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Einen guten Auftritt hinlegen konnte Call of Duty schon immer. Jetzt beginnt auch jede Multiplayer-Runde mit einem stilvollen Intro. - © Marcel Daube
Einen guten Auftritt hinlegen konnte Call of Duty schon immer. Jetzt beginnt auch jede Multiplayer-Runde mit einem stilvollen Intro. | © Marcel Daube

Games "Call of Duty: Modern Warfare" im Test: Aufgewärmt oder neu erfunden?

Jedes Jahr ein neues Call of Duty: Spieler kennen das schon, diesmal wird sogar der Titel recycelt. Ist es wenigstens ein gutes Spiel?

Marcel Daube
03.11.2019 | Stand 03.11.2019, 12:26 Uhr
Andrea Mihaljevic

Das neue „Call of Duty" trägt zum fünften Mal ein „Modern Warfare" im Titel, aber schenkt uns das Entwicklerstudio Infinity Ward endlich einen tatsächlich modernen Ableger der Reihe oder werden wir wie mit den Vorgängern der letzten Jahre enttäuscht?

Es handelt sich hier um ein Reboot der Reihe. Seit 2005 wird in jedem "CoD" die gleiche Engine benutzt, was einem nach mehreren Jahren bitter aufstößt. Jetzt bekommen wir endlich eine Neue, die uns eine hübschere Grafik verspricht und dieses Versprechen auch einhält. Dazu gibt es den neuen Multiplayer-Modus „Bodenkrieg", den man als direkte Kampfansage gegen den Konkurrenten „Battlefield" interpretieren kann und auch die Kampagne ist endlich wieder da, nachdem sie in „Black Ops 4" gestrichen worden war.

Schafft es die Reihe also aus dem jährlichen Trott heraus?

Einzelspieler
In „Modern Warfare" spielen wir abwechselnd den Amerikaner Alex (CIA) und Kyle vom britischen SAS, werden aber auch mit Missionen einer weiteren Verbündeten überrascht. Die Nebencharaktere haben leider keine richtige Persönlichkeit und gehen in der Geschichte somit weitestgehend unter, jedoch trifft man auch bekannte Gesichter, wie Captain Price, der mit seinem ausdrucksstarken Auftreten aus der Masse heraussticht.

In der Kampagne bekämpfen wir die Terrororganisation „Al-Qatala", welche unter anderem einen Giftgasanschlag organisiert hat, und die Russen, die in diesem Chaos auch noch mitmischen wollen. - © Marcel Daube
In der Kampagne bekämpfen wir die Terrororganisation „Al-Qatala", welche unter anderem einen Giftgasanschlag organisiert hat, und die Russen, die in diesem Chaos auch noch mitmischen wollen. | © Marcel Daube

Unsere Einsätze finden hauptsächlich im fiktionalen Land „Urzikstan", St. Petersburg und London statt. Im Zuge einer Rebellion, der wir uns anschließen, treffen wir auf neue Verbündete, die uns bei unseren mal etwas offeneren, mal gewohnt schlauchartigen Missionen unterstützen. Überall kracht und knallt es, ob wir nun als Fußsoldat mit einem Laserpointer Ziele für ein Kampfflugzeug markieren oder eine Zivilistin heimlich durch ein eingenommenes Büro navigieren. Dabei spielt "Modern Warfare" nicht nur mit dem menschlichen Versagen, sondern auch mit der Gefühlslage des Spielers.

Folter-Zwischenzeile

Es suggeriert uns, dass wir durch das optionale (Nicht-)Erschießen von Zivilisten oder Geiseln über Leben und Tod entscheiden können. Bis auf einen Kommentar durch die Einsatzleitung und an manchen Stellen eine zusätzliche kurze Spielszene haben diese Passagen aber keinen Einfluss auf den Spielverlauf, außer dem Spieler ein schlechtes Gewissen zu vermitteln. An dieser Stelle, wie auch bei einigen Folter-Szenen kann die visuelle Darstellung auf sensible Spieler ziemlich verstörend wirken.

Dennoch dienen diese Szenen, um zu verstehen in welcher aussichtslosen Situation die Bürger und Zivilisten stecken. Das Spiel bemüht sich, uns eine nachvollziehbare Welt zu präsentieren. Doch die so hoch angepriesene Entscheidungsfreiheit ist hauptsächlich auf Dialogabschnitte begrenzt und in unseren Augen wurde im Vorfeld ein etwas zu großer Wirbel darum gemacht.

Leider ist die künstliche Intelligenz weiterhin nur durchschnittlich. Die Feinde haben dieses Mal nicht an Intelligenz dazu gewonnen, da sie meistens eine Route ablaufen und sich hinter Deckungen verstecken. Was uns ziemlich enttäuscht hat ist, dass wir beim Spielen der Einzelspieler-Kampagne keinerlei Sammelobjekte gefunden haben. Dennoch war es eine klasse Erfahrung mit ordentlich Tiefgang.

Multiplayer
Der Multiplayer von "Call of Duty" war, ist und bleibt der Teil des Spiels, welcher den treuen Fans der Reihe am wichtigsten ist. Maps wie "Gun Runner" oder "Azhir Cave", sowie neun weitere Karten, welche durch ihren verwinkelten Aufbau und die Möglichkeit sich um Ecken zu lehnen dazu anregen auf Feinde zu warten, lassen einiges versprechen. In Sachen Gameplay wird insgesamt auf ein eher langsames Vorgehen gesetzt.

Der Waffeneditor bietet uns nach Erreichen des vierten Levels die Möglichkeit fünf Klassen frei zu gestalten und Waffen mit Aufsätzen und Tarnungen zu individualisieren. Mit 40 verschiedenen Waffen (zu Release) haben wir ein großes Arsenal und damit eine angenehme Auswahl. Die Ausrüstung ist dieses Mal abgeschwächt und das Klassensystem aus den Vorgängern ist rausgeflogen, sodass wir alle Perks und Waffenslots ausrüsten müssen. Selbstverständlich sind Killstreaks wieder Teil des Spiels - aber auch einiges neue.

Spaßige neue Multiplayer-Modi

Der "Feuergefecht"-Modus ist eine „2vs2"-Variante auf eigenen Karten, in dem jeder Spieler gleich ausgerüstet wird und nur ein Leben besitzt, das sich nicht regeneriert. Ein grandioser Spielmodus, bei dem wir uns wie E-Sportler gefühlt haben, da es durch die Ausgeglichenheit der Ausrüstung hier auf das spielerische Können ankommt.

Die Maps in „Bodenkrieg" sind verwirrend aufgebaut und wir konnten in manchen Momenten nicht lokalisieren von wo die Feinde gelaufen oder mit Panzer, Helikopter oder auch Quads gefahren kamen. - © Marcel Daube
Die Maps in „Bodenkrieg" sind verwirrend aufgebaut und wir konnten in manchen Momenten nicht lokalisieren von wo die Feinde gelaufen oder mit Panzer, Helikopter oder auch Quads gefahren kamen. | © Marcel Daube

Ein weiterer neuer Spielmodus ist "Bodenkrieg" als größere Version von "Herrschaft" mit 64 Spielern. Es gibt ein Truppsystem, welches ermöglicht, dass man bei seinen Teamkollegen spawnen und somit direkt ins Kampfgeschehen eingreifen kann. Leider wirkt das extrem bei "Battlefield" abgekupfert und durch den Aufbau der Maps, die Fahrphysik und die Platzierung der Flaggen und Spawns auch noch schlecht umgesetzt.

Trotz Crossplay weitgehend ruckelfrei

Ansonsten gibt's die Standard-Spielmodi "Herrschaft", "Team-Deathmatch", "Suchen und Zerstören", "Hauptquartier" und "Abschuss bestätigt", wobei die ersten beiden auch als größere Versionen (20vs20) gespielt werden können. Die letzten beiden Spielmodi sind zum einen der neue Modus "Realismus", in dem alle HUD-Einblendungen wie die Minimap oder Munitionsanzeige deaktiviert sind, und der "Cyberattack"-Modus, der aber nur eine veränderte Version von "Suchen und Zerstören" darstellt.

Dank der neuen Engine sehen Lichteffekte sowie Gesichtszüge und kleine Details wie Poren auf der Haut wirklich super aus. - © Marcel Daube
Dank der neuen Engine sehen Lichteffekte sowie Gesichtszüge und kleine Details wie Poren auf der Haut wirklich super aus. | © Marcel Daube

Bei all diesen Neuerungen und Möglichkeiten läuft das Spiel auch unter "Crossplay"-Bedingungen (Spieler aller Konsolen und PC können zusammenspielen) weitestgehend ruckelfrei. Was Grafik und Sound angeht, macht "Call of Duty" endlich einen Schritt nach vorne. Die Waffen klingen wuchtig und das Hallen in den Gebäuden klingt recht realistisch.

Cooler neuer Rundenbeginn

Leider sind die Spawns, wie in den Vorgängern schon nicht gut platziert und somit wurden wir oft trotz guter Absicherung von hinten erwischt. Dass die Umgebungsgeräusche schlecht ausbalanciert sind, hat Infinity Ward am ersten Beta-Wochenende schnell eingesehen und uns zur Orientierungshilfe glücklicherweise eine Minimap nachgepatcht.

Was uns sehr gut gefallen hat, war, dass man nicht wie gewohnt mit einem grauen Bildschirm startet, sondern die Spielrunde meistens mit einer eigenen Einstiegsanimation (aus einem Helikopter oder Truppentransporter) beginnt.

Spezialeinheit
Seit "Modern Warfare 3" (2011) gab es keinen Spezialeinheit-Modus mehr, jetzt ist er als Ko-op für bis zu vier Spieler zurück. In vier verschiedenen Missionen können wir uns leider lediglich online (aber nicht im Splitscreen) auf sehr offenen Maps frei bewegen und dürfen selbst entscheiden, mit welcher Strategie wir bei der Erfüllung unserer Ziele vorgehen. Diese Möglichkeit erhöht den Wiederspielwert enorm.

Der (für ein Jahr PS4-exklusive) Überlebens-Modus hat einen Rückschritt gemacht, da Funktionen wie der Kauf von Waffen und Ausrüstung während der Runden, sowie der Einsatz von Spezialteams gestrichen wurde. Als Ersatz dürfen wir jetzt die normalen Killstreaks aus dem Multiplayer nutzen.

Trotz neuen Möglichkeiten, wie Türen nur einen Spalt breit zu öffnen, oder sich auf Ecken zu stützen, hat uns die Umsetzung des "Überlebens"-Modus in den Vorgängern besser gefallen. - © Marcel Daube
Trotz neuen Möglichkeiten, wie Türen nur einen Spalt breit zu öffnen, oder sich auf Ecken zu stützen, hat uns die Umsetzung des "Überlebens"-Modus in den Vorgängern besser gefallen. | © Marcel Daube

Fazit
Die Kampagne ist grafisch super inszeniert und recht taktisch gehalten. Die Geschichte und der Missionsverlauf sind abwechslungsreich gestaltet und damit spannend aufgebaut. Während der etwa sechs Stunden, die man zum Durchspielen benötigt, hat die Entscheidungsfreiheit zwar keinen Einfluss auf die Story, sorgt aber für etwas Individualität und motiviert durchaus, einen weiteren Spieldurchlauf zu starten. Auch ein gewisses Maß an Gesellschaftskritik lässt sich herauslesen.

Der Multiplayer bietet Altes und Neues. Das taktische Vorgehen (im Dunkeln) ist gut umgesetzt, verliert jedoch im Zusammenspiel mit der lauten Umgebung an Würze. Flaggen und Bombenplätze sind gut platziert, Spawns dagegen eher weniger. Die neuen Spielmodi und Spezialeinheit-Missionen sind eine gelungene Abwechslung, nur mit den Modi „Bodenkrieg" und „Überleben" können wir uns noch nicht so ganz anfreunden.

Um also auf die Eingangsfrage zurückzukommen: In unseren Augen ist das Spiel ein erfolgreiches Reboot, welches mit einer grandiosen Einzelspieler-Kampagne und einem umfangreichen Multiplayer, sowie Spezialeinheiten überrascht.

Das Spiel ist eins der besten "Call of Duty" der letzten Jahre und ist somit auch etwas für die Spieler, die schon mit der Reihe abgeschlossen hatten. Es sei jedoch im Voraus gesagt, dass das Spiel unterstützt durch viele Updates schon kurz nach Release etwa 120 GB freien Speicherplatz benötigt. Aber in "Call of Duty" war ja schon immer alles groß.

„Call of Duty: Modern Warfare" ist erhältlich für PC, Xbox One und Playstation 4, kostet etwa 70 Euro und ist ab 18 Jahren freigegeben.

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