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Natascha Kampusch stellt ihr drittes Buch vor. - © picture alliance
Natascha Kampusch stellt ihr drittes Buch vor. | © picture alliance

Tägliche Angriffe Natascha Kampusch schlägt noch immer viel Hass entgegen

Nach acht Jahren in Gefangenschaft schaffte Natascha Kampusch die Flucht. Doch seit ihrer Befreiung vor 13 Jahren ist sie immer wieder starken Anfeindungen nicht nur in sozialen Medien ausgesetzt, wie sie am Dienstag im ZDF schildert

09.10.2019 | Stand 09.10.2019, 16:36 Uhr

Wien (dpa/tdi). Die Österreicherin Natascha Kampusch wird seit ihrer Flucht aus einem Kellerverlies beschimpft und beleidigt. Wie auch bei ihrem Auftritt in der ZDF-Sendung "Markus Lanz" am Dienstag deutlich wurde, schlägt ihr nicht nur im Internet viel Hass entgegen. Moderator Lanz schilderte Kampusch etwa, dass Menschen in der Bahn mit dem Finger auf sie gezeigt hätten. Abfällige Bemerkungen seien auf der Straße bereits 2006/2007 gefallen bis hin zu Sätzen wie "Wärest Du doch einfach im Keller geblieben". Polizeibeamte seien teils "sehr rau" mit ihr umgegangen, weil sie Zweifel an dem Verbrechen gehabt hätten. Misstrauen sei von Anfang an da gewesen. "Ich bin dann darauf gekommen, dass ich von einem Feind in ein Umfeld mit vielen Feinden gekommen bin", sagt die heute 31-Jährige. Wie auch Markus Lanz anmerkt, können in dieser Situation schnell Selbstmordgedanken aufkommen. Aber dies war für Kampusch keine Option: "Ich hatte mich ja selbst befreit, ab und zu habe ich darüber nachgedacht, dass es vielleicht den anderen Leuten lieber wäre und es gab auch Menschen, die mir so etwas geschrieben oder gesagt hatten." Deutlich wird im Interview zudem die Enttäuschung über das Verhalten von Behörden und Justiz. Bis in hohe österreichische Justizkreise wurde laut Journalistin Corinna Milborn eine Verschwörungstheorie vertreten, das zehnjährige Kind habe ihre Entführung selbst geplant, um danach Geld damit zu verdienen. "Ich musste mich damals  natürlich entschuldigen für die Aussage, dass ich meinen Glauben an die Justiz verloren habe", merkt Kampusch an. Buch über Diskriminierung im Internet Wie sie auch bei der Vorstellung ihres Buches bemerkt, hätten viele User ihr den Tod gewünscht. „Am meisten getroffen hat es mich immer, wenn gesagt wurde, dass meine Gefangenschaft nur ein Spaziergang gewesen wäre." In ihrem neuen Buch „Cyberneider. Diskriminierung im Internet" will Kampusch ihre Erfahrungen teilen und fordert härtere Strafen für Cyber-Mobber. Eine international agierende „Internet-Polizei" schwebt Kampusch vor, die bei Vergehen sofort eingreifen und Betroffenen helfen soll. Vor allem Frauen würden im Internet häufig zum Ziel von Mobbern werden. Opfer sollten die Angriffe nicht still ertragen, sondern vielmehr dokumentieren und Behörden einschalten, rät die Wienerin. Als Zehnjährige auf dem Schulweg entführt Kampusch war als Zehnjährige auf dem Schulweg entführt und mehr als acht Jahre lang in einem Keller gefangengehalten worden. Im August 2006 gelang der damals 18-Jährigen die Flucht. Stunden später brachte sich der Entführer um. Dass sie sich nicht als gebrochenes Opfer in der Öffentlichkeit zeige, werde ihr seit ihrer Selbstbefreiung immer wieder vorgeworfen. „Sie sehen mich lächeln und kommen gar nicht auf die Idee, dass ich mich, gerade weil ich so viel Schreckliches durchgemacht habe, so freue, auf der Welt zu sein und meine Freiheit zu genießen", schreibt Kampusch. Ihr Drama will Kampusch als Autorin bewältigen Ihr Drama will sie auch mit ihrer neuen Aufgabe als Autorin bewältigen. Ein weiteres Buch sei ebenfalls angedacht. Das Thema wollte Kampusch aber noch nicht verraten. Zudem arbeite sie mit Organisationen zusammen, die sich für Menschen einsetzen, die Diskriminierung im Netz erfahren. „Man hat mich schon habgierig, mediengeil, verlogen oder fresssüchtig geschimpft", schreibt Kampusch in ihrem dritten Buch. Sie habe lange gebraucht, um sich von diesen Worten nicht mehr verletzen zu lassen. Wieso ihr so viel Hass entgegenschlage, habe sie aber bis heute nicht verstanden. Die Angst, von anderen instrumentalisiert zu werden, sei ein ständiger Begleiter für sie geworden. Oft bemerke sie auch, dass Passanten auf der Straße heimlich Fotos von ihr machten, die später in Medien wieder auftauchten. Über soziale Medien erhält Kampusch auch Zuspruch Kampusch, die selbst auf Twitter und Instagram aktiv ist, wolle sich aber trotz der negativen Seiten nicht gänzlich von sozialen Medien fernhalten. Sie erhalte auch positive Zusendungen und entdecke gerne Menschen mit interessanten Hobbys und Berufen im Internet. Zudem sehe sie ihre Herzensthemen Umwelt- und Tierschutz im Aufwind. „Ich finde es sehr positiv, dass sich jetzt so viele für Umweltschutz engagieren", sagte Kampusch. Auf bösartige oder verletzende Zitate ihr gegenüber aus dem Netz habe sie auf den 192 Seiten ihres Buches bewusst verzichtet. „Allerdings habe ich mich dafür entschieden, keiner dieser Hasstiraden unnötig Raum zu geben, denn den haben sich ihre Verfasser wahrlich nicht verdient."

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