 150 Minuten pro Woche. Die Gründe dafür sind vielfältig, wie Colcuc vermutet. „Gerade untrainierte Menschen geraten dank des Motors nicht so schnell an ihre Leistungsgrenze, warum sie das Fahrrad dann häufig für den Weg zur Arbeit benutzen." Klingt logisch, schließlich möchte niemand völlig außer Atem und klatschnass bei der Arbeit ankommen und seine Kollegen mit Schweißgeruch belästigen.

Fahrradfahren ist gut für den Blutdruck

Die Auswirkungen der gesteigerten körperlichen Aktivität wirken sich aber noch in weiteren Bereichen positiv auf die Gesundheit aus. Nicht nur Übergewicht kann sich reduzieren. Durch das regelmäßige aerobe Training sinke auch der Blutdruck dauerhaft, wodurch sich das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen verringert. „Und auch das Immunsystem scheint vom E-Bike-Fahren zu profitieren", sagt Colcuc. So habe sich der Krankenstand während der Durchführung der Studie in Hannover um mehr als 40 Prozent reduziert im Gegensatz zu einem vergleichbaren Zeitraum zuvor.

Doch nicht nur für Übergewichtige und Untrainierte kann ein Griff zum E-Bike eine positive Wahl für die Gesundheit sein. Auch ältere Menschen profitieren besonders von den Vorzügen eines Pedelecs. So habe sich, laut Christian Colcuc, gezeigt, dass das Fahren mit dem E-Bike ein gutes Krafttraining sei. Und dieses wiederum wirke sich spürbar positiv auf die Knochendichte älterer Menschen aus. „Studien zeigen, dass das Risiko von osteoporotischen Frakturen bei E-Bike-Fahrern bis zu 50 Prozent geringer ist", erklärt der Mediziner.

Es gibt also zahlreiche Vorteile, die das E-Bike-Fahren mit sich bringt. Und Vorurteile, E-Bikes seien nur etwas für Bequeme, lassen sich mit dem gesammelten Wissen problemlos widerlegen. „Trotzdem gibt es auch Dinge, auf die man achten muss", sagt Colcuc, „vor allem aus meiner Sicht eines Unfallchirurgen."

Unfälle mit dem E-Bike

Die vergangenen Monate hätten auch am EvKB in Bielefeld gezeigt, dass Unfälle mit E-Bikes oftmals sehr schmerzhafte Folgen haben können. Komplizierte Brüche nach Fahrradstürzen seien keine Seltenheit, erklärt Colcuc. Grund dafür, so vermutet der Mediziner, ist vor allem die höhere Geschwindigkeit. Der Motor des Pedelecs ermöglicht Geschwindigkeiten von bis zu 25 Stundenkilometern, erst ab diesem Tempo schaltet sich der Motor aus. „Wer bei dieser Geschwindigkeit stürzt, hat natürlich viel weniger Chancen, sich gut abzufangen", sagt der Unfallmediziner.

Zudem spiele bei den steigenden Fällen auch das oftmals höhere Alter der Patienten eine Rolle. „Mit dem Alter nimmt das Reaktionsvermögen leider ab. Höhere Geschwindigkeiten mit längerer Reaktionszeit sind keine gute Mischung." Erst Recht nicht, wenn man bedenkt, dass auch viele Autofahrer die Geschwindigkeit der Fahrräder falsch einschätzen.

Alles in allem überwiegt für Christian Colcuc aber der Nutzen die Risiken deutlich. „E-Bikes scheinen vielen zu helfen, mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren, das ist sehr gut und wichtig. Man muss eben nur umsichtig und vorsichtig fahren. Und lieber einmal mehr nicht auf sein Recht pochen, sondern behutsam fahren. Denn als Radfahrer ist mein leider oft das schwächste Glied in der Kette. Egal ob mit oder ohne Motor."

Empfohlene Artikel

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
realisiert durch evolver group