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Mit einem Lächeln in die Zukunft: Genau wie auf diesem Bild, das kurz nach der Übernahme des „the good hood" 2018 entstanden ist, verliert Inhaber Jan Hunke auch jetzt nichts von seinem Optimismus. „Wir müssen positiv bleiben!". - © Sarah Jonek
Mit einem Lächeln in die Zukunft: Genau wie auf diesem Bild, das kurz nach der Übernahme des „the good hood" 2018 entstanden ist, verliert Inhaber Jan Hunke auch jetzt nichts von seinem Optimismus. „Wir müssen positiv bleiben!". | © Sarah Jonek

Gutscheinaktion und Online-Lieferdienst: "the good hood" macht das Beste aus der Krise

Das Bielefelder Restaurant ist eines von vielen, das unter der Corona-Krise leidet. Doch Inhaber Jan Hunke blickt weiterhin positiv in die Zukunft. Auch weil er auf die Unterstützung seiner Gäste setzen kann.

Julia Fahl
03.05.2020 | Stand 04.05.2020, 11:14 Uhr

"Dass wir irgendwann schließen müssen, damit hatte ich gerechnet. Aber ich wusste nicht, was auf uns zukommt", gesteht Gastronom Jan Hunke. Der 27-Jährige, der erst seit zwei Jahren selbstständig ist, hat noch keine Erfahrung mit Krisen. Aber wer hat die schon? Die Corona-Krise hat alle überrannt, die Gastronomie trifft es besonders hart.

Erst im August 2018 hat Jan Hunke „the good hood" an der Kreuzung Jöllenbecker Straße / Mindener Straße übernommen. Ein großer Schritt für den damals 25-Jährigen. Doch sein unternehmerischer Mut wird belohnt, das Geschäft entwickelt sich Monat für Monat „super schnell und gut". Das Team übernimmt das Catering unter anderem für die Founders Foundation, Hunke bringt mit dem Messing-Wein einen eigenen Wein aus einem Bio-Weingut an der Mosel heraus und auch im „the good hood" startet das neue Jahr super. „Im Januar haben wir noch den besten Umsatz gemacht, seitdem wir existieren." Die Zukunft sieht also mehr als rosig aus, doch dann kommt die Corona-Krise. Mit voller Wucht. „Und wir wurden auf einmal auf Null gesetzt".

Das Team spendet erst einmal alle Lebensmittel

Am 17. März schließt Jan Hunke die Tür seines Lokals ab, das für viele seiner Stammgäste ein wichtiger Treffpunkt geworden ist. Von jetzt auf gleich keine Gäste mehr, keine Bestellungen, kein Umsatz. Und der neue Wein, eigentlich für die Gastronomie und Delikatessläden gedacht, findet plötzlich keine Abnehmer mehr.

Doch Jan Hunke ist Optimist. Und er macht das Beste aus der Situation, indem er einen Plan aufstellt, mit dem er die Zeit des Lockdown überbrücken kann. Zuerst spendet er die frischen Lebensmittel, die noch in seinem Keller lagern, bevor sie verfallen. Weil die Tafeln zu dem Zeitpunkt keine Spenden mehr annehmen, postet Hunke einen Facebook-Aufruf. Brötchen, Gemüse, Obst und Milch werden am „the good hood" von Stammgästen, aber auch von hilfsbedürftigen Menschen abgeholt. „Innerhalb weniger Minuten war alles weg."

Gemeinsam mit den Auszubildenden renoviert Jan Hunke das Restaurant

Für sieben Fest-Angestellte muss Hunke Kurzarbeit anmelden, auch die zwölf Aushilfen kann er nicht beschäftigen. Nur seine vier Auszubildenden arbeiten weiter in Vollzeit. Damit diese auch ohne Regelbetrieb etwas lernen, konzipiert er gemeinsam mit ihnen eine neue Speisekarte und führt sie in die Kalkulation ein. Außerdem beginnen sie, das „the good hood" zu renovieren. Nach anderthalb Wochen erstrahlt der Keller in neuem Glanz, Fußboden und Wände sind gestrichen sowie neue Teller und neues Besteck bestellt.

Parallel merkt Jan Hunke, dass er sich auf den Zusammenhalt von Kunden, Freunden, Lieferanten und befreundeten Gastronomen verlassen kann. Einen ersten Lichtblick gibt es dank der Hilfsaktion für Gastronomen „From OWL with LOVE", die die beiden Bielefelder Start-ups Limoment und Ravensberger Brauerei ins Leben gerufen haben. Alle, die gerne essen gehen, können für die Zeit danach Genussgutscheine in ganz Ostwestfalen-Lippe kaufen. Jan Hunke ist mit „the good hood" einer der Ersten, die Teil dieser Aktion sind. Und ist mehr als positiv überrascht angesichts des „riesigen Supports der Menschen. Zwischenzeitlich waren wir auf Platz 1 von allen teilnehmenden Betrieben, weil die Menschen einfach wie verrückt unsere Gutscheine gekauft haben. Das ist so krass, damit hätte ich nicht gerechnet".

Gründer helfen sich untereinander

Diese Unterstützung motiviert ihn, nach der Renovierung ein weiteres Projekt anzugehen: einen Lieferdienst für die Hood, fürs Viertel, und darüber hinaus. Erst überlegt er, dafür mit Lieferando zu kooperieren, „aber die behalten 30 Prozent des Umsatzes, das war mir zu viel". Also geht Jan Hunke das Risiko allein ein, hofft, dass die Gemeinschaft ihn unterstützen wird und wuppt das Projekt gemeinsam mit 450-Euro-Kräften. Hilfe bekommt er auch von Jan Phillip Lindemann vom Bielefelder Start-up gustoco, der auf die Schnelle ein Online-Bestellsystem zur Verfügung stellt.

Und so können Bielefelder nun online unter stayathome.thegoodhood.de aus einer etwas abgespeckten Karte – „ich will nicht so viele Lebensmittel wegschmeißen müssen" – Leckeres bestellen. Entweder holen sie ihr Essen am „the good hood" ab, oder es wird ihnen unter Einhaltung aller Hygienevorschriften für eine Liefergebühr von 3,50 Euro vorbeigebracht. Bezahlt wird kontaktlos per PayPal („das nutzen die meisten") oder bar. „Wir nehmen etwas mehr Liefergebühr, um die 450-Euro-Kräfte bezahlen zu können. Sie müssen ja auch Geld verdienen." Eine bewusste Entscheidung, die die Bielefelder unterstützen. „Es ist einfach Weltklasse, wie der Lieferdienst angenommen wird", sagt Jan Hunke und freut sich über die enorme Resonanz. „Bielefeld hält zusammen!"

Kooperation mit Eismanufaktur

Die Solidarität, die der 27-Jährige erfährt, gibt er gerne weiter. Weil er kein Dessert im Angebot hat, kooperiert er kurzerhand mit „Madeleine’s homemade Ice Cream", der neuen Eis-Manufaktur am Klosterplatz. Madeleine Malburg hat diese erst vor kurzem eröffnet, verkauft dort handgemachtes Eis aus natürlichen Zutaten, doch „die Krise hat sie mitten in der Gründungsphase erwischt", sagt Hunke und möchte die 25-Jährige deshalb unterstützen. Das Eis kann auch über den „the good hood"-Lieferdienst bestellt werden. Genau wie sein Wein. „In anderthalb Monaten haben wir auf diesem Wege 25 Prozent des Bestands abverkauft", sagt Hunke.

Die Erfahrungen der letzten Wochen lassen den jungen Gastronomen mit dem kunstvoll gezwirbelten Bart weiterhin positiv nach vorne blicken. „Momentan können wir zum Glück wenigstens die Kosten decken. Wir machen einfach weiterhin das Bestmögliche aus der Situation." Trotzdem wünscht er sich besonders für seine Mitarbeiter, dass „wir schnellstmöglich weitermachen können". Ihnen fehle nicht nur viel Geld durch die Kurzarbeit, zusätzlich müssten sie auch noch auf das Trinkgeld verzichten.

Aber vielleicht geht es ja bald – mit ausreichend Abstand zwischen den Tischen – einen Schritt weiter in Richtung gastronomische Normalität. „Ich vermisse meine Stammkunden", sagt Jan Hunke. Mit ihnen mal wieder quatschen können, das fänd’ er schön. Bis dahin wünscht er sich, dass alle Gastronomiebetriebe überleben werden. „Ich hoffe, dass alle gesund bleiben und wir diese Krise auch wirtschaftlich gut überstehen. Ich drücke allen Gastronomen die Daumen!"

Information

Mut zur Zukunft: Erfolgsgeschichten aus der Region

Mit langsamen und vorsichtigen Schritten nimmt das öffentliche Leben wieder Fahrt auf. Damit das so weitergeht, ist es weiterhin geboten, auf sich und andere aufzupassen – durch Distanzhalten, Händewaschen und das Tragen von Masken. Genauso wichtig sind aber Einfallsreichtum, Optimismus, Solidarität und Treue. Wie Ideen in die Tat umgesetzt werden und wie man mit positiven Gedanken an neue Projekte herangeht, zeigen wir in unseren Erfolgsgeschichten aus der Region. Beschrieben werden Menschen, Unternehmen und Institutionen, die trotz Krisenzeiten den Mut nicht verloren haben und die mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln um eine gute Zukunft kämpfen.

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