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Die Regenbogenfarben als Zeichen der Liebe - © Pexels.com,CCO
Die Regenbogenfarben als Zeichen der Liebe | © Pexels.com,CCO

Die Singlekolumne Hochzeit mit Regenbogenklischee

Vorurteile gegenüber Homosexuellen sind weitestgehend abgebaut und die „Ehe für alle“ seit fast zwei Jahren im Kraft. Aber wie sieht es bei der Eheschließung tatsächlich aus? Braucht eine gleichgeschlechtliche Trauung irgendwelche Klischees? Unsere Kolumnistin berichtet:

Karoline Langenkämper
10.10.2019 | Stand 01.10.2019, 09:41 Uhr

Seit knapp zwei Jahren gibt es die „Ehe für alle" in NRW. Hunderte gleichgeschlechtliche Paare haben seitdem die Möglichkeit genutzt, sich das Ja-Wort zu geben. Ein Schritt für unsere Gesellschaft, der in meinen Augen längst überfällig war. Aber was hat sich denn ganz konkret seitdem geändert? Aus eigener Erfahrung bei gemischtgeschlechtlichen Hochzeiten kann ich berichten, hat sich vor allem der offizielle Teil bei der standesamtlichen Trauung geändert hat. Statt Mann und Frau ist hier nun von Ehegatte 1 und Ehegatte 2 die Rede – im Oktober 2017 hat das noch für den ein oder anderen Lacher bei der Trauung gesorgt, ist aber mittlerweile vollkommen normal geworden. Klischeefrei oder klischeehaft? Vergangenes Wochenende durfte ich zum ersten Mal selbst Gast bei einer gleichgeschlechtlichen Hochzeit sein. Zwei Frauen wollten den Bund des Lebens eingehen. Ich habe mich im Vorfeld schon sehr auf die Feier gefreut. Aber ein bisschen habe ich mich doch gefragt, ob sich diese Hochzeit von anderen unterscheiden wird? Immerhin stand der Tag unter dem Motto „Regenbogen" – dessen Farben sind bekanntlich ein weltweit etabliertes Symbol für die Lesben- und Schwulenbewegung. Sollte es also eine Zeremonie voller Klischees und Stereotypen werden? Um es kurz zu machen: nein, absolut nicht! Das Gegenteil war der Fall, denn ich habe nicht ein echtes Klischee entdecken können. Zwei wundervolle Bräute haben ihre Liebe füreinander und auch ihre Weiblichkeit im Beisein ihrer Familie und Freunde zelebriert. Ich habe selten eine so ergreifende und harmonische Hochzeitfeier erleben dürfen, bei der so viel Liebe und authentische Zuneigung in der Luft lag. Am Ende war selbst das Regenbogen-Motto nur ein erwartetes Klischee in meinem Kopf muss ich gestehen, das in Wahrheit viel mehr auf die farbenfrohe Persönlichkeit des Brautpaares und ihre Vorliebe für Einhörner zurückzuführen war. Das Wichtigste ist, dass man sich liebt Ganz persönlich nehme ich von der Feier den Eindruck mit, dass nun endlich die Kämpfe um Anerkennung, Toleranz und Akzeptanz zumindest in der Mitte unserer Gesellschaft gewonnen sind. Es geht nicht mehr darum anders zu sein, sondern einfach sich selbst zu feiern – Klischees braucht da niemand mehr.

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