0
Mit "Need for Speed Heat" gibt es einen neuen Teil der beliebten Rennserie. - © EA Games
Mit "Need for Speed Heat" gibt es einen neuen Teil der beliebten Rennserie. | © EA Games

Games „Need for Speed Heat“ im Test: Kavalierstart oder abgewürgt und versagt?

"Need for Speed" ist zurück! Nach einem schwachen und belächelten Vorgänger soll das Rennspiel wieder zur alten Stärke zurückkehren. Ob das Spiel die Versprechen einhält, zeigen wir in unserem Test.

Andrea Mihaljevic
18.11.2019 | Stand 18.11.2019, 15:06 Uhr
Marcel Daube

„Ghost Games" traut sich mit der „Need for Speed"-Reihe schon zum vierten Mal an den Start. Der neue Teil verspricht uns eine offene Welt mit einem spannenden Kontrast zwischen Tages- und Nachtevents sowie Cops, die hartnäckige Verfolgungsjagden bieten. Auch das Tuning der Autos soll nicht zu kurz kommen - und das ganz ohne Lootboxen. Schafft es das Spiel, die Fanherzen nach einem schwachen Vorgänger wieder höher schlagen zu lassen? Neue Stadt, neues Glück Wir kommen als ein neuer Fahrer nach Palm City und wollen uns in der legalen Rennliga "Speedhunters Showdown" unter Beweis stellen. Bei allen Hürden (oder eher: Nagelbändern), die uns die Cops in den Weg legen, bekommen wir Unterstützung von unserer Freundin Ana. Sie führt uns in das Nachtleben von Palm City ein, wo die sogenannte "League" regiert. In dieser Crew sind die besten Fahrer mit den besten Wagen der Stadt vertreten, und natürlich wollen auch wir ein Teil davon sein.Um dieses Ziel zu erreichen, gründen wir mit Ana unsere erste eigene Crew, mit der wir uns beweisen wollen. Die Hauptstory ist zwar relativ kurz gestaltet, mündet jedoch in weitere Nebenstränge, sodass man trotzdem viel Zeit investieren kann. Die Zwischensequenzen umfassen realistische Dialoge, die nicht wie bei den Vorgängern auf cool getrimmt sind. Erstmals hat unser Charakter sogar eine eigene Stimme. Eine gute Neuerung, finden wir. Tag und Nacht, wo sind die Unterschiede? Egal ob am Tag oder in der Nacht: wir haben immer vier Rennkategorien zur Auswahl. Darunter sind Straßen- (Rund- und Sprint-), Drift-, Offroad- und Zeitfahrrennen. Letztere stechen deutlich hervor, da sie anspruchsvolle Aufgaben bieten, die uns dazu zwingen, mit Köpfchen an die Sache zu gehen, wohingegen der Rest eher eintönig ausfällt. Auch die Cops sind zu jeder Zeit auf der Karte verteilt, tagsüber sind sie aber so faul wie nie zuvor. Sie reagieren nicht und flüchten regelrecht vor uns, damit keine Verfolgungsjagd entsteht. Es sei denn, wir legen es darauf an. Nachts dagegen sieht das schon ganz anders aus. Hier fahnden die Cops ganz gezielt nach uns. Je nach Fahndungstufe treten sie mit verschiedenen Fahrzeugen (wie etwa den altbekannten „Rhinos") gegen uns an. Generell wirkt die Polizei sehr mächtig, und durch die Gummiband-KI entkommen wir den Gesetzeshütern nur sehr schwer. Bei einer Gefangennahme müssen wir nicht nur Verwarngeld zahlen, sondern verlieren bei Nacht auch noch unsere hart verdienten Reputationspunkte. Die sammeln wir, um Stufen aufzusteigen und damit Tuningteile und Autos freizuschalten. Kaufen müssen wir die dann trotzdem noch. Bei unseren Rivalen gibt es, im Gegensatz zu den Verfolgungsjagden durch die Cops, endlich keine Gummiband-KI mehr. Dadurch kommt es allein auf unser Tuning und Fahrtalent an. Trotz hohem Schwierigkeitsgrad waren wir oftmals überlegen und hatten das Gefühl, wir wären Königin oder König der Straßen.Unserer Meinung nach ein gut gelungenes System, das für Abwechslung in den Rennen sorgt. Was geht ab in Palm City? Während wir mit 232 km/h durch die Stadt und über das Land brettern, fällt auf, dass uns nicht nur wenig Verkehr entgegen kommt, sondern auch nirgends Menschen an der Straße zu sehen sind. Trotz des Überangebots von Events auf der Map, lässt der fehlende Verkehr die Welt extrem leblos erscheinen. Was den Schmerz an dieser Stelle minimal lindert, sind die schönen Wettereffekte wie dynamische Spiegelungen in Regenpfützen, die Reflexion von Sonnenstrahlen oder das Abperlen von Regentropfen auf unserer frisch polierten Karosserie. Abgesehen von Rennveranstaltungen finden wir auf der Karte noch verschiedene Blitzer-, Drift- und Sprungzonen sowie Sammelobjekte wie Flamingos oder Sprühdosen, die wir im Fahrzeug-Editor auf unseren Boliden anwenden können. Auch sind wieder überall Tankstellen positioniert, die unseren Wagen quasi im Vorbeifahren reparieren und unser Nitro wieder auffüllen. Während die zerstörbare Umgebung bereits bei einem versehentlichen Puster in alle Himmelsrichtungen zerschießt, wurde bei den Autos optisch bis auf ein paar Lackschäden und eine gesprungene Scheibe auf ein Schadensmodell verzichtet. Kein Tuning durch Lootboxen mehr Bei 127 Autos von 33 Automarken gibt es ein breites Angebot an Tuningmöglichkeiten. Wir werden nicht wie in „Forza Horizon" mit Fahrzeugen überhäuft, sondern müssen, wie bereits erwähnt, unser schwer erarbeitetes Geld für jedes einzelne opfern. Dabei ist abzuwägen, ob wir in einen Neukauf investieren oder nicht besser in das Tuning von bereits erworbenen Wagen. Unserer Erfahrung nach kommen wir auf diese Weise deutlich leichter an der Konkurrenz vorbei. Hilfreich ist die einsteigerfreundliche Umsetzung des Tuning-Editors. Die Lootboxen aus dem Vorgänger sind rausgeflogen, sodass wir nun wieder einzelne Teile wie Motor, Kupplung, Nitro oder spezielle Fahrwerke kaufen und einbauen müssen. Das gibt uns die Möglichkeit, das Fahrverhalten nach unserem Geschmack auf Drift-, Rennen-, Offroad- oder Straßentuning auszulegen. Was das optische Tuning angeht, ist von den Frontscheinwerfern bis zum Auspuff einiges austauschbar, es gibt jedoch innerhalb der Teilekategorien nicht viele Optionen zum Umbau. Als nette Dreingabe gibt es, wie in vereinzelten Vorgängern, den Folien-Editor, mit dem wir uns kreativ an unserem Fahrzeug ausleben oder fertige Designs anderer Spieler anwenden können. Ein Feature, das in unseren Augen auf gar keinen Fall unerwähnt bleiben darf, ist die Möglichkeit, den Motorsound bis auf die kleinste Feinheit abzustimmen – absolut unnötig, aber extrem cool. Unser Fazit Bei "NFS Heat" handelt es sich um ein reines Arcade-Rennspiel. Die Hauptgeschichte rückt nicht zu weit in den Vordergrund, erfüllt jedoch ihre Rolle und umrahmt das Spiel. Die Polizei ist etwas flotter unterwegs, und Verfolgungsjagden machen endlich wieder eine Menge Spaß, da sie uns tatsächlich herausfordern. Der Tag- und Nachtwechsel von "NFS Heat" hebt das Spiel konzeptionell von der Konkurrenz ab, da wir zwischen dem Sammeln von Geld und Reputationspunkten ein Gleichgewicht finden müssen, um unser Ziel, ein Teil der „League" zu werden, zu erreichen. Trotz der etwas leeren Umgebung in der offenen Welt und dem Versuch der Entwickler, diese Leere mit Events zu füllen, haben wir auch unabhängig davon viel Spaß beim Erkunden der Areale auf der Karte. Das Tuning ist leider nicht so ausschlaggebend, wie wir es erhofft hatten, bietet aber viele Möglichkeiten, sich mit seinem Auto auseinanderzusetzen und ist vor allem einsteigerfreundlich. Wir bauen schnell eine Verbindung zu unserem Fuhrpark auf, da wir viel Zeit und Geld in unsere Boliden stecken. Unser Lohn sind die Siege. Ja, "Need for Speed Heat" lässt unser Fanherz nun etwas höher schlagen als in den letzten paar Jahren. Das Spiel hat keinen Motorschaden erlitten, allerdings ein paar Kratzer im Lack bekommen, über die wir aber hinweg sehen können. "Need for Speed Heat" ist erhältlich für PC, Xbox One und PS4, kostet etwa 60 Euro in der Standard Edition und ist ab 12 Jahren freigegeben.

realisiert durch evolver group