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Viele Menschen finden im Wald Ruhe und Erholung, können hier Kraft für den oft stressigen Alltag schöpfen. - © Susanne Lahr
Viele Menschen finden im Wald Ruhe und Erholung, können hier Kraft für den oft stressigen Alltag schöpfen. | © Susanne Lahr

Spenge Baden im Wald: Trend ist jetzt auch in Spenge angekommen

Die Heilkraft der Bäume, die Ruhe und Kraft spenden - Katharina Hinze hat den Wald als Sehnsuchtsort für sich entdeckt

Karin Wessler
19.11.2019 | Stand 19.11.2019, 09:51 Uhr

Spenge. Der Aufenthalt im Wald tut gut, diese Erfahrung machen viele Spaziergänger. Er ist ein Ort der Freude und Inspiration. Und der Wald hat Heilkraft. "Es ist genetisch in uns verankert, dass wir uns in der Natur wohl fühlen", weiß Katharina Hinze aus Spenge. "Bei einer Entfremdung leidet unsere Gesundheit." Die Heilpraktikerin hat das Waldbaden für sich entdeckt. "Dabei kann man alle Sinne öffnen und ganz bewusst sehen, fühlen, hören, riechen und auch schmecken". Man werde langsamer im Wald. "Es entschleunigt. Man nimmt sich Zeit und will nicht möglichst schnell ein Ziel erreichen. Man wird einfach viel ruhiger - das ist die reine Meditation." Und sie kann immer mehr Menschen für das Waldbaden begeistern. Nicht umsonst gebe es Ausdrücke wie "stark wie ein Baum" oder "aus gutem Holz geschnitzt". Es fühle sich gut an, von Bäumen umgeben zu sein. Es sei immer eine ganz besondere Atmosphäre und einfach nur wohltuend. "Bäume umhüllen den Menschen quasi bei einem Waldbad." So sei wohl auch der Ausdruck "Baden" zustande gekommen. "Für viele ist der Wald auch voller Kindheitserinnerungen, in dem sich jeder sammeln und zu sich selbst kommen kann", hat sie erfahren. Bachlauf bringt Vielseitigkeit Ein Waldbad solle mindestens zwei Stunden dauern, lieber sogar vier Stunden oder länger. "Optimal wäre ein ganzer Tag", so ihre Erfahrung. Und groß soll der Wald sein. "Sonst kommt man zu schnell an die Grenzen." Gerne darf auch ein plätschernder Bachlauf dabei sein. "Das bringt Vielseitigkeit", weiß sie. Beim Waldbaden gehe es darum, langsam zu werden und bewusst zu atmen, um so den oft stressigen Alltag hinter sich zu lassen und wieder Kraft zu sammeln - Wellness eben. Und: "Der Wald gibt Kraft nicht nur durch seine Präsenz, sondern auch durch seine Duftstoffe." Um all das zu erfahren und zu spüren, seien unterschiedliche Übungen und Meditationen gut - die Sinnesübungen. "Wir verbinden uns mit der Natur, wenn wir unsere Sinnen öffnen", sagt Katharina Hinze. "Beispielsweise kann man sich einfach mal einen Zweig von einer Fichte oder Tanne abbrechen und genau beobachten: Wie sehen die Fasern aus, wie sind die Strukturen, wie wachsen die Nadeln am Zweig. Sind die Nadeln platt oder rund. Wie sind die Farben? Man kann den Zweig mit seinen Nadeln mit offenen und auch geschlossenen Augen durch die Fingen ziehen, fest drücken und dann daran riechen. Man kann sich auch mal eine Nadel auf die Zunge legen - wenn man sicher ist, dass es keine giftige Eibe ist", sagt sie. Diese Übung schule das aufmerksame Beobachten. "Man ist ganz im Jetzt." Es sei eine gute Achtsamkeitsübung. Großes Repertoire an Atemmeditationen Gut seien beim Waldbanden auch Atemmeditationen. "Da gibt es ein großes Repertoire", weiß Katharina Hinze. Die wirken sich, so sagt die Spengerin, positiv auf die Gesundheit aus. "Die Ausschüttung von Stresshormonen wird nachweislich gesenkt, dadurch reguliert sich auch der Blutdruck." Auch die Schlafqualität verbessere sich. Durch Waldspaziergänge, so weiß die Heilpraktikerin und Buchautorin, werde die Anzahl und die Aktivität der natürlichen Killerzellen erhöht und somit die Abwehrkräfte gegen Infektions- und Krebserkrankungen gefördert. Zur Atemmeditationen gehören leichte Bewegungen, ähnlich dem Qi Gong oder Yoga. Eine andere Übung sei, sind einige Minuten an einen Baum zu setzen oder zu lehnen - vielleicht mit geschlossenen Augen - und in die Natur hinein zu lauschen. "Dann ist man einfach nur da und es gibt kein Leistungsdenken." Das sei sehr erholsam. Tief in den Körper hinein spüren Beim Waldbaden könne jeder auch einfach eine Geh-Meditation machen und tief in seinen Körper hinein spüren. "Man kann dabei auch kreativ werden und etwa Waldmandalas legen mit Dingen, die vor Ort zu finden sind - Äste, Steine, Blätter oder Farn." In der Waldatmosphäre könne der Mensch vieles achtsam wahrnehmen, inne halten - und auch staunen. "Wie die Kinder", sagt sie schmunzelnd. Jeder solle sich fragen: "Wie ging es mir, als ich in den Wald hinein ging, und wie ging es mir hinterher", empfiehlt sie. In Japan gelte Waldbaden als Medizin. "Wer in den Wald eintaucht, tut etwas für seine Gesundheit."

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