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- © Kelly Sikkema/unsplash
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Sexualität Alles geht, nichts muss

Möglichkeiten, sich sexuell zu orientieren, gibt es viele. Man kann sich dabei zu einem, mehreren oder vielen Menschen hingezogen fühlen - oder zu niemandem

Amelie Pulon
26.10.2019 | Stand 25.10.2019, 16:14 Uhr

Die US-Schauspielerin Bella Thorne (22) hat sich vor einiger Zeit als pansexuell bezeichnet. Sie liebe einfach Menschen, das Geschlecht oder die sexuelle Identität des anderen sei ihr dabei egal. Mit diesem Outing ist für viele Menschen das Alltagsvokabular in Sachen sexueller Orientierung um ein Wort bereichert worden. Pansexualität war bis dato eher unbekannt. Ebenso wie die vor einigen Jahren immer wieder diskutierte Polyamorie – laut Wikipedia ein Kunstwort aus altgriechisch polýs „viel, mehrere“, und lateinisch amor „Liebe“, das eine Form des Liebeslebens bezeichnet, bei der ein Mensch mehrere Partner liebt und zu jedem auch tatsächlich eine Liebesbeziehung pflegt. Weitere Begriffe für die sexuelle Orientierung jenseits der bekanntesten Formen wir Hetero- oder Homosexualität sind zum Beispiel Gyno-, Demi- oder Sapiosexualität. Die Welt ist bunt, die Liebe also auch. Warum aber bekommt alles einen Namen? „Um es zu verstehen“, haben Neuropsychologen der Ruhr-Universität Bochum herausgefunden. Der Mensch denkt in Kategorien. Das ist so – und das ist wichtig. Denn Kategorien ordnen die Welt, machen sie übersichtlich und reduzieren sie und das Universum um uns herum auf ein begreifbares Maß. Da gibt es Menschen, Tiere und Pflanzen, Himmel und Erde, Freunde, Familie und Bekannte, Sterne und Planeten. Meist läuft dieser Einordnungsprozess automatisch. Dazu gibt es aber auch noch sogenannte Alltagskategorien, die unter anderem kulturell geprägt sind. Innerhalb einer Kultur vereinfachen sie die Kommunikation – weil zwei Deutsche zum Beispiel ohne größere Erklärung sofort wissen, was mit dem Begriff Kindergarten gemeint ist. Zwischen einem Deutschen und einem Vietnamesen aber kann das Wort unter Umständen zu Missverständnissen führen. So viel zur Sinnhaftigkeit von Kategorien, die unser Leben strukturieren und damit Ruhe bringen. Andererseits können diese Kategorien, wenn sie selbst in die Kategorie Schubladendenken rutschen, aber auch für Unruhe sorgen. Immer dann zum Beispiel, wenn man die Bedeutung von Freund und Feind zu eng auslegt und jemanden ausgrenzt, nur weil er zum Beispiel eine andere Hautfarbe hat, eine andere Religion oder eine andere Sexualität. In Sachen Sexualität allerdings hat eine Studie der Robert Bosch Stiftung zum Thema Vielfalt gerade bestätigt, dass die Akzeptanz anderen sexuellen Orientierungen als Heterosexualität gegenüber sehr hoch ist. Was aber steckt hinter sapio- oder demisexuell, was bedeuten pan- und androsexuell? Androsexuell Androsexualität meint, dass sich jemand grundsätzlich nur zu Männern, beziehungsweise zu Menschen mit sehr ausgeprägt männlichen Attributen hingezogen fühlt – egal, welches Geschlecht er hat. Asexuell Asexuelle Menschen fühlen sich gar nicht oder nur sehr wenig sexuell zu anderen Menschen hingezogen. Verlieben und tiefe Gefühle sind möglich, Sex spielt keine Rolle. Autosexuell Jemand, der autosexuell fühlt, ist sich meist selbst genug. Er sieht sich selbst im Zentrum seiner erotischen Fantasien und lebt sie mit sich selbst aus. Im Unterschied zur Autoerotik (Sex mit sich selbst) stellen Autosexuelle sich keinen anderen als Partner beim Sex vor. Bisexuell Ob mit Mann oder Frau eine Beziehung eingegangen wird, kann variieren. Ein bisexueller Mann oder eine bisexuelle Frau kann sich emotional und sexuell von beiden Geschlechtern angezogen fühlen. Demisexuell Für demisexuell orientierte Menschen steht vor der sexuellen Anziehungskraft eine starke emotionale Bindung. Diese muss tief sein und sich meist über einen längeren Zeitraum aufbauen. One-Nights-Stands oder wilde Knutschereien auf Partys kommen nicht infrage. Gynosexuell Die Gynosexualität ist das Gegenteil der Androsexualität: Frauen oder Menschen mit stark weiblichen Attributen stehen im Zentrum des sexuellen Begehrens. Heterosexuell Heterosexuell ist, wer sich zum jeweils anderen Geschlecht hingezogen fühlt. Als Frau zu Männern, als Mann zu Frauen. Homosexuell Homosexuelle Männer fühlen sich emotional und sexuell von Männern angezogen. Sie werden auch als schwul bezeichnet. Homosexuelle Frauen werden auch als lesbisch bezeichnet und fühlen sich zu Frauen hingezogen. Pansexuell Vielmehr als das Geschlecht oder die Geschlechtsidentität zählt nur der Mensch, in den man sich verliebt. Faktoren, wie zum Beispiel der Charakter, die Persönlichkeit oder auch einfach die Ausstrahlung des anderen sind viel wichtiger. Polysexuell Das bedeutet, dass sich jemand zu Männern oder Frauen, zu transsexuellen oder zu intersexuellen Menschen gleichermaßen hingezogen fühlen kann. Der Unterschied zur Pansexualität liegt dabei darin, dass man sich nicht zu allen dieser Geschlechtsidentitäten, sondern nur zu einigen hingezogen fühlt. Sapiosexuell Jemand, der sapiosexuell ist, fühlt sich zum Intellekt eines anderen Menschen hingezogen. Das bedeutet allerdings nicht zwingend, dass das Gegenüber besonders intelligent sein muss – es kann auch einfach eine besondere Weise des Denkens sein, die sexuell stimuliert. Der Begriff Sapio kommt vom lateinischen Verb sapere und bedeutet wissen.

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