Das Thema Licht als roter Faden: Pfarrer Peter Scheiwe spricht in seiner Predigt im ZDF-Fernsehgottesdienst über Lichtspuren. - © Lena Henning
Das Thema Licht als roter Faden: Pfarrer Peter Scheiwe spricht in seiner Predigt im ZDF-Fernsehgottesdienst über Lichtspuren. | © Lena Henning

Paderborn Vorbereitungen auf den ZDF-Gottesdienst aus Schloß Neuhaus laufen

Am Sonntag wird der Gottesdienst in der Kirche St. Heinrich und Kunigunde live im ZDF gezeigt. Hinter den Kulissen bereiten die Helfer alles vor

Paderborn-Schloß Neuhaus. Wenn Pfarrer Peter Scheiwe am Sonntag vor die Gemeinde in der Neuhäuser Kirche tritt, werden seiner Predigt nicht nur diejenigen zuhören, die vor ihm sitzen. Sondern hunderttausende Menschen in ganz Deutschland. Denn der Gottesdienst wird als Fernsehgottesdienst live im ZDF übertragen. Am Freitag vor dem großen Auftritt wird es wuselig in der kleinen Kirche St. Heinrich und Kunigunde. Auf dem Kirchplatz steht schon der Übertragungswagen des ZDF. In mehreren Lkw wird Technik heran geschafft. Die Arbeiter verlegen meterweise Kabel. Die Bühnentechniker lassen die grauen Stahlpfosten für die Scheinwerfer in weißen Tüchern verschwinden, sodass sie vor der weißen Kirchenwand kaum noch zu sehen sind. Samstag kommt der Orgelstimmer. Und zur Sicherheit Sonntag früh auch noch einmal. Nichts wird hier dem Zufall überlassen. Als Pfarrer Peter Scheiwe vor ungefähr einem dreiviertel Jahr die Anfrage erhielt, ob aus seiner Kirche ein Gottesdienst gesendet werden könne, ahnte er noch nichts von der Dimension der Vorbereitungen. "Meine Mitarbeiter haben das erst für einen Witz gehalten - die ahnten sofort, dass da viel Arbeit auf sie zukommt", sagt Scheiwe. 100 Helfer sind hinter den Kulissen im Einsatz Tatsächlich war es aber dann gar nicht so schwer, Unterstützer für die Idee zu finden. "Ich musste niemanden zwingen", sagt Scheiwe und lacht. Insgesamt rund 100 Helfer sind in den Vorbereitungen eingebunden. Darunter die Messdiener, Kommunionhelfer und Lektoren, aber auch viele, die hinter den Kulissen arbeiten. Allein 30 Mitarbeiter bringt das ZDF mit. Mehrere Jugendliche sind als Kabelträger im Einsatz. Einige Ehrenamtliche sorgen in der Küche für Verpflegung. 30 Gemeindemitglieder sind am Sonntag von 10 bis 19 Uhr dafür zuständig, eine Telefonhotline zu betreuen. Denn es ist üblich, dass die Fernsehzuschauer nach der Übertragung mit der Gemeinde ins Gespräch kommen können. "Manche haben Fragen zur Predigt oder wollen sich bedanken. Andere freuen sich vielleicht einfach über die Gelegenheit, mit jemandem zu sprechen", sagt Pfarrer Scheiwe. "Die Gemeinde muss mitspielen", nennt Produktionsleiterin Sylke Hart ein wichtiges Kriterium, nach dem Kirchen für den Fernsehgottesdienst ausgesucht werden. Darüber hinaus sei es wichtig, dass die Übertragung in der Kirche "fernsehtechnisch machbar ist". Dabei geht es auch um ganz praktische Voraussetzungen: Platz zum Parken für die Lkw zum Beispiel. Und es braucht einen Pfarrer, der sich zutraut, vor großem Fernsehpublikum aufzutreten. "Denn das ist eine ganz andere Nummer, als nur vor der Gemeinde zu predigen", sagt Hart. "Der Hauptdarsteller bin ja nicht ich" Pfarrer Scheiwe sagt, er sei in einem "guten Maße aufgeregt": genug, um die Aufgabe ernst zu nehmen, aber nicht so viel, um in Panik zu verfallen. "Der Hauptdarsteller bin ja nicht ich, sondern der liebe Gott", sagt er. Außerdem gab es viel Zeit zum Üben. Im Sommerurlaub hat er angefangen, den Gottesdienst für Februar zu entwerfen. Die Predigt ist schon lange geschrieben, denn natürlich musste sie gegengelesen werden. Und sie wurde bereits mit einem Gebärdendolmetscher für Gehörlose aufgenommen. Deswegen darf Scheiwe auch nicht spontan vom Redetext abweichen. Sein Thema: "Lichtspuren", passend zu Maria Lichtmess am Sonntag. 27 Seiten Drehbuch musste Scheiwe auswendig lernen. Alles ist auf die Sekunde genau geplant: Wann er wo steht, wann die Messdiener auftreten, in welche Kamera er wann gucken muss. Und um Punkt 10.15 Uhr muss er mit allem fertig sein. Warum er diesen ganzen Aufwand auf sich nimmt? "Wir erreichen mit dem Fernsehgottesdienst unglaublich viele Menschen." Trotzdem will er natürlich nicht nur die Fernsehzuschauer ansprechen, sondern hofft, dass die Kirche gut gefüllt sein wird. Etwa 400 Menschen finden dort Platz. Scheiwe: "Schon wegen des Klangs wäre das toll. Je mehr Menschen mitsingen, desto schöner klingt das und wir reißen auch die Zuschauer mit."  So lief der Fernsehgottesdienst in der Marktkirche 2014:

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