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Das Weingut Kissinger. - © Weingut Kissinger
Das Weingut Kissinger. | © Weingut Kissinger

Essen & Trinken Das Virus und der Wein

Auch die Winzer bekommen die Corona-Krise zu spüren – aber nicht nur negativ: Viele Kunden machen sich gerade in dieser Zeit gern mal eine gute Flasche auf.

Maike von Galen
12.05.2020 | Stand 12.05.2020, 20:58 Uhr

Manchmal kommt es Gernot Hain gespenstisch vor, wenn er von seiner Terrasse Richtung Mosel schaut. Vor allem in den letzten Wochen, als die Sonne schien und die Temperaturen über 20 Grad kletterten. „Normalerweise wäre das Ufer voller Fahrräder und unsere Terrasse gut besucht", sagt der Winzer, der in Piesport neben seinem Weingut auch ein kleines Hotel und ein Restaurant betreibt.

Im Winter hat die Familie Hain diesen Betrieb ohnehin geschlossen, Ende März wollten sie eigentlich wieder eröffnen: Viele Touristen aus der ganzen Welt kommen im Sommer an die Mosel. Nun steht der Betrieb still, virusbedingt. „Damit fällt natürlich auch ein Teil unseres Weinverkaufs weg, vor allem im Restaurant haben wir unsere eigenen Weine ausgeschenkt", erzählt Hain.

So wie ihm geht es vielen Winzern in Deutschland: Der Weintourismus ist in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen. Nun sind für den Sommer allerorts Weinfeste und Präsentationen abgesagt. Auch im Handel gibt es Einbrüche: Die Gastronomie, sonst ein wichtiger Abnehmer, bricht vielen Winzern weg.

Mitarbeiter waren nervös

Jürgen Kissinger ist ein besonnener Mensch, niemand, der sich schnell aus der Ruhe bringen lässt. Der Winzer aus Rheinhessen hat kein Hotel oder Restaurant, um das er sich Sorgen machen müsste. Doch nach den ersten Meldungen über Grenzschließungen aufgrund des Corona-Virus war auch er alarmiert: „Mein Sohn war zu dieser Zeit noch in Neuseeland, half dort auf einem Weingut bei der Ernte." Wie über 100.000 andere Deutsche holte die Bundesregierung ihn nach Hause zurück. „Da sind wir sehr dankbar für", betont Kissinger.

Auch seine polnischen Weinbergsmitarbeiter ließ der Winzer schon vor Ostern nach Hause fahren – dabei steht gerade der Rebschnitt an, zu tun wäre genug im Betrieb. „Wir kennen unsere Mitarbeiter seit vielen Jahren und natürlich waren sie nervös, wollten gern bei ihren Familien sein", sagt Kissinger. Deshalb helfen nun Freunde und Bekannte im Weinberg mit. Seine Jahrgangspräsentation verlegte er kurzerhand auf Youtube. „Die Krise macht erfinderisch", sagt Kissinger.

Und offensichtlich durstig – das kommt den Winzern gerade zu Gute: Laut GfK stieg der Weinumsatz seit Beginn der Krise um 30 Prozent: nicht nur mit Klopapier decken sich die Deutschen gerade ein. Gekauft wird nach wie vor viel beim Discounter. Aber auch Gernot Hain und Jürgen Kissinger spüren die große Nachfrage: „Unsere Stammkunden halten zu uns und gönnen sich in dieser Zeit auch mal eine besonders edle Flasche", freut sich Kissinger.

Information
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