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Hier im Gespräch außerhalb des Lockdowns: Seit mehr als 40 Jahren ist Stefan Lang im Ehrenamt tätig. - © Magnus Horn
Hier im Gespräch außerhalb des Lockdowns: Seit mehr als 40 Jahren ist Stefan Lang im Ehrenamt tätig. | © Magnus Horn

Ehrenamtler durch und durch

Stefan Lang war Spieler, Geschäftsführer und nun Schiedsrichter. Manchmal war er auch zwei Sachen gleichzeitig. Das Ehrenamt liegt dem Bielefelder sehr am Herzen.

01.03.2021 | Stand 01.03.2021, 17:38 Uhr

Stefan Lang ist ein hilfsbereiter Mensch. Das Gespräch in der Bielefelder Altstadt passt ihm gut; im Anschluss würde er noch zum Blutspenden gehen. Das macht er seit 1995 regelmäßig. „In meiner Zeit als Zivildienstleistender habe ich mal mitbekommen, wie Blutkonserven benötigt wurden. Da wird man dann ein bisschen sensibilisiert", sagt der 48-Jährige. Eine helfende Hand hatte er schon immer. Als Spieler bei der Spielvereinigung Hiddenhausen hat er schon früh festgestellt: Ohne ehrenamtliches Engagement funktioniert kein Verein. Und so war es nur logisch, dass Lang, der mit sieben Jahren das Fußballspielen bei der Spielvereinigung erlernte, nie woanders gespielt hat und auch als Spieler immer mit anpackte, bereits mit 26 Jahren zum Geschäftsführer des Vereins gewählt wurde. Als Torwart war er nach wie vor gefragt, und spielte in der Bezirksliga.

Bedarf an Freiwilligen ist immer da

„Wir waren damals solide aufgestellt. Besonders aufwendig sind dann aber oft die administrativen Aufgaben, die mit dem Verband zu tun haben", sagt Lang. Dort würden von Hauptamtlichen Vorgaben gemacht, die dann in den untersten Bereichen von Ehrenamtlichen ausgeführt werden müssten. „Der Zeitaufwand ist da schon sehr hoch, vor allem, wenn man nebenbei noch berufstätig ist." Wichtig als Geschäftsführer war Lang, der dieses Amt noch bis ins vergangene Jahr bekleidete, alle im Verein zu integrieren, damit ein Vereinsgefühl entsteht. Sowohl Zuschauer als auch Spieler aller Mannschaften. Die Rolle des Ehrenamts sieht er als „multifunktional". „Freiwillige fehlen in jedem Verein, sodass wenige viel machen. Bedarf ist immer da", sagt er.

Auch 2010, als Langs Spielerkarriere langsam zu Ende ging, war Hilfe gefragt. „Bei den Schiedsrichtern gab es Not am Mann." Nun scheint Lang als ehemaliger Torwart prädestiniert für den Schiedsrichter-Job zu sein. „Wenn man als Torwart oder Schiedsrichter einen Fehler macht, dann fällt das sofort auf."

Als Schiedsrichter ist Stefan Lang auch an einem guten Spielfluss interessiert. - © Andreas Zobe
Als Schiedsrichter ist Stefan Lang auch an einem guten Spielfluss interessiert. | © Andreas Zobe

„Kulturschock" in unteren Spielklassen

Heute pfeift Lang für den DSC Arminia Bielefeld in der Bezirksliga. Seinen Stil beschreibt er so: „Ich pfeife nicht kleinlich. Das Spiel soll im Vordergrund stehen." Jeder Fußballer weiß, dass zu viele Pfiffe den Spielfluss stören. Sind sie angebracht, dann muss natürlich gepfiffen werden. Aber man merkt, so Lang, „je kleinlicher die Regeln durchgehalten werden, umso holpriger kann ein Spiel werden. Und als Schiedsrichter hat man auch Lust, ein tolles Spiel zu sehen." Alles im Rahmen der Legitimität, versteht sich. Zu seinen Anfangszeiten als Regelhüter sei Lang noch wesentlich stringenter gewesen. Und mit den Regeln? Ja, das ist so eine Sache. „Als Spieler, behaupte ich mal, kennst du deine Regeln. Dann gibt es die Kreisliga Regeln, die man mal gekannt hat, aber nie aktuell sind. Und dann bist du Schiedsrichter und kennst die richtigen Regeln." Und diese werden dann als Spieler eher in weniger als mehr Fällen für richtig angesehen. Die Diskrepanz der subjektiven Empfindungen sei dabei schon relativ groß, Diskussionen keine Seltenheit.

Eine Art „Kulturschock" sei es gewesen, in den untersten Klassen zu beginnen, meint Lang. Doch warum ausgerechnet hat sich der 48-Jährige dieser Aufgabe angenommen? Zum einen war da die Aussicht, den Verein zu unterstützen, indem sichergestellt ist, dass dieser Schiedsrichter abstellen kann. Denn der Verband gibt die Vorgabe, dass pro gemeldete Mannschaft im Bereich der Jugend und Senioren mindestens ein Schiedsrichter bestellt werden muss. Andernfalls muss man eine Strafe zahlen. Zum anderen wollte Lang noch weiter auf dem Platz stehen. „Ich brauche auch den Ausgleich, und wenn ich dadurch helfen kann, umso besser. Und ich wollte meinen Sport noch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. In einem Ortsderby geht der Punk ab, du wirst durchbeleidigt von allen und bist kein Freund von keinem. Das mal zu tun, ist schon eine Herausforderung." Klingt jedenfalls so. Ob „sich durchbeleidigen lassen" allerdings erstrebenswert ist? „Ein gesunder Masochismus gehört dazu. Auch für das Ehrenamt im Allgemeinen. Man tut viel Gutes, aber ,nie genug‘."

Lang bildete Nachwuchs aus

Nun hat Lang, der mit 38 Jahren die Schiedsrichterei begonnen hat, etwas mehr Erfahrungen auf und neben dem Fußballplatz gesammelt. Der Schiedsrichter-Nachwuchs kann heute mit 14 Jahren, mit Sondergenehmigung mit 12 Jahren, anfangen. Erstmal bei Jugendspielen. Wer glaubt, diese seien in der Regel friedlich und als Einstieg mal ganz locker zu pfeifen, der irrt. Nicht immer, klar. Aber immer mal wieder. Über solche Erfahrungen kann Lang sprechen, weil er von 2017 bis 2019 Lehrwart für die Aus- und Weiterbildung der Schiedsrichter im Kreis 05 Bielefeld war. Seit 2016 pfeift er für den DSC, also im Kreis Bielefeld und nicht mehr in Herford. Da Lang in Bielefeld wohnt, war der Aufwand letztendlich zu groß, um die Fahrten in den Kreis Herford zu stemmen. „Ich kann mich an ein Spiel Hille gegen Frille erinnern, ein kalter Donnerstag im November, Anstoß 19.30 Uhr. Da war ich nachts erst gegen 2 Uhr im Bett. Das wollte ich nicht mehr, aber trotzdem weiter pfeifen."

In der Funktion des Lehrwarts schulte er die Bestandsschiedsrichter und bildete neue im Lizenzverfahren aus – „mit viel Engagement und Herzblut". Zudem hat er die jungen Nachwuchskräfte dabei unterstützt, Sonderberichte anzufertigen oder zu Verhandlungen vor dem Sportgericht begleitet. „Wenn es zu Vorkommnissen während der Spiele kommt, werden Sonderberichte angefertigt. Dort habe ich dann geholfen, den Sachverhalt für das Gericht entsprechend sachlich und verständlich auszudrücken." Und auch im Jugendbereich hat Lang „auf Deutsch gesagt, viel Scheiße gehört". So waren 14- und 15-Jährige Jungen und Mädchen Opfer von verbaler und auch körperlicher Gewalt. „Manche wurden auf das Übelste beleidigt oder bekamen eine Kopfnuss." Einmal sogar habe ein Schiedsrichter selbst Gewalt angedroht. „Das kam dann aber erst im Verfahren heraus. Der pfeift nun nicht mehr." Lang selbst war noch nie Opfer.

Schiedsrichter-Job ist auch eine Rolle

Die Akzeptanz gegenüber jungen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern sei nicht immer sehr hoch, meint er. Mit den Vereinen viel zu reden und zu signalisieren, dass diese jungen Menschen nun auch erst beginnen, würde helfen. Eine gewisse Schutzfunktion bietet auch die Begleitung eines zur Seite gestellten Paten, der das Spiel beobachtet, Tipps geben kann und die Leistung auch teilweise benotet. Letztendlich sei der Job des Schiedsrichters eine Rolle, sagt Lang. „Für junge Menschen kann das auch persönlichkeitsbildend sein und das Selbstvertrauen stärken, wenn man sich in dieser behauptet."

Er würde gern noch lange an der Pfeife sein. - © Andreas Zobe
Er würde gern noch lange an der Pfeife sein. | © Andreas Zobe

Ehrenamtliche Doppelfunktion

So schnell aufgeben will der Bielefelder das Pfeifen selbst nicht. „Ich glaube, im Bezirk gibt es eine Altersbeschränkung, die bei knapp über 50 liegt, aber in der Kreisliga traue ich mir das schon noch bis 70 zu, wenn ich fit bleibe." Auch spielen könnte er in Hiddenhausen noch – vielleicht in der zweiten Mannschaft. Dort hat er noch seinen Spielerpass. Vor sechs Jahren war er angesichts einiger Ausfälle sogar nochmal bei den Hallen-Kreismeisterschaften als Torwart im Einsatz. Und als Schiedsrichter in einer anderen Gruppe, in der seine Mannschaft nicht spielte. Probleme gab es keine.

Lang übt die Schiedsrichterei mit Leidenschaft aus. So wie auch sonst seine ehrenamtlichen Tätigkeiten, die er inklusive des Spieler-Daseins seit 42 Jahren macht. Durchstöbert man Langs Instagram-Account, es finden sich viele Fotos in seiner Rolle des Schiedsrichters, ob allein oder mit seinem festen Schiedsrichter-Team. Auch der Nachwuchs liegt ihm am Herzen. „Bedarf ist immer da", betont er nochmal, ehe er zur Blutspende aufbricht.

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