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Bernhard Walter von der Biostation zeigt einen Wildapfel, ein beliebtes Essen für Vögel. - © Magnus Horn
Bernhard Walter von der Biostation zeigt einen Wildapfel, ein beliebtes Essen für Vögel. | © Magnus Horn

Mit Sorgfalt für den Artenschutz – auch zu Hause

08.03.2021 | Stand 08.03.2021, 10:17 Uhr

Im Naturschutzgebiet Rieselfelder Windel fühlen sich Pflanzen und Tiere wohl. Die Biostation Bielefeld/Gütersloh widmet sich mit Hingabe einem Gebiet, welches es in der Form nur noch selten gibt. Selbst kann man auch etwas zum Wohl von Flora und Fauna tun.

Jedes Jahr, wenn es draußen kälter wird, das Laub von den Bäumen fällt und die Blumen nicht mehr farbenfroh blühen, sieht man auch in vielen heimischen Gärten Vogelkästen oder Futterkugeln, die es den Vögeln in der kalten Jahreszeit etwas einfacher machen sollen. Tier- und Naturschutz, er liegt den Menschen am Herzen. Sagen zumindest viele. Und die öffentliche Wahrnehmung und Diskussionen um beispielsweise nachhaltigere Landwirtschaft und die Einflüsse des Klimawandels auf die Artenvielfalt, sie bestätigen dies. Doch bei all diesen Themen drängt sich auch die Fragen auf, was der oder die Einzelne jenseits von Vogel-Futterhäuschen tun kann. Für die heimischen Tierarten gibt es da durchaus ein paar Möglichkeiten, sagt beispielsweise Bernhard Walter von der Biostation Bielefeld/Gütersloh.

Hilfe beginnt im eigenen Garten

Im Bielefelder Stadtbezirk Senne liegen die „Rieselfelder Windel", ein privates, etwa 100 Hektar großes Naturschutzgebiet, um das sich die Mitarbeitenden der Biostation im Auftrag der Stiftung Rieselfelder Windel kümmern. Walter, mit dem es an diesem kalten, aber dennoch sonnigen Vormittag auf eine kleine Erkundungstour geht, kennt sich mit der Natur aus. Schon auf den ersten paar Metern, unweit der 1995 errichteten und durch die NRW-Stiftung geförderten Hofstelle, stehen zahlreiche Hecken und Bäume, wo sich Meisen, Drosseln und Amseln an den noch vorhandenen Beeren zu schaffen machen oder an Knospen und unter dem Laub nach Insekten suchen, die auf dem Speiseplan stehen. Mehrere Kilometer lang – Walter deutet mit seinem Arm in die Ferne – haben er und das Team der Biostation in den vergangenen Jahren Hecken gepflanzt. Nicht in diesem Ausmaß, aber grundsätzlich seien dies Strukturen, die man auch im eigenen Garten anpflanzen könne, sagt er. Hagebutten etwa seien eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel. „Darüber hinaus bieten Hecken einen guten Windschutz und Schutz vor Habichten oder Sperbern." Und sie sind ganzjährig von Vorteil: „Im Frühling sind die Blüten dran, und wo Blüten sind, sind Insekten, und später dann hängen eben die Beeren", erklärt er, während er weiter über den aufgeweichten Boden gehen. Hier und da zwitschert es.

Es raschelt. Amseln picken im Laub herum. „Das Laub ist wichtig", sagt Walter. „Darunter wird die Feuchtigkeit gehalten und eine wärmende Schicht gebildet." Im ersten Zentimeter seien dann viele kleine Insekten oder sogar Würmern zu finden, auf die die Vögel angewiesen sind. „Doch heutzutage, in Zeiten der Laubbläser, sind solche Flächen leider selten geworden." Fütterungshäuschen im eigenen Garten seien durchaus eine gute Möglichkeit zur Unterstützung, meint Walter, doch „sie brauchen das Angebot auch in der freien Landschaft, der Natur oder im Garten". Auch mit Nistkästen könne man Höhlenbrütern helfen, die sonst nicht genügend Altholz finden, wo sie sich zurückziehen könnten. In alten Eichen etwa sei das möglich, sagt er und zeigt auf einen zehn Meter entfernten Baum, in dessen Stamm ein Loch auf eine solch kleine Höhle deutet. Doch die finden sich eher in wenigen Gärten. „Diese Kästen allein würden allerdings auch keine Vögel anlocken, wenn der Garten sonst gepflastert ist." Für Igel bieten sich selbst aufgestellte Igelhäuschen an, gerade im ländlichen Bereich, wo sie häufiger vorkommen. Sie brauchen Rückzugsgebiete im Winter, die sie gern sonst in einer Mischung aus Altholz und Laub finden.

Diese Vögel brauchen das Röhricht

Schutz für viele Vogelarten bietet hier in der Rieselfelder Windel das Röhricht. Dass sich darin tatsächlich Vögel befinden, ist bei so manchen Geräuschen gar nicht unbedingt zu vermuten. Das hin und wieder zu vernehmende Quieken deutet aber nicht etwa auf ein kleines Schweinchen hin, sondern auf die Wasserralle, die sich im dichten Schilf ebenso über Geräusche bemerkbar macht wie Rohrammern und Teichrohrsänger, die nur im Schilf vorkommen und auf das großflächige Feuchtbiotop im Süden Bielefelds angewiesen sind. Das Schilf, an dessen Halmen hier und da Blaumeisen nach Insektenlarven picken, umrandet auch die zwei Schönungsteiche an der Nordseite, in die früher das Wasser aus den Rieselfeldern hineingeleitet wurde: Das Wasser war Abwasser der Textilfabrik Windel, das in den flachen Teichen der Umgebung verrieselt und damit biologisch gereinigt wurde. Trotz einer modernisierten Kläranlage der Firma Windel bot diese an, das Gebiet in die Stiftung einzubringen und weiter mit Wasser zu versorgen. Nun sind die Rieselfelder Windel ein privates Naturschutzgebiet.

Im November: Ein Blick über den Teich mit wertvollem Röhricht. - © Magnus Horn
Im November: Ein Blick über den Teich mit wertvollem Röhricht. | © Magnus Horn

Idylle von nebenan

Anders als im dichten Röhricht zeigen sich auf dem Wasser der Teiche Kormorane, Graureiher und Enten. Auch wenn es in den meisten Fällen wohl nett gemeint ist: Dem Impuls, Brot als Nahrung ins Wasser zu werfen, sollte man nicht folgen. „Das lässt das Gewässer umkippen, führt also zu einem Sauerstoffmangel. Und es werden noch weitere Enten, Gänse und Co. angelockt, was das zusätzlich verstärkt." Hier ist das zum Glück nicht der Fall. Der Blick von der 2013 erbauten barrierefreien Aussichtsplattform wirkt beruhigend. Sie wurde von der NRW-Stiftung gefördert. Vier Jahre zuvor konnte der Wiederaufbau einer Remise ebenso durch die Förderung der NRW-Stiftung realisiert werden wie auch die anfangs erwähnte Hofstelle. Von der Aussichtsplattform schweift der Blick über das ruhige Gewässer. „Ich glaube, so etwas ist auch gut für die Seele", sagt Walter. Die Idylle, die Ruhe, die Tiere, die diese angenehm mit ihrem Zwitschern, Piepen und Quieken durchbrechen, und auch die Pflanzen. All das findet man nicht so oft beim Gang vor die Haustür. Und doch ist es ganz nah. „Während der vergangenen Monate der Pandemie haben wir schon einen deutlichen Zuwachs von Spaziergängern und Besuchern wahrgenommen."

Bio-Diversität geht verloren

Was die Corona-Krise leider negativ beeinflusst hat, sind die pädagogischen Arbeiten, die die Mitarbeitenden der Biostation neben der Pflege und der Bestandsaufnahme von Tieren leisten. „Eigentlich haben wir im Jahr etwa 3.000 Schülerinnen und Schüler hier", sagt Walter. Die Angebote für Schulklassen werden gut angenommen. So können die Jugendlichen schon früh etwas über die verschiedenen Lebensräume und Tiere erfahren. „Es ist auch wichtig, dass die Kinder mal nach draußen kommen und vielleicht auch mal einen Frosch in der Hand haben, gerade in Ballungsgebieten."

Die Bedeutung solcher Naturschutzgebiete wie das der Rieselfelder Windel ist größer denn je. Bernhard Walter ist schon seit 1993 bei der Biostation tätig. Den Klimawandel hat auch er schon hier und da gespürt. „Der größte Unterschied ist die Änderung des Niederschlagverhaltens im Frühjahr, da haben einige Arten schwer drunter zu leiden. Vor allem unsere Wiesenvögel kommen zu einer Zeit an, in der es eigentlich sehr feucht ist. Die wollen dann im Sumpfbereich sein und wenn alles trocken ist, dann haben die ein Problem. Auch Amphibien haben Probleme, weil die Flachgewässer und Gräben zu trocken sind", erklärt er.

Die weitläufigen Wiesen, auf denen 50 Heidschnucken grasen, sind im Herbst und Winter eher karg. Im Frühling blühen die Wiesen farbenfroh – und sind eben nicht nur ganz grün. „Diese ganz grünen Wiesen, da wird viel gedüngt und häufig geschnitten. Welche Tierart soll sich da fortpflanzen?", fragt Walter. Man brauche eine artenreiche Wiesen- und Pflanzenwelt. „Das wächst alles von unten nach oben. Es gibt dann mehr Insekten, Schnecken und so weiter. Davon profitieren wieder Flugtiere. Es ist ein Dilemma, dass überall die Biodiversität zurückgeht."

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