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Auf geht's: Pit Clausen, Martin Knabenreich und Weinprinzessin Klara Zehnder, v. l., eröffnen den Weinmarkt mit Wein in den Farben Weiß, Rosé und Rot. - © Foto: Andreas Zobe/NW
Auf geht's: Pit Clausen, Martin Knabenreich und Weinprinzessin Klara Zehnder, v. l., eröffnen den Weinmarkt mit Wein in den Farben Weiß, Rosé und Rot. | © Foto: Andreas Zobe/NW

Bielefeld Eröffnet: Das ist das Erfolgsrezept des Bielefelder Weinmarktes

Seit 38 Jahren wird auf dem besonderen Fest Wein aus genau einem Land getrunken. Gefeiert wird hier gut - ohne Schnick und ohne Schnack.

Kurt Ehmke
03.09.2019 | Stand 03.09.2019, 15:38 Uhr

Bielefeld. Wein, Weib, Gesang. Das stammt aus der zweiten Strophe des Deutschlandliedes von 1841. Auch wird es manchmal Martin Luther zugeschrieben. Johann Strauss komponierte einen Walzer dieses Namens. Wein, Weib, Gesang - es könnte so einfach sein, über den Weinmarkt zu schreiben: Wein? Ja gibt's. In rot, weiß, rosé - und als Federweißen. Weib? Na klar, die amtierende deutsche Weinprinzessin Klara Zehnder aus Franken ist da. Gesang? Naja, das wiederum hängt davon ab, wie viel jeder einzelne so trinkt. Doch der Bielefelder Weinmarkt ist mehr. Seit nunmehr 38 Jahren. Trends bleiben außen vor Klingt nach Tradition - und nicht nach Trend. Auch das stimmt. Auf der Weinmesse "Pro Wein" im Frühjahr wurden Trends beschrieben, annähernd keinen davon erfüllt der Bielefelder Weinmarkt. Kein Ätna-Wein, keine spanischen Weißweine, kein Pinot Grigio aus dem Friaul, kein Malbec aus Argentinien, und schon gar keine der hochgejazzten Trendsetterweine aus Osteuropa. Immerhin aber an zwei Trends des Jahres durfte Oberbürgermeister Pit Clausen, der das Fest eröffnete, dann doch auch in Bielefeld teilhaben: fränkischem Silvaner und roten Cuvées aus Deutschland. Er stieß mit einem grünen Silvaner aus 2017 mit Prinzessin Zehnder an - sie genoss einen Rotling (Cuvée aus roten und weißen Trauben). Traditionell deutsch Italien, Bulgarien, Chile, Australien? Nix da. Der Weinfest-Wein ist nun einmal traditionell deutsch, und auch das Wetter scheint herbstlich-deutsch zu bleiben. Am Wetter kann Veranstalter Martin Knabenreich (Bielefeld Marketing) nichts ändern, notgedrungen setzt er deshalb darauf, "dass die Bielefelder ja verschiedenste Wettergrade gewohnt sind". Motto: Wird schon. Und das mit dem deutschen Wein? Das will er nicht ändern. Von wegen - so weit kommt's noch: "Wir wollen hier die Winzer erleben, mit ihrem Dialekt, ihren Geschichten, ihren Weinen." Würde es internationaler, wäre es am Ende ein reiner Markt der Weinhändler. Knabenreich sagt ganz bewusst: "Ja, mit unserem Fokus koppeln wir uns von der internationalen Entwicklung ab." Gut läuft's auf dem Weinmarkt Der Markt läuft eben wie er läuft. Und das meistens recht gut. Er soll auch nicht größer werden. Was auch schwer wäre, denn der Weinmarkt läuft parallel zur Weinlese, und da sind die Winzer eben nicht gerade auf der Suche nach noch mehr Arbeit. Immerhin: 28 Stände gibt es, 6 der 13 Weinanbaugebiete sind vertreten, sechs Winzer sind dabei, okay, aber es gibt keine Ausdehnung gen Klosterplatz oder so. Das hatten nach dem Wahnsinnsweinmarkt 2018 einige gefordert - wegen Überfüllung. Doch 2015 und 2017 sind auch noch nicht vergessen, als es kühler und nasser war. Der Weinmarkt ist nun einmal das vielleicht wetterfühligste Bielefelder Fest. Da ist es eben mal knallvoll und mal leerer. Punkt. Knabenreich aber verspricht: "Wenn nächstes Jahr die Baustelle auf dem Alten Markt weg ist, dann werden wir sieben Anbaugebiete haben." Zurück zu den Trends. Wie sagte die Chefin des Autors dieser Zeilen? "Weinmarkt? Das ist hingehen, einen Wein bestellen und mit Freunden quatschen." Nichts mit Debatten über steile Süd-Lagen, Muschelkalk, Schiefergestein oder Aromen von Weinbergpfirsich im Abgang. Einfach trinken und genießen. Auf Bielefelder Art. Bis Sonntag NW-Wein probieren Der Weinmarkt läuft bis Sonntag, 8. September. Los geht es täglich um 12 Uhr, bis 23 Uhr darf gefeiert und getrunken werden (Sonntag bis 21 Uhr). Die NW hat eine Kooperation mit Wernings Weinstuben am Alten Markt. Hier können vier Weine probiert werden, die die NW in ihrem Onlineshop meinwein.nw.de anbietet.

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