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Die Schnur des Anstoßes: In einem Werbevideo wird ein Mann gezeigt, aus dessen Unterhose das Rückholbändchen eines Tampons hängt.  - © Thinx/YouTube (Screenshot)
Die Schnur des Anstoßes: In einem Werbevideo wird ein Mann gezeigt, aus dessen Unterhose das Rückholbändchen eines Tampons hängt.  | © Thinx/YouTube (Screenshot)

Medien Wenn Männer ihre Tage haben: Werbespot "zu drastisch" für US-Fernsehen

Mehrere Sender weigern sich, Werbung für einen Hersteller von Periodenunterwäsche zu machen

Christian Lund
15.10.2019 | Stand 15.10.2019, 14:36 Uhr |

Gleich die erste nationale Werbekampagne eines Herstellers von Damenhygieneprodukten hat in den USA für erhebliche Kontroversen gesorgt. Mehrere Fernsehsender weigerten sich, den vollständigen Spot auszustrahlen. Das berichtet die New York Post.

Das New Yorker Unternehmen "Thinx" stellt unter anderem Unterwäsche her, die während der Menstruation als Ersatz oder Ergänzung zu traditionellen Damenhygieneprodukten getragen werden kann. Für das US-Fernsehen hat das Unternehmen nun einen Werbespot gedreht, der unter dem deutlichen Titel "MENstruation" ausschließlich Männer zeigt, die ihre Periode haben.

Er beginnt mit einem Jungen, der etwas bedrückt seinem Vater in der Küche sagt, dass er gerade zum ersten Mal seine Periode bekommen habe. Eine andere Szene zeigt einen Mann im Bett und, als er sich umdreht, einen Blutfleck auf dem Laken. In einer anderen Sequenz sieht man einen Mann in Unterwäsche durch einen Umkleideraum gehen, während zwischen seinen Beinen das Rückholbändchen für das Tampon hängt.

Ausstrahlung nur ohne Blutfleck und Tamponschnur

Für das US-Fernsehen war das zu viel. Der Sender CBS nannte es "zu drastisch" und verweigerte die Ausstrahlung. Thinx sah sich gezwungen, den Blutfleck zu entfernen, damit der Spot überhaupt eine Chance hatte, ausgestrahlt zu werden. CBS weigerte sich aber weiterhin - Grund sei die heraushängende Tamponschnur. Eine nicht näher genannte Quelle der New York Post sagte, zimperliche Führungskräfte bei CBS hätten die Darstellung als "zu drastisch" empfunden.

Mehrere weitere Sender wollten ebenfalls nicht das vollständige Video zeigen - für sie, darunter die Sender von Disney sowie des Discovery Networks, musste die Szene mit dem Rückholbändchen aus dem Spot geschnitten werden.

Maria Molland, Geschäftsführerin bei "Thinx", sagte, sie habe "nicht damit gerechnet", dass die Tamponschnur zensiert würde, aber sie sei "auch nicht überrascht". Es seien "tief verwurzelte soziale Stigmata", sagte Molland. "Angesichts dessen ist es nachvollziehbar, dass einige Fernsehsender Angst davor hatten, unseren Spot zu zeigen, der mutig über die alltäglichen Erfahrungen spricht, die Frauen nur allzu gut kennen."

Hier das umstrittene, vollständige Werbevideo:

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