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Fünf Kandidaten stehen für den Negativpreis "Goldener Windbeutel" zur Wahl. - © picture alliance
Fünf Kandidaten stehen für den Negativpreis "Goldener Windbeutel" zur Wahl. | © picture alliance

Abstimmung Gesucht: Die dreisteste Werbelüge in der Lebensmittelindustrie

Welches Produkt im Supermarkt ist der größte Betrug des Jahres? Foodwatch vergibt den "Goldenen Windbeutel".

Kristina Grube
05.11.2019 | Stand 05.11.2019, 18:39 Uhr

Berlin. Unternehmen stellen ihre Produkte in der Werbung häufig übertrieben positiv dar. Mit manchen Werbeversprechen werden Verbraucher aber so dreist in die Irre geführt, dass die beworbenen Artikel einen Negativpreis verdient haben. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat die Kandidaten für den "Goldenen Windbeutel" 2019 vorgestellt. Verbraucher können für insgesamt fünf Produkte bei der Wahl zum „Goldenen Windbeutel 2019" abstimmen: Kandidat 1: „100% Bio Direktsaft Karotte" von Hipp Hier gibt es eine neue Verpackung - zum doppelten Preis: Hipp hat die Flasche seines Karottensaftes für Babys von 500 auf 330 Milliliter verkleinert. Der Preis hat sich dabei um 95 Prozent erhöht – auf 4,50 Euro je Liter. Kandidat 2: Wasabi Erdnüsse von Rewe Beste Wahl Rewe bewirbt seine Erdnüsse auf der Schauseite groß mit Wasabi. Das Produkt enthält aber gerade einmal 0,003 Prozent des japanischen Meerrettichs. Um eine Wasabi-ähnliche Schärfe und Farbe zu erreichen, hilft Rewe offenbar mit Aroma und Farbstoff nach. Kandidat 3: „Corny Protein Lower Carb" von Schwartau Mit Angaben wie „Protein" und „Lower Carb" sowie dem an Light-Produkten angelehnten Design, erweckt Schwartau den Eindruck, der Riegel sei ein gesundes Produkt für Sportler. Doch Corny enthält 24 Prozent Zucker und 13 Prozent Fett. Und besteht zu 40 Prozent aus Kohlenhydraten – trotz „Lower Carb". Kandidat 4: Yakult Original  Yakult bewirbt sein Getränk als „die kleine Flasche Wissenschaft" und suggeriert, der Drink hätte positive Effekte auf die Darmgesundheit. Doch aus Sicht von Foodwatch ist Yakult vor allem eines: dreiste Abzocke für 8,40 Euro pro Liter. Effekte auf die Darmgesundheit seien wissenschaftlich nicht belegt, so die Verbraucherorganisation. Außerdem stecken in einer Mini-Flasche fast neun Gramm Zucker. Kandidat 5: Kinder Tomatensauce von Zwergenwiese Zwergenwiese erweckt bei Eltern den Eindruck, die Rezeptur der Tomatensauce sei kindgerecht. Dabei enthält die Sauce fast 20 Gramm Zucker pro Portion – mehr als doppelt so viel wie die normale Zwergenwiese-Tomatensauce für Erwachsene. Kennzeichnungen für Produkte gehören auf den Prüfstand „Egal ob im Bio-Supermarkt oder im Discounter: Überall werden Verbraucherinnen und Verbraucher mit fiesen Werbelügen in die Irre geführt", erklärt Manuel Wiemann von Foodwatch, Wahlleiter für den Goldenen Windbeutel. „Fitness-Schwindel, Pseudo-Wissenschaft, versteckte Preiserhöhungen – bei all diesen Täuschungstricks den Durchblick zu behalten, ist für Verbraucherinnen und Verbraucher nahezu unmöglich. Das muss sich dringend ändern. Die Kennzeichnungsregeln gehören endlich auf den Prüfstand!" So wurden die Kandidaten nominiert Verbraucher hatten auf schummelmelder.de, der Foodwatch-Beschwerdeplattform gegen Werbelügen, in den letzten zwölf Monaten mehr als 200 Produkte eingereicht und für die diesjährige Wahl vorgeschlagen. Vier der jetzt nominierten Windbeutel-Kandidaten sind Einreichungen aus dem „Schummelmelder" – ein weiterer Kandidat, Yakult, geht auf Recherchen von Foodwatch zurück. Legal schummeln: Der müßige Kampf gegen den Etikettenschwindel Noch bis zum 1. Dezember können Verbraucher aus den fünf Kandidaten ihren Favoriten für den Preis der dreistesten Werbelüge wählen. Dem Hersteller des Produkts mit den meisten Stimmen will Foodwatch den Negativpreis am Firmensitz überreichen. Foodwatch engagiert sich seit Langem gegen Etikettenschwindel und fordert klarere Kennzeichnungsregeln. Die bisherigen Vorgaben schützten nicht vor irreführenden Angaben auf Lebensmittelpackungen, so Foodwatch. Obwohl im EU-Lebensmittelrecht allgemein ein Verbot von Täuschung festgeschrieben sei, könnten in der Praxis Hersteller dennoch oft ganz legal schummeln und täuschen. Zum Beispiel dürfen selbst Zuckerbomben mit Gesundheitsversprechen, unausgewogene Produkte als kindgerecht oder hochverarbeitete Lebensmittel als „natürlich" und „traditionell" beworben werden. Bisherige Preisträger: Actimel, Milch-Schnitte, Babykeks und "Smart Water" von Coca-Cola Um auf das Problem der legalen Verbrauchertäuschung im Lebensmittelbereich hinzuweisen, verleiht Foodwatch seit 2009 den Goldenen Windbeutel – 2019 zum neunten Mal. Bisherige Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein überzuckerter Babykeks von Alete (2017). Vergangenes Jahr gewann das „Smart Water" von Coca-Cola den Negativpreis.

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