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Man sollte sich nicht hinter seinen Zweifeln verstecken  - © Pexels.com,CCO
Man sollte sich nicht hinter seinen Zweifeln verstecken  | © Pexels.com,CCO

Die Singlekolumne Beziehungsunfähig

Manchmal zweifelt unsere Kolumnistin an sich selbst: ist sie wirklich auf der Suche nach einer Partnerschaft, oder ist sie vielleicht doch beziehungsunfähig?

Karoline Langenkämper
26.09.2019 | Stand 26.09.2019, 09:53 Uhr

Ich bin nun seit gut drei Jahren Single. Beinahe zur selben Zeit erschien der Bestseller "Generation beziehungsunfähig” von dem Autor Michael Nast. Bis heute bin ich mir noch unschlüssig, ob ich mich in dem Buch wiederfinde, oder ob ich es für ausgemachten Blödsinn halten soll. Dem Wunsch nach einer Partnerschaft werden manchmal Steine in den Weg gelegt Auf der einen Seite finde ich die Dauer meines Single-Daseins nicht besorgniserregend. Da ich meine Zwanziger fast ausschließlich in Beziehungen verbracht habe, weiß ich zumindest, was ich nicht mehr will bzw. brauche. Das halte ich für etwas Gutes. Auch wenn es auf der anderen Seite bedeutet, dass aus den zig Dates, die ich während der letzten drei Jahre hatte, keine Beziehung entstanden ist. Trotzdem nagt von Zeit zu Zeit der Zweifel an mir. Weiß ich wirklich was ich will und bin deshalb bereit dafür auf jemanden zu warten, bei dem sich alles richtig anfühlt? Oder kann dieser jemand gar nicht kommen, weil ich in Wahrheit chronisch unverbindlich bin, ohne es selbst wahrhaben zu wollen? Das ist wohl die Gretchenfrage. Immer wenn mein inneres Pendel eher zur Seite der chronischen Unverbindlichkeit neigt, ist das der Zeitpunkt, an dem ich mich selber zur Raison rufen muss. Denn das ist Quatsch! Der Mensch definiert sich durch seine Beziehungen zu anderen. Damit müssen nicht zwangsläufig romantische Beziehungen gemeint sein, aber der Wunsch bzw. das Bestreben nach einer festen Partnerschaft trifft auf den Großteil der Gesellschaft zu. Ich bin da keine Ausnahme. Auch mit Zweifel die Hoffnung nicht aufgeben Erst kürzlich hat sich ein langjähriger Freund von mir verlobt. Er war in den letzten gut 15 Jahren nie wirklich an Beziehungen interessiert und lebte lieber seine Freiheit aus. Vor zwei Jahren war es dann soweit und er hat anscheinend zur richtigen Zeit die richtige Person getroffen. Und es hat nicht nur gehalten, sondern es entsteht jetzt sogar eine Familie daraus. Das gibt mir Hoffnung und holt mich auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Denn ich glaube niemand ist per se beziehungsunfähig. Es braucht manchmal einfach Zeit und diese Zeit muss man sich auch selbst geben. Und auch wenn wir manchmal an uns zweifeln, ist selbst das okay, denn zweifeln gehört auch irgendwie dazu.

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