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Hier werden Beziehungsziele noch anders definiert - © Pexels.com,CCO
Hier werden Beziehungsziele noch anders definiert | © Pexels.com,CCO

Die Singlekolumne #couplegoals – peinlicher Hashtag für peinliche Pärchenselfies

Was haben Atomkraft und Pärchenziele gemeinsam? Unsere Kolumnistin findet, auf beides kann man verzichten - zumindest wenn letztere in den Sozialen Netzwerken stattfinden

Karoline Langenkämper
22.10.2019 | Stand 09.10.2019, 15:04 Uhr

Mit den Social Media Netzwerken ist es so eine Sache. Wenn man sie nutzt, will man sich mit anderen vernetzen. Das können mehr oder weniger enge Freunde oder Bekannte sein - manchmal sind es auch völlig Fremde. Mit diesem Personenkreis teilt man dann einige ausgewählte Erlebnisse - die Relevanz reicht dabei vom Frühstücksmüsli bis zur Geburt des eigenen Kindes. Genauso bekommt man auch mit, was bei seinen Freunden und Followern im Leben so passiert. Hashtags auf Instagram Immer noch hoch im Kurs steht die Facebook-Tochter Instagram. Fans dieses Sozialen Netzwerks teilen ihr Leben über hübsche Bildchen mit den passenden Hashtags und sammeln dafür fleißig Likes in Form von kleinen rosaroten Herzchen. Und was könnte schöner sein, als nur für sein eigenes mit Fotofiltern überzogenes Leben kleine rosarote Herzchen zu sammeln? Richtig, man kassiert für seine vermeintlich perfekte Beziehung mit seinem Partner jede Menge Likes. #couplegoals und #relationshipgoals Auf Instagram gibt es dafür sogar ein eigenes Hashtag, das sich größter Beliebtheit erfreut. Mittlerweile wurden über 16 Millionen Bilder mit #couplegoals - also Pärchenziele - und 12,5 Millionen Bilder mit #relationshipgoals - also Beziehungsziele - auf Instagram veröffentlicht. Okay, da sind Bilder dabei, die den Titel #couplegoal allemal verdienen: die eigene Hochzeit, das Ultraschall des Kindes, der gemeinsame Urlaub usw. Aber bei so manchem Bild frage ich mich schon, warum ausgerechnet das ein Ziel der Beziehung ist! Unbequeme Pärchenselfies Besonders häufig sieht man unter diesem Hashtags einfach nur Pärchenselfies. Zwei Menschen, die sich mal innig aneinanderschmiegen, mal verträumt in die Augen schauen, oder zärtlich die Lippen aufeinanderpressen. Aber Stop, sind die beiden wirklich so innig verbunden und zu einer Einheit verschmolzen, wenn einer von beiden das Handy in der Hand hat, um im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken? Hört sich für mich eher unentspannt an. Zuckersüßer Kitsch Was für den Betrachter hübsch aussehen mag, fühlt sich im Moment der Entstehung wahrscheinlich genauso schön an, wie die Aufnahme eines biometrischen Passbildes. Anstatt möglichst wenig Emotionen, muss man eben nur so viel zuckersüße Kitsch-Gefühle transportieren, wie nur eben möglich. Unter Druck seine Liebe in einem flüchtigen Bild festhalten zu müssen, scheint mir eher Stress zu sein, als ein echtes Beziehungsziel. Da halte ich es doch lieber wie die Atomkraftgegner und sage "#couplegoals, nein danke”!

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