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Ein Kinderbuch löste einen Shitstorm aus. - © Pixabay
Ein Kinderbuch löste einen Shitstorm aus. | © Pixabay

Netzwelt Wie ein sieben Jahre altes Kinderbuch einen Shitstorm auslöst

Ein Kinderbuch über das Essen - nichts Ungewöhnliches. Wäre da nicht eine einzige Seite in dem Buch, die vielen Menschen übel aufstößt.

Lukas Brekenkamp
20.11.2019 | Stand 21.11.2019, 06:26 Uhr

Bielefeld. Damit hätten Autorin und Verleger wohl nicht gerechnet. Ein sieben Jahre altes Kinderbuch sorgt derzeit für einen waschechten Shitstorm in den sozialen Medien. Und das wegen der Darstellung der Landwirtschaft.

Bielefeld. Damit hätten Autorin und Verleger wohl nicht gerechnet. Ein sieben Jahre altes Kinderbuch sorgt derzeit für einen waschechten Shitstorm in den sozialen Medien. Und das wegen der Darstellung der Landwirtschaft. "Alles lecker!: Von Lieblingsspeisen, Ekelessen, Kuchendüften, Erbsenpupsen, Pausenbroten und anderen Köstlichkeiten" heißt das Kinderbuch, erschienen am 24. September 2012, verlegt wurde es vom Verlag Klett Kinderbuch. Soweit, so normal. Wäre da nicht diese eine Seite im Buch, die sich mit der Landwirtschaft beschäftigt. Genauer: mit der Schweinehaltung. Zwei Bilder sind dort abgedruckt. Eines zeigt Bio-Schweine, versehen ist das Bild mit Aufschriften wie "Licht und Luft", "Gesundes Futter" und "Genügend Platz". Daneben ein Bild mit der Unterschrift "Massentierhaltung". Hier wurde das Bild mit Beschreibungen wie "Futter mit Wachstumsmitteln", "Kein Auslauf" und "Kein Tageslicht" bestückt. Eine gewisse Tendenz in der Darstellung habe es laut Verlagsleiterin Monika Osberghaus schon gegeben. Das zumindest deutete sie im Interview mit der Süddeutschen Zeitung an. Kritik an der Darstellung Auf dessen Facebook-Seite berichtet der Verlag am Montag derweil von einem Telefonanruf. Demnach habe ein Mann den Verlag kontaktiert und sich über eben diese Seite des Buches beschwert. Sein Vorwurf: Durch die Darstellung würde die konventionelle Tierhaltung verunglimpft werden. Demnach habe der Mann damit gedroht, mit weiteren Leuten den Verlag "auf Facebook fertig" zu machen. Und so hagelte es plötzlich schlechte Bewertungen. Gleich mehrere Nutzer schrieben in selben Wortlaut: "Schlechte Recherche und unrealistische Darstellung." Immer mehr Diskussion zwischen Nutzern unterschiedlicher Meinung entstand. Auch bei Amazon hagelte es negative Ein-Sterne-Bewertungen für das Buch. Zeitgleich solidarisieren sich aber auch viele Nutzer mit dem Verlag und loben die Darstellung. In den sozialen Medien geht der Verlag derweil in die Offensive und gibt Erklärungen ab. In einem Beitrag heißt es: "In der jetzigen Ausgabe von „Alles lecker!" ist offenbar eine nicht mehr aktuelle Darstellung von Massentierhaltung. Wir werden das prüfen und entsprechend in der nächsten Auflage ändern. Unsere Haltung zur Massentierhaltung wird sich nicht ändern. Im Gegenteil: Die Reaktionen hier zeigen, wie bedeutsam das Thema ist, auch für Kinder." Die Fans des Buches bittet der Verlag derweil, die Bewertungen bei Amazon zu heben. Immerhin ist das Buch aktuell mit gerade einmal zwei Sternen rezensiert - dank des Shitstorms. Nicht der erste Shitstorm wegen eines solchen Buchs Für Osberghaus ist derweil klar, dass der Verlag so weitermachen werde. "Wir überlegen gerade, ein ganzes Bauernhof-Buch zu produzieren, mal nur mit Schweinen, die nicht süß sind und dauernd lachen", sagte sie der SZ. Übrigens: Es ist nicht das erste Mal, dass ein Landwirtschafts-Buch Kritikern übel aufstößt. Erst vor Kurzem sei laut der Westdeutschen Zeitung eine Autorin wegen ihres Kinder-Fantasybuchs "Güllealarm" in sozialen Medien regelrecht angefeindet worden.

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