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"Mein Wein" Jetzt in der NW-Genusswelt: Das 5. NW-Weinpaket "Bio & Wild"

Rainer Schnaitmann hat mit seinem eigenen Ansatz für Bio-Wein einen Volltreffer gelandet

Maike von Galen
27.10.2019 | Stand 30.10.2019, 15:27 Uhr

Der ein oder andere treue Tagesschau-Zuschauer hat Rainer Schnaitmann vermutlich schon einmal gesehen: Für eine Werbe-Kampagne des Landes Baden-Württemberg wanderte er um meist um kurz vor acht über seinen Weinberg und beteuerte: „Wir können alles - außer Hochdeutsch." Dabei schwäbelt er nicht mal besonders, der sympathische Winzer aus Fellbach bei Stuttgart. Aber dass er beinahe alles schaffen kann, hat er in der Vergangenheit bewiesen. Seit über 600 Jahren ist die Familie Schnaitmann im Weinbau aktiv – „genau wissen wir es nicht, die Kirchenbücher sind alle verbrannt", erzählt der Winzer. Doch sein Vater, so sah es lange aus, sollte der letzte Winzer in der Ahnenreihe sein. Weder Rainer Schnaitmann noch sein Bruder hatten so rechte Lust auf die Arbeit im Weinberg, Architekt werden: Das war Rainer Schnaitmanns Ziel. Er war schon eingeschrieben, als ihn Freunde aus der Gastronomie doch noch zum Wein bekehrten: „Damals habe ich zum ersten Mal gescheiten Wein aus Württemberg getrunken und da hat’s mich gepackt: Das wollte ich auch schaffen." Kein Weinberg für einen Massenwein Trollinger in der Literflasche, halbtrocken ausgebaut: In Württemberg produzierten die Winzer lange für den regionalen Bedarf, einen einfachen Alltagswein aus einer Traube, die riesige Erträge bringt. „Irgendjemanden hat man immer gefunden, der es trinken wollte – egal, wie sehr der Wein auf Masse getrimmt war", erzählt Schnaitmann scherzhaft. Für ihn stand von vornherein fest: Für einen Massenwein wollte er sich nicht in den Weinberg stellen. Nach einer Weinbaulehre und dem anschließenden Studium in Geisenheim sowie Auslandsaufenthalten in Italien und Neuseeland entschloss sich Schnaitmann das elterliche Weingut zu übernehmen und komplett auf den Kopf zu stellen: „Als erstes habe ich die Mitgliedschaft in der Genossenschaft gekündigt", erzählt der Winzer, „das hat natürlich für jede Menge Aufregung gesorgt". Denn die Schnaitmanns zählten damals zu einem der größten Betriebe, waren ein wichtiger Traubenlieferant für die Genossenschaft. "Aufsteiger des Jahres" im renommierten "Gault Millau" Mit drei Hektar Weinbergen, die er von seinem Vater pachtete, startete Rainer Schnaitmann 1997 – von Null: „Wir hatten keine Presse, keine Schläuche, keine Flaschen oder Etiketten", erzählt er im Rückblick, alles musste er sich selbst aufbauen. „Meine jugendliche Arroganz hat mir geholfen", sagt Schnaitmann und lacht: „Ich war einfach überzeugt, dass ich das kann." Überzeugt hat er auch andere schnell: Schon mit seinem ersten Wein landete Rainer Schnaitmann im Gault Millau, einem der wichtigsten Weinführer Deutschlands. Er gewann Wettbewerbe, wurde zweimal zum „Aufsteiger des Jahres" gekürt. „Das hat uns viel Aufmerksamkeit gebracht und den Start sehr erleichtert", erinnert sich Schnaitmann. Seit 2010 wird der Betrieb komplett ökologisch bewirtschaftet Weniger gesonnen war ihm im Jahr 2000 das Wetter: Als ein schwerer Hagel große Teile seiner Trauben zerstörte, musste Schnaitmann sich etwas einfallen lassen, um nicht einen gesamten Jahrgang zu verlieren: „Ich habe damals im Remstal mehrere Weinberge gepachtet und auch Trauben zugekauft", so Schnaitmann – aus einer Notlage entstand so neues Potential: „Wir haben festgestellt, dass wir dort im Remstal ganz hervorragende Bedingungen haben und die Weinberge deshalb nach und nach hinzugekauft." Heute bewirtschaftet Schnaitmann 24 Hektar, verkauft seine Weine in deutsche Großstädte, aber auch nach England und in die USA. Seit 2010 bewirtschaftet Schnaitmann seinen Betrieb komplett ökologisch. Für die Zukunft kann er sich vorstellen, sein Weingut noch durch einen Gutsausschank zu erweitern, mehr Touristen in seine Heimat zu locken. Schon jetzt gibt es in Fellbach drei VDP-Weingüter und drei Sterne-Restaurants: Ein kleiner Genuss-Hotspot vor den Toren Stuttgarts. „Bislang wird Stuttgart vor allem als Autostadt wahrgenommen, zu uns kommen vor allem Geschäftsreisende. Dabei kann man hier auch wunderbar Urlaub machen", schwärmt Schnaitmann.

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