Schauspieler Tim Oliver Schultz feierte mit der TV-Serie "Club der roten Bänder" riesige Erfolge. Jetzt kommt die Geschichte in die Kinos. - © dpa
Schauspieler Tim Oliver Schultz feierte mit der TV-Serie "Club der roten Bänder" riesige Erfolge. Jetzt kommt die Geschichte in die Kinos. | © dpa

Interview Club der roten Bänder-Star Tim Oliver Schultz: „Ich bin nicht so stark wie Leo“

Hauptdarsteller Tim Oliver Schultz über den Kinofilm „Club der roten Bänder – Wie alles begann“ und seine Erfahrungen mit Kindern, die im Krankenhaus gegen den Tod kämpfen

Herr Schultz, Ihr Vater ist Arzt. Warum haben Sie sich für eine Laufbahn als Patient entschieden? Tim Oliver Schultz: (lacht) Ich habe mich für diese Serie entschieden, weil es eben keine Arztserie ist und in erster Linie auch keine „Krankenserie". In unseren Geschichten geht es um Freundschaft, manchmal ums Alleinsein, um Zusammenwachsen und Zusammenhalten und letztendlich auch um Dankbarkeit. Hatten Sie nie Berührungsängste zum Thema „Kinder mit tödlichen Krankheiten"? Schultz: Ich hatte keine Berührungsängste, aber ich habe ähnliche Verdrängungsmechanismen aufgebaut wie wahrscheinlich die meisten Menschen. Ich habe dann zum ersten Mal eine Kinderonkologie besucht, mich dort umgeschaut und Kinder kennengelernt, die um ihr Überleben kämpfen. Vorher gab es diesen Verdrängungsprozess. Ich musste nichts mit solchen Problemen zu tun haben. Durch den Job und durch meine Figur ist die Verdrängung dann schnell einer großen Neugier gewichen. Ich wollte wissen, wie es den Kindern dort geht, was sie dort tun und wie sie gegen den Tod kämpfen. Dabei wurde ich von jemandem begleitet, der im gleichen Alter wie Leonard eine Krebsdiagnose bekommen hat. Er sagte mir, es sei eine der schwierigsten Zeiten in seinem Leben gewesen, aber auch eine der schönsten. Die anderen Kinder haben ihm Mut gegeben und die Überzeugung, das durchzustehen. Das hat mich tief beeindruckt. Halten Sie sich für ähnlich stark wie Leo? Schultz: Nee! Ich war bisher noch nie ansatzweise in der Situation, solche Kräfte aufbringen zu müssen. Ich habe keine Vorstellung davon, wie es mir gehen würde. Entwickelt man als Darsteller eine gewisse Paranoia, beobachtet man seinen Körper aufmerksamer als vorher? Schultz: Wahrscheinlich beobachte ich meinen Körper tatsächlich aufmerksamer. Aber nicht in einem Maße, dass man als paranoid bezeichnen könnte. Ich sage nicht: „Vielleicht habe ich da etwas oder da", eher im Gegenteil. Ich weiß zu schätzen, dass es mir super geht. Ich bin dankbar dafür. Ich bin durch die Serie nicht paranoider geworden oder habe irgendwelche inneren Ängste aufgebaut. Überhaupt nicht. Die Serie steht vielmehr für die Dankbarkeit und für den Mut zu sagen, wir schaffen das schon. Sie steht für einen bewussteren und positiveren Umgang mit dem Tod. Die Kids stehen vor der Aufgabe, die Möglichkeit ihres Todes nicht nur als etwas Schlechtes anzunehmen. Sie erfüllen sich noch ihre Wünsche. Die Serie hat mir einen bewussteren und dankbareren Umgang mit dem Leben gelehrt. Im Film spielen Sie wesentlich jünger. Hat Sie diese Aufgabe im Vorfeld besorgt? Schultz: Besorgt überhaupt nicht. Aber ich wäre schon sehr, sehr jung. Tatsächlich ist es so, dass das Alter im Film nicht ansatzweise thematisiert wird. Man sieht mich nicht in der Schule mit Gleichaltrigen. Es ist einfach völlig egal. Wir erzählen die Vorgeschichte, wie Leonard zu Leo geworden ist. Diese Transformation hat nicht viel mit dem Alter zu tun. Ich denke schon, dass es gut gelungen ist, dieses Jugendliche zu zeigen, die Angst und die Unbedarftheit, die er hat. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Jürgen Vogel? Schultz: Wahnsinnig schön! Wir haben ja schon zusammen „Die Welle" gedreht. Da hatte ich keine sehr große Rolle, war aber ständig am Set. Auch danach habe ich ihn immer mal wieder getroffen und es war stets sehr nett. Er behauptet immer, er hätte die Rolle unter anderem deshalb angenommen, weil wir zusammenspielen würden. Darauf war ich natürlich wahnsinnig stolz. Bekommen Sie viele Briefe von Betroffenen, die Sie mitunter überfordern? Schultz: Ich bekomme sehr viel Feedback, nicht nur in Form von Briefen, sondern auch von Menschen, die mich auf der Straße ansprechen. Das ist teilweise ein bisschen überwältigend für mich. Ich bin sehr glücklich, wenn ich ein Teil von etwas sein konnte, das den Menschen Kraft und Mut gibt, sie zusammenbringt. Aber letztendlich bin ich nur der Schauspieler und nicht darin ausgebildet, mich wirklich angemessen mit gewissen Problemen zu beschäftigen. Sie spielen sowohl Herzensbrecher als auch Bösewichte. Was macht mehr Freude? Schultz: Die Herausforderung, etwas Neues zu machen! Ob es ein Pop-Sänger ist, für den es nichts anderes im Leben außer die Musik gibt, oder der Wärter Karl in „Benjamin Blümchen", der mit der Schubkarre durch den Zoo läuft und scheinbar einfach nur glücklich mit seinen Tieren ist oder eben jemand, der Krebs hat und gegen den Tod kämpft, ich bin für jede neue Herausforderung dankbar. Ich mag Figuren, die weit weg von mir sind. In Charakteren das Menschliche zu suchen, die sich durch absurde Störungen auszeichnen, fände ich spannend. Es reizt mich, real existierende Personen und deren Geschichten darzustellen! Als nächstes spiele ich einen abgerockten, arbeitslosen Fußballstar, der ums Sorgerecht seiner drei Kinder kämpft.

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