Die Jurymitglieder Bruce Darnell (l.), Sylvie Meis und Dieter Bohlen bewerten außergewöhnliche Talente. - © MG RTL D / Stefan Gregorowius
Die Jurymitglieder Bruce Darnell (l.), Sylvie Meis und Dieter Bohlen bewerten außergewöhnliche Talente. | © MG RTL D / Stefan Gregorowius

RTL-Show Zu anzüglich? Poledance einer Achtjährigen beim "Supertalent" geprüft

Die Niedersächsische Landesmedienanstalt ist zu einem abschließenden Urteil gekommen. Die Jury der Sendung hat entschieden, ob Anna ins Finale kommt

Talin Dilsizyan
15.12.2018 | Stand 15.12.2018, 23:26 Uhr

Köln. Die achtjährige Anna Smolska hatte Anfang Dezember einen Pole Dance bei "Das Supertalent" gezeigt, der nicht nur für hitzige Diskussionen im Netz gesorgt hatte. Zwei Beschwerden musste die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) prüfen und hat eine Entscheidung getroffen. Seit Samstagabend stehen elf von zwölf Finalisten der Sendung fest. Der Jury war bei der Sendung am 2. Dezember bewusst, dass viele Menschen die Akrobatik des Mädchens kritisieren könnten. Sylvie Meis, Dieter Bohlen und Bruce Darnell lobten die Leistung, sprachen aber auch an, dass es sich um einen "ungewöhnlichen Auftritt" handelte und dass man geteilter Meinung sein könne, "ob ein achtjähriges Mädchen an eine Poolstange gehört". Der sportliche Aspekt, der Spaß, den Anna hatte, und dass ihre Mutter die ganze Zeit dabei gewesen war - das waren die ausschlaggebenden Kriterien für die RTL-Jugendschutzbeauftragten, keine Einwände vorzubringen. Für viele Zuschauer war der Auftritt aber höchst bedenklich. Poledance, der noch immer häufig mit erotischen Bewegungen an einer Stange im Rotlichtmilieu in Verbindung gebracht wird, sei kein Hobby für ein Kind. Einige Bewegungen von Anna hatten für manche zu häufig etwas Lolita-haftes. Dieser Eindruck wurde vom Outfit verstärkt. Auch stellte sich die Frage, wie die Eltern zulassen können, dass Bildmaterial von ihrer Tochter im Netz verfügbar ist, das sehr leicht von Pädophilen in völlig anderem Kontext genutzt werden könnte. Poledance "unnatürlich geschlechtsbetont"? Die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) hat nach Beschwerden geprüft, ob die Sendung gegen medienrechtliche Bestimmungen, insbesondere Bestimmungen des Jugendschutzes, verstoßen hat. "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass kein Anfangsverdacht für einen Verstoß vorliegt", heißt es nun in einem Statement. Als möglicherweise verletzte Vorschrift komme zwar Paragraf 4 Absatz 1 Nr. 9 des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags in Betracht. Dieser erläutert, dass "Angebote, die Kinder in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung darstellen" unzulässig sind. "Weder der Kontext der Darstellung des Auftritts, die Kommentierungen durch die Jury oder redaktionelle Bearbeitungen lassen einen sexuellen Bezug erkennen", stellt die NLM klar. Dieser entstehe gegebenenfalls durch die gesellschaftliche Wahrnehmung von Pole-Dance-Auftritten. Keine weiteren Schritte Das reiche aber im konkreten Fall nicht aus, um einen Verstoß gegen die gesetzliche Vorschrift anzunehmen, weil das ausgestrahlte Bildmaterial nicht den Schluss zulässt, dass eine unnatürliche, geschlechtsbetonte Darstellung erfolgen sollte. Die NLM betont, dass für ihr aufsichtliches Eingreifen erforderlich ist, dass gesetzliche Verbote missachtet wurden - "rein geschmackliche Erwägungen können keine Grundlage für ein aufsichtliches Eingreifen sein." Die nach außen erkennbare Zielsetzung des Auftritts durch den Veranstalter sei klar die sportliche Leistung, die deswegen erbracht werde, um in einem Talentwettbewerb in die nächste Runde zu kommen. Die NLM werde nicht weiter tätig werden. Finalisten von "Das Supertalent" 2018 Kurz vor 22.30 Uhr ist am Samstagabend klar, dass Anna Smolska nicht im Live-Finale von "Das Supertalent" am 22. Dezember stehen wird. Am 2. Dezember hatte ihr Dieter Bohlen einen Stern überreicht - die Chance, in die engere Auswahl zu kommen. Die Jury hat allerdings elf Finalisten ausgewählt, zu denen die Achtjährige nicht gehört. Einen weiteren Platz zum Einzug ins Finale vergeben die Zuschauer über ein Online-Voting auf der Internetseite des Senders RTL. Dabei können sie ihre Stimme einem der "Herzenskandidaten" der Jury geben: Stevie Starr, der ungewöhnliche Gegenstände schluckt und wieder hervorbringt, die Tanzgruppe "Eigenwerk" oder  der 13-jährige Breakdancer Merrick Hanna. Wer so den letzten Finalplatz erhält, erfahren Zuschauer von "Guten Morgen Deutschland" am Montagmorgen. Über den goldenen Buzzer waren folgende Teilnehmer bereits gesetzt: Gesangs-Trio "Mo'Voce", der Sänger Lorenzo, die Akrobatin Ameli, Tänzer Andreas Maintz, Geräusch-Imitator Gennady, das Akrobaten-Trio "Step Out" und Sänger Kevin. Am Samstagabend entschieden Sylvie Meis, Dieter Bohlen und Bruce Darnell zudem, dass Musikerin Olena, Strongman JD Anderson, das Comedy- und Musiker-Trio "Luciano", Holger und Rosario sowie der Feuerkünstler Hannes Schwarz in der Endrunde ihr Können zeigen sollten. Die Juroren sprachen bei ihrer Auswahl den Auftritt von Anna Smolska nicht an.

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