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Um einfach nur Bier oder Wein zu trinken, geht heute fast niemand mehr in die Kneipe. Quizzen ist angesagt. - © Unsplash
Um einfach nur Bier oder Wein zu trinken, geht heute fast niemand mehr in die Kneipe. Quizzen ist angesagt. | © Unsplash

Paderborn Immer mehr Kneipen in Paderborn bieten Kneipenquizze an

Gequizzt wird im Sputnik, in der Akka, im Alles ist gut, im Globetrotter, im Meinküger... Gibt es überhaupt noch Kneipen ohne Quiz?

Ulla Meyer
16.11.2019 | Stand 16.11.2019, 16:25 Uhr

Paderborn. Kaum jemand geht heutzutage in eine Kneipe, um sich gepflegt zu betrinken. Das gilt als retro. Moderne Kneipen sind eine Brutstätte des Geistes und pflegen diesen Status mit einem bunten Angebot von Quizveranstaltungen. Paderborn liegt da ganz vorne: Gequizzt wird im Sputnik, in der Akka, im Alles ist gut, im Globetrotter, im Meinküger... Gibt es überhaupt noch Kneipen ohne Quiz? Was gibt es für Fragen? Wer quizzt? Und was gibt es zu gewinnen? In einer kleinen Reihe wollen wir diesen Fragen nachgehen. Quiz mit Kunst und günstigem Wein gibt es seit gut vier Jahren im Kunstverein, der sich aktuell noch in einem Hinterhof der Westernstraße versteckt, im nächsten Jahr aber am Kamp zu finden ist. Der Kunstverein ist zwar keine Kneipe, die Atmosphäre aber ziemlich klasse. Man sitzt mitten in der aktuellen Ausstellung mit viel Licht und Getränken zum Selbstkostenpreis. Gequizzt wird mit maximal sechs Personen, immer an einem Donnerstag, einmal im Quartal. Es sind gut 30 Leute, die sich zur Ausstellung von Ulrike Möhle und Sabine Straßburger einfinden, und man vermutet spontan eine sehr hohe Lehrerdichte, was sich dann nicht ganz bestätigt. Es bilden sich vier Teams, drei davon mit einem geschätzten Durchschnittsalter von knapp 60, ein frisches Team mit Studentinnen im Studentinnenalter. Zu acht Kategorien werden jeweils acht Fragen gestellt, jede beantwortete Frage gibt einen Punkt, setzt man in einer Kategorie den Joker, zählt alles doppelt. Unser Team schafft die Kategorie "Norwegen" locker Es ist nicht leicht, sich zwischen den Kategorien "Norwegen", "... und dann?", "-ismus" oder "Regen" zu entscheiden, man merkt immer erst später, ob der Joker gut eingesetzt ist. Klar, dass bei Norwegen irgendwas zur Buchmesse gefragt wird, es fängt aber harmlos an und es geht nur um Mette-Marit, die auch da war. Unser Team schafft Norwegen locker, Knut Hamsun, Edvard Grieg, Jostein Gaardner, Jo Nesbö ... kennen wir, können wir. Die Kategorie Regen geht gar nicht. Wer sang nochmal in den Siebzigern oder war es noch früher den Hit „Am Tag als der Regen kam"? Alexandra? Nee, das war die mit dem toten Baum. Dalida hieß die Dame. Was in diesem Quiz immer wieder auftaucht, sind Fragen zu ganz früher, Fernsehsendungen wie die „kleinen Strolche", längst vergessene Musik von Shocking Blue bis zu Alan Parsons Projekt, und es macht Spaß in den Tiefen des Gedächtnisses herumzugraben, denn gehört hat man (fast alles) schon mal. Es ist quasi das kulturelle Weltwissen der 60-Jährigen, das hier gefragt ist und dem Studentinnenteam eigentlich keine Chance lässt. Die fünf Mädels und ein junger Mann kommen trotzdem immer wieder. Sie sind erfahrene Quizzer und schätzen das Kulturvereinsquiz wegen seiner großartigen Organisation. Nach jeder Fragenkategorie werden sofort die Antworten ausgewertet, es geht zügig voran und niemand geht mitten im Quiz nach hause, weil alles zu lange dauert. Der Spaß wird hier ziemlich ernst genommen, der Wettbewerbsgedanke auch. Ganz schlimm ist, wenn man was sicher weiß und es doch gerade nicht parat hat, dann hilft nur noch das Team. Gefragt ist das kulturelle Weltwissen der 60-Jährigen Das härteste Themenfeld kommt immer zum Schluss: Der rote Punkt! Es geht um den Maler Adolf Menzel und acht seiner Werke. In jedem Bild sind kleine Details unter einem roten Punkt verborgen und es gilt zu raten, welche. Ganz, ganz schwer, dazu braucht man Fantasie und ein gutes visuelles Gedächtnis und daran fehlt es bei vielen. Es macht dennoch total Spaß zu überlegen, was sich hinter dem roten Punkt auf dem Bild vom Balkonzimmer verbirgt. Ein Nachttopf? Wieder falsch! Nach gut zwei hochkonzentrierten Stunden sind alle Fragen durch und das Siegerteam ermittelt. Für jeden der sechs Sieger gibt es kleines Andenken vom Kunstverein, mal ein kleines Bild oder ein Ausstellungskatalog. Das nächste Kulturvereinsquiz gibt es erst im nächsten Jahr, am 9. Januar, dann schon in den neuen Räumen am Kamp. Wer es bis dahin nicht aushält, kann schon am 28. November im Meinkrüger Fragen zur Musik beantworten.

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