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Die Singlekolumne Happy Singles' Day

Unsere Kolumnistin hat von einem Tag für Alleinstehende gehört, der am anderen Ende der Welt gefeiert wird. Sie fragt sich: Brauchen wir auch so einen Feiertag?

Karoline Langenkämper
08.11.2019 | Stand 25.10.2019, 16:14 Uhr

Der kommende Montag ist der elfte Elfte und damit für einige Menschen ein ganz besonderes Datum. Klar, zuerst habe ich auch an den Beginn der Karnevalszeit gedacht, die traditionell am 11.11. um 11:11 Uhr eingeläutet wird – das hat sich sogar bis ins wenig karnevalistische Ostwestfalen rumgesprochen. Auf dieses Datum fällt aber auch ein weiterer Feiertag, den ich bislang noch nicht wirklich auf dem Schirm hatte. Die Rede ist vom Guanggun Jie. Wenn Sie, liebe Leser, gerade nur chinesisch verstehen, liegen Sie damit sogar goldrichtig. Der Guanggun Jie hat seinen Ursprung nämlich im fernöstlichen China und ist der Tag für Alleinstehende. Angeblich ist er in den 1990er Jahren an der Universität Nanjing im Osten von China entstanden und erfreut sich seitdem zunehmender Beliebtheit in der gesamten Volksrepublik. Singles veranstalten Karaoke- und Dating-Partys, um zu feiern und sich im Idealfall zu verlieben. Für mich klingt das eigentlich nach einer schönen Idee. Warum sollten Singles nicht auch einen eigenen Aktionstag bekommen? Das wäre quasi ein Gegenstück zum Valentinstag für Pärchen. Tradition auch bei uns? Oder gehen wir den Gefühlen lieber aus dem Weg? Ganz langsam schwappt diese Tradition auch in die westliche Welt über. Allerdings ist die ursprüngliche Idee des Tags für Alleinstehende in meinen Augen nur noch ein Feigenblatt. Den Tag der Singles hat das gleiche Schicksal ereilt wie auch schon den Valentinstag vor ihm: er ist durch und durch kommerzialisiert worden. Mittlerweile gilt der Guanggun Jie sogar als größter Online-Shoppingtag weltweit und liegt damit gemessen am Umsatz sogar noch vor dem sog. Black Friday oder Cyber Monday. In Deutschland haben erst wenige Unternehmen den Tag des Singles für ihre Verkaufsmaschinerie entdeckt – aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Sollte es irgendwann doch so weit sein, kann ich auch gut auf den Tag der Alleinstehenden am 11.11. in dieser kommerzialisierten Form verzichten und bleibe lieber beim Auftakt der Karnevalssaison. Aus der Debatte, ob auch der Karneval zu kommerziell geworden ist, halte ich mich als Ostwestfälin, die seit ihrer Grundschulzeit keinen Rosenmontagsumzug mehr mitgemacht hat, mit traditionell ostwestfälischer Zurückhaltung, lieber ganz heraus.

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