Tatortbesichtigung: Joseph Roth (Joe Bausch, links) und die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, Mitte) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, 2. v. r.) am Ort des Geschehens. Die abgedeckte Leiche ist eine Puppe. - © WDR/Martin Valentin Menke
Tatortbesichtigung: Joseph Roth (Joe Bausch, links) und die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, Mitte) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, 2. v. r.) am Ort des Geschehens. Die abgedeckte Leiche ist eine Puppe. | © WDR/Martin Valentin Menke

Bielefeld Die Tatort-Leiche war ein Bielefelder

Er übernahm die Rolle des Kleinkriminellen Pascal Pohl bis zu dessen dramatischem Ende

Benedikt Schülter
07.01.2019 | Stand 07.01.2019, 11:22 Uhr

Bielefeld. Ein Mann ist auf der Flucht. Vor wem genau? Das wurde in den ersten Minuten des Kölner Tatorts „Weiter, immer weiter" von Sonntagabend zunächst nicht verraten. Fest stand nur, dass die nächtliche Autofahrt des drogenabhängigen Pascal Pohl nach einer Polizeikontrolle tödlich endete. In Panik floh er vor den Polizeibeamten und wird im Anschluss von einer Straßenbahn überrollt. „Nein, ich musste danach nicht auf dem kalten Boden liegen bleiben und die Leiche spielen", sagt Wolf Danny Homann und lacht. Der gebürtige Bielefelder übernahm die Rolle des Kleinkriminellen Pascal Pohl bis zu dessen dramatischem Ende. Für die Aufnahmen rund um die zugedeckte Leiche verwendete die Filmcrew aber eine Puppe. Auch wenn er nicht lange zu sehen war. Der Dreh sei eine tolle Erfahrung gewesen, sagt der 28-Jährige, der sich noch nicht einmal durch ein Casting kämpfen musste. „Mir wurde die Rolle angeboten", so Homann. Der Auftritt vor einem Millionenpublikum. Doch gemessen an dieser kleinen Rolle hat er schon größere Engagements auf dem Buckel. Aktuell ist er am Schauspielhaus in Düsseldorf in den Stücken „Michael Kohlhaas" und „Die Dreigroschenoper" auf der Bühne zu sehen. Bei ihm geht's steil bergauf Ansonsten geht es bei ihm im Filmgeschäft steil bergauf. So spielte er im vergangenen Jahr in dem mit deutschen Stars gespickten Kinofilm „So viel Zeit" mit. Für den Streifen „Frosch, Schenkel und Prinzen" bekam er auf einem italienischen Filmfestival den Preis für den besten Hauptdarsteller. „Den konnte ich leider nicht entgegennehmen, weil ich da am Drehen war", sagt Homann. Der Schauspieler lebt in Köln. Seine Wohnung: zentral gelegen in der Nähe des Hauptbahnhofs. Denn der gebürtige Jöllenbecker ist oft unterwegs. Vor kurzem sei er in Prag gewesen. Dorthin wurde er von einer Castingagentur eingeladen. Einer Firma, die passende Schauspieler für Filmprojekte sucht. Lediglich gutes Schauspielern reicht in dem harten Filmgeschäft nicht mehr aus. Jedes weitere Talent kann den Weg zur Traumrolle ebnen. Im Internet wirbt Homann um die Gunst der Filmagenten. Klavierspielen, viele verschiedene Tanzformen wie Walzer und lateinamerikanische Tänze, Akrobatik, Tauchen, Sportschießen, Stock- und Schwertkampf, stehen da unter anderem auf seiner Bewerbungsliste. Hauptrolle in historischer Serie Man müsse sich halt breit aufstellen, sagt Homann. Und das scheint ihm zu gelingen. In diesem Jahr wird er die Hauptrolle in einer mehrteiligen historischen Serie übernehmen. Drehstart ist im Sommer. Wer die Serie in Auftrag gegeben hat, will er nicht sagen. Es handele sich aber um keinen klassischen Fernsehsender, sagt er. Den Wunsch Schauspieler zu werden, verfolgte er bereits in der Grundschule, später dann an der Martin-Niemöller-Gesamtschule in der Theater AG. Es folgten Engagements unter anderem am Theater Bielefeld. Den Feinschliff holte er sich am Thomas Bernhard Institut am berühmten Mozarteum in Salzburg. „Eine tolle Zeit war das", erinnert sich Homann. Gegen circa 1.000 Mitbewerber konnte er sich durchsetzen. Er war sogar in der komfortablen Situation zu wählen. Denn auch an der renommierten Theaterakademie in Hamburg stach er unter etlichen Konkurrenten hervor. Doch in Salzburg lockte der Unterricht bei Filmgrößen wie der oscarprämierten Regisseurin Caroline Link und dem Schauspieler Peter Lohmeyer. Seine Heimat ist Jöllenbeck Auftritte bei den Salzburger Festspielen und dem Wiener Burgtheater folgten. Doch die Bühnen der Welt bedeuten wohl nichts, wenn Homann wieder mal in der Heimat in Jöllenbeck vorbeischauen kann. Sonntagabend saß er gemeinsam mit seiner Familie auf der Couch und schaute sich seinen Auftritt im Tatort an.

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