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Bei dem Projekt können Kita- und Schulkinder jede Menge lernen. - © Katharina Kühnel
Bei dem Projekt können Kita- und Schulkinder jede Menge lernen. | © Katharina Kühnel

Lernprojekt Kinder mögen kein Gemüse? Ein Projekt beweist das Gegenteil

Die „Gemüseackerdemie“ zeigt Schulen und Kitas, wie sie Äcker anlegen und pflegen. Damit stärken sie das Bewusstsein der Kinder für die Nachhaltigkeit von Lebensmitteln.

Paderborn. Kartoffeln kommen aus dem Keller und Erbsen aus der Dose? Wer nicht fragt, bleibt dumm. Und was die Maus weiß, wissen auch viele Kinder. Aber selbst, wenn sie fragen, woher unsere Lebensmittel wirklich kommen, ist die Antwort nicht immer zufriedenstellend. „Die wachsen auf dem Acker" – doch wie genau das funktioniert, kann kindgerecht nur schwer beantwortet werden. Statt mit verschrumpeltem Anschauungsgemüse durch Deutschlands Schulen und Kitas zu ziehen, hat sich der studierte Landwirt Christoph Schmitz mit seinem Team der „Gemüseackerdemie" für das Säen entschieden – echte Gemüsesamen im Ackerboden und Bewusstsein für frische Lebensmittel in den Köpfen der Kinder. Der Keim der Idee Angefangen hat alles auf dem Hof des Landwirtschaftsbetriebs von Schmitz' Eltern. Dorthin kamen immer wieder Schülergruppen, um etwas über die Herkunft der Lebensmittel zu lernen. Schnell stellte sich Schmitz die Frage, ob Kinder wirklich an einem Tag lernen können, wie natürliche Prozesse und Landwirtschaft funktionieren. Doch die Schüler immer wieder zu den Äckern zu bringen, um das Wachstum der Pflanzen greif- und sichtbar zu machen, war keine Lösung. Er entwickelte vor fünf Jahren schließlich ein Konzept, das „den Acker zu den Kindern und nicht die Kinder zum Acker bringt", sagt Gemüseackerdemie-Regionalmanager Glenn Vogt. Der Anfang des Projekts - die erste Saat „Zunächst kommen Schulen und Kitas meist auf uns zu. Im unverbindlichen Gespräch vor Ort klären wir dann, was genau gewünscht ist", sagt er. In diesem Gespräch werden auch die Flächen auserkoren, die für den zukünftigen Schul- oder Kitaacker zur Verfügung stehen sollen. „Mindestens 50 Quadratmeter sollte die Fläche groß sein, denn wir haben 26 verschiedenen Gemüsesorten zum Pflanzen", sagt Vogt. Diese Größe sei auch wichtig für das Gefühl „wirklich auf einem Acker und nicht einfach nur im Garten zu stehen". Wer direkt vor Ort keine Möglichkeiten hat, einen kleinen Acker einzurichten, findet oft in der Nachbarschaft einen Kooperationspartner, der mit Freiflächen helfen kann, so Vogts Erfahrung. Im Februar des beginnenden Ackerjahres sind dann erstmal die Pädagogen an der Reihe, bevor die Kleinen mit dem Pflanzen beginnen können. Denn zunächst werden die Großen von Teammitgliedern der „Gemüseackerdemie" im Anlegen, Pflegen und im richtigen Umgang mit Acker, Samen und Ernte geschult. Außerdem wird ihnen gezeigt, wie sie den Acker und ihren Lehrauftrag unter einen Hut bringen können. „Denn man soll sich vom Acker nicht stressen lassen. Dann ist es ein schöner Ausgleich sowohl für Pädagogen als auch für die Kinder." Jetzt dürfen die Kinder anfangen Die dürfen im April dann endlich loslegen und ab sofort wöchentlich 90 Minuten auf dem hauseigenen Acker säen, pflegen und ernten. Die Gemüsesorten sind dabei so gewählt, dass immer etwas zum Probieren da ist. So ist von schnell wachsender Rohkost bis zu Lagergemüse „alles dabei". „Wichtig ist auch, dass kein perfekter Gemüsegarten entstehen soll, sondern ein Lernort", sagt Vogt, der Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen, wie die Kita Lüthenweg in Paderborn betreut. Seit zwei Jahren ist der studierte Betriebswirtschaftler Teil des „Ackerdemie-Teams". Schon immer habe er sich neben seinem Studium auch für Landwirtschaft und Nachhaltigkeit interessiert, sodass er zunächst ehrenamtlich aktiv wurde. Nachdem er Christoph Schmitz kennenlernte, stieg er vollständig ein und verbindet seitdem seine Kompetenzen aus dem Management-Bereich mit der Landwirtschaft – und das mit großem Erfolg. Nachhaltigkeit und Erfolg wachsen Denn nicht nur die Gemüsesorten auf den Äckern der teilnehmenden Schulen und Kitas wachsen das ganze Jahr über. Auch die Teilnehmerzahl der „Gemüseackerdemie" selbst wächst stetig an. Waren es 2015 noch 25 Einrichtungen, die bundesweit am Projekt teilgenommen haben, sind es 2019 allein in Ostwestfalen-Lippe mittlerweile 26. Deutschlandweit gibt es in diesem Jahr sogar mehr als 400 Schulen und Kitas, die die grünen Daumen der Kinder fördern. Auch in Österreich und der Schweiz ist das Projekt mittlerweile verwurzelt. Erste Erfolge zeigen sich Aufgrund dieser hohen Teilnehmerzahlen konnte die „Gemüseackerdemie" vor einem Jahr bei ihren Projektpartnern nachfragen und einen Wirkungsbericht veröffentlichen. Von Schülern, die nach dem Projekt Gemüsearten benennen konnten, „von denen sie vorher nicht mal wussten, dass es sie gibt" bis zu Feinschmecker-Kids, denen „nur noch ganz viel Salz" fehlt, um aus ihren eigenen Kartoffeln Chips zu machen, berichten Pädagogen und Schüler gleichermaßen positiv über ihre Erfahrungen. 67 Prozent der Kita-Kinder würden auch plötzlich Gemüse essen, dass ihnen vorher nicht geschmeckt hat. Ein großer Erfolg und Zuspruch, über den sich Schmitz und sein Team riesig freuen. Denn dieser zeigt, dass sie mit ihrer Zielsetzung – aus der erlernten Wertschätzung für natürliche Produkte, langfristig ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit, Lebensmittelverschwendung und gesunde Ernährung aufzubauen – auf dem richtigen Weg sind. So können Kitas und Schulen mitmachen Durch das besondere Finanzierungsmodell können noch viele weitere Schulen und Kitas diesen Weg einschlagen. Denn das kofinanzierte Projekt muss nur zur Hälfte von den Einrichtungen selbst übernommen werden. Den anderen Teil finanziert die „Gemüseackerdemie" unter anderem mit der Unterstützung von Bundes- und Landesmitteln, Spenden, sowie der WestLotto-Förderung. Weitere Informationen zum Projekt, und wie auch Ihre Einrichtung zur Ackerschule- oder Kita wird, erfahren Sie auf: www.gemueseackerdemie.de Dieser Text ist im Rahmen einer Kooperation mit WestLotto entstanden. Es werden lokale, regionale und serviceorientierte Geschichten aus den Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens erzählt, die von der Förderung durch WestLotto profitieren. Alle Geschichten und Infos gibt es hier.

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