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Der deutsche Rundfunkbeitrag liegt im Europavergleich im Mittelfeld. - © picture alliance / Geisler-Fotopress
Der deutsche Rundfunkbeitrag liegt im Europavergleich im Mittelfeld. | © picture alliance / Geisler-Fotopress

TV Rundfunkgebühren im Europavergleich - Deutschland nicht am teuersten

Die Rundfunkgebühren in Deutschland sind seit langem umstritten, dabei zahlen andere Europäer deutlich mehr.

Marc Schröder
23.06.2017 | Stand 23.06.2017, 18:34 Uhr

Bielefeld. Jeder Haushalt in Deutschland ist verpflichtet, den Rundfunkbeitrag zu bezahlen. Ausnahme: Wer aus wirtschaftlichen Gründen nicht in der Lage ist, den Beitrag zu entrichten, kann sich auf Antrag von den monatlichen 17,50 Euro befreien lassen. Im europäischen Vergleich liegen die Beiträge, mit denen ARD und ZDF ihre TV-, Radio- und Internetangebote finanzieren, im Mittelfeld. Es gibt deutlich teurere, aber auch günstigere Rundfunkgebühren in Europa. Früher waren es die gefürchteten und zum Teil fragwürdig durchgeführten Hausbesuche der Kontrolleure der Gebühreneinzugszentrale (GEZ), die dafür sorgten, dass „Schwarzseher" zur Kasse gebeten wurden. Die Rundfunkgebühren heißen seit 2013 Rundfunkbeitrag. Gezahlt wird je Haushalt und nicht für die Anmeldung von Empfangsgeräten. Die GEZ ist nun der „ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice". Ihr Sinn und Zweck ist geblieben: Das Eintreiben und Verwalten der Rundfunkgebühren, mit denen die öffentlich-rechtlichen Sender finanziert werden. Aus jedem Haushalt kommen so jährlich 210 Euro, die sich aufsummieren zu rund 8,1 Milliarden Euro. Deutsche Rundfunkgebühren im Mittelfeld Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern liegt der heimische Beitragssatz im Mittelfeld. Spitzenreiter ist die Schweiz, dort müssen monatlich umgerechnet 35 Euro für das öffentlich-rechtliche Programm berappt werden (Im Jahr: 417,55 Euro). Auch im kleinen Dänemark greift der Rundfunk mit fast 28 Euro ordentlich zu (335,01 Euro). Mit jährlich beachtlichen 298,56 Euro rangiert Österreich auf Platz 4 - und das, obwohl die ORF-Sender deutlich mehr Werbung ausstrahlen dürfen als es in Deutschland der Fall ist. Besonders fällt auf, dass der Beitrag in Großbritannien günstiger ist. Dabei gilt die traditionsreiche BBC als fortschrittlich, besonders hinsichtlich ihres stark nachgefragten Internetauftritts. Zudem ist die Sendeanstalt in der Lage, starke Eigenproduktionen zu präsentieren. Nicht nur im Vereinigten Königreich sorgen Serien wie Doctor Who, Sherlock oder Luther für Top-Quoten, auch international werden sie bestens vermarktet. Zudem bringen sie so auch immer wieder heimische Schauspieler zu Weltruhm. Von Vorteil sind dabei aber auch die internationalen und kommerziell orientierten Tochtersender der BBC: Sie liefern ihren Teil für die Gesamtfinanzierung der britischen Sendeanstalt. Besonders was die Qualität der Sendungen angeht, müssen sich ARD und ZDF regelmäßig der Kritik stellen, sie würden ohnehin nur für ihr Hauptpublikum produzieren. Dessen Altersschnitt liegt um die 60 Jahre. Neben manchem Tatort bleiben die meisten eigenen Formate blass, oder es werden Varianten von Talkshows, Quizsendungen und Serien hergestellt. Dazu kommen Sportereignisse wie Fußball mit Europa- und Weltmeisterschaften, dazu noch Handball und Wintersport. Abseits von Olympiaübertragungen fallen andere Sportarten kaum noch ins Gewicht. Das ZDF hat sich vorerst von der Champions League verabschiedet. Auch bei Olympia zog das öffentlich-rechtliche Duo den Kürzeren, da man im Bieterwettstreit nicht mehr mithalten konnte. Ein Signal für sinkende Gebühren bleibt trotzdem genauso aus wie eine Aussage zu einer zeitgemäßeren Programmgestaltung oder Eigenproduktionen. Innovationen fast nur noch bei Streamingdiensten Eigenproduzierte junge Formate muss man in den Spartenkanälen suchen, siehe Neo Magazin Royale. Auch die gefeierten Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf kamen über MTV zu ZDFneo und zogen dann weiter in die Primetime im Privatfernsehen. Eingekaufte Top-Produktionen, wie die schon genannten Serien Sherlock oder Luther, brauchen lange, bis sie ausgestrahlt werden - oder sie versauern auf schlechten Sendezeiten. Allerdings bieten die heimischen Privatsender auch nicht die größte Fernsehinspiration. Auch sie hinken den dynamischen, experimentierfreudigen und risikobereiten Streaming-Diensten weitestgehend hinterher. Dabei haben die „Privaten", ob im Netz oder im Fernsehen, den Vorteil, ihre Werbezeiten frei am Markt anzubieten. Und sie müssen nur einen kleinen Teil ihres Programms auf Informationen ausrichten. Das wiederum ist ein Schwerpunkt, den ARD und ZDF stark setzen müssen, dazu sind sie durch die Rundfunkstaatsverträge verpflichtet. Zu den Verpflichtungen gehört auch die Kulturförderung durch Unterhaltung von Rundfunkorchestern und Chören der Landesanstalten. So ergibt sich dann ein anderes Bild, wie sich der monatliche Rundfunkbeitrag verteilt:

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