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Wortneuschöpfungen, die für wenig Durchblick beim Thema Dating schaffen - © Pexels.com,CCO
Wortneuschöpfungen, die für wenig Durchblick beim Thema Dating schaffen | © Pexels.com,CCO

Dating-Trend oder nur Wortneuschöpfung?

Ghosting & Co.: Unsere Kolumnistin glaubt nicht an Dating-Trends, sondern sieht den einzig wahren Dating-Trend in der Erfindung ebensolcher.

Karoline Langenkämper
12.09.2019 | Stand 31.05.2019, 14:00 Uhr

Sogenannte Dating-Trends gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Ich lese immer wieder von abstrusen Verhaltensweisen, die sich aktuell angeblich etablieren. Ein aktuelles Beispiel bezieht sich auf die Schredder-Aktion des Künstlers Banksy, der im Oktober eins seiner Bilder bei einer Auktion zerstört hat. Daraus wurde prompt der Dating-Trend „Banksying" kreiert. Eine kurze Beziehung mit "Banksying" Jemand, der Banksying im Dating-Kontext praktiziert, zerschreddert aber nicht vorsätzlich die eigenen Kunstwerke, sondern die eigene – oft noch sehr junge – Beziehung. Dieser jemand geht eine Beziehung ein, wohlwissend, dass sie nicht lange halten wird. Die Beziehung ist nämlich nur Mittel zum Zweck. Entweder soll sie die Zeit überbrücken, bis ein passenderes Beziehungsmaterial auf der Bildfläche erscheint, oder sie soll uns über eine verflossene Liebe hinwegtrösten. Aber jetzt mal ehrlich, klingt das wirklich nach einem Trend? Für mich wirkt das eher wie das Gegenstück zum Lückenbüßer – also den aktiven Part, der den Lückenbüßer gemeinerweise ausnützt. Dabei kann man das Wort „Lückenbüßer" immerhin schon seit 119 Jahren im Rechtschreibduden nachschlagen. Ganz so neu und trendig scheint diese Verhaltensart also nicht zu sein. Ein Trend muss ja aber auch nicht immer neu sein. Per Definition ist ein Trend erstmal nur eine erkennbare Richtung einer Entwicklung. Viele Wortneuschöpfungen, aber sorgen diese für Durchblick? Soll das also heißen, dass seit dem Banksy-Vorfall mehr Kurzzeit-Lückenbüßer-Beziehungen gibt als vorher? Der kausale Zusammenhang erschließt sich mir einfach nicht. Und wie sieht es mit den anderen vermeintlichen Dating-Trends aus? Auf die Spitze getrieben wir es mit Beschreibungen dafür, wenn sich ein Date entweder gar nicht mehr oder nur noch sporadisch meldet: Benching, Breadcrumbing, Curving, Ghosting, Haunting, Orbiting und Submarining sind nur einige Beispiele aus dem Dating-ABC. Für mich besteht der einzig identifizierbare Trend darin, alle paar Monate eine englische Wortneuschöpfung für etwas zu erfinden, das in Wahrheit ein alter Hut ist. Die Partnersuche ist schon kompliziert genug, da braucht doch nun wirklich niemand immer neue Begriffe, die alle dasselbe meinen, kaum auszusprechen sind und für wenig Durchblick sorgen. Das Motiv der Kreativen hintern den Neologismen ist wahrscheinlich purer Narzissmus und pathologische Aufmerksamkeitshascherei. Und wem meine Wortwahl zu hart und gemein erscheint, für den kann ich gerne auch ein neues Wort dafür erfinden, Ego-Pushing zum Beispiel – damit liege ich dann ja voll im Trend!

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