Unterhaltung, die gut tat: Annette Mayer, Jochen Simon, Felix Zühlke, David Wehle und Andrea Gerhard brachten „Doch lieber Single!“ auf die Bühne. - © Foto: Komödie Bielefeld
Unterhaltung, die gut tat: Annette Mayer, Jochen Simon, Felix Zühlke, David Wehle und Andrea Gerhard brachten „Doch lieber Single!“ auf die Bühne. | © Foto: Komödie Bielefeld

Kultur Komödie „Doch lieber Single“ feiert am Klosterplatz Premiere

Premiere: Die Musical-Revue „Doch lieber Single!“ in der Komödie begeisterte mit ironischem Witz, liebenswertem Charme und mitreißenden Arrangements

Antje Doßmann

Bielefeld. Die leichte Muse ist eine schwere Kunst. Nicht selten wird sich dabei kräftig verhoben. Ganz anders die wunderbare musikalische Komödie „Doch lieber Single!“ aus der Feder Amina Gusners, die unter der Regie Jens Asches im ehemaligen Astoria-Kino am Klosterplatz am Donnerstagabend eine umjubelte Premiere in der Komödie feierte. Gleich zu Beginn, als die fünf Akteure mit guten, sicheren Stimmen den Eröffnungssong „So enttäuscht vom Leben“ sangen, bekam man eine Ahnung davon, dass diese heiter-gelassene Bühnenrevue auf der ganzen Linie gelingen könnte. Und so war es dann auch. Der Abend gab auch leisere Anstöße zum Nachdenken War in der „Komödie“ doch ein Pärchen-Abend der besonders vergnüglichen Art zu erleben, der neben reichlichem Anlass zum Lachen auch manchen leiseren Anstoß zum Nachdenken gab. Im Zentrum standen die Immobilienmaklerin Gabi (Andrea Gerhard) und der Spiele-Entwickler Frank (David Wehle), ein ungleiches Gespann um die 30 mit kleiner Tochter auf der einen Seite, und die beiden Middle-Ager Vera (Annette Mayer) sowie Wolfgang (Jochen Simon) auf der anderen. Er Flug-Lotse, sie Yoga-Lehrerin, kinderlos. So weit, so wenig gut. Denn etwas hat sich eingeschlichen in das Beziehungsleben dieser ganz Normalos, das ihre Ehen in eine bedenkliche Schieflage gebracht hat. Jene tückische Melange aus unterschiedlicher Erwartung und Sprachlosigkeit, Sehnsucht und Ermüdung, deren Folgen Stoff für die großen Dramen der Weltliteratur liefern, im realen menschlichen Alltag aber eher in kleinere Zumutungen münden. Die meistens Trennung heißen. Oder eben Paartherapie. Wohl denen, die dann an einen wie Doktor Leid geraten, dem der Anti-Freudianismus quasi in die Wiege gelegt wurde und der bei seinen Hilfestellungen eher auf Musik, Sprache und Umgangsform zurückgriff als auf komplizierte Analysen. Im Musical ist das ein bewährtes Mittel, und so erinnerte Felix Zühkle als Seelenklempner im Cordanzug gleichermaßen an das Kindermädchen Mary Poppins wie an den Sprachprofessor Henry Higgins aus „My Fair Lady“. Mit am Ende ähnlichem Therapieerfolg. Seitenhiebe auf das Lebenshilfemilieu verstanden sich in dieser Revue ebenso von selbst, wie auch alle andere Berufssparten ihr Fett weg bekamen. Doch der Ton blieb gutmütig, die Ironie fein, der Humor subtil. Etwa wenn Doktor Leid seine Klienten ein Telefonat mit ihrem Unterbewusstsein führen ließ, sie zu einem „libidinösen Dreiklang“ animierte oder aufforderte, mehr „Körper“ zu sein, Seelisches mit dem Leib auszudrücken. Was natürlich zu den absonderlichsten Situationen führte. Kommentiert von Leids bissigen Weisheiten: „Oh Gott, was kommt jetzt über dich? Das fragst du noch ? Dein Über-Ich!“. Besonders gelungen waren die locker eingefügten, originell arrangierten Gesangseinlagen. Über eine „Therapiebox“, die bei Bedarf Musik für allen Seelenlagen ausspuckte, konnte das immens spielfreudige Quintett alle Register seines Könnens ziehen. Und das Publikum kam solcherart unangestrengt in den Genuss des Wiederhörens etlicher Hits der Vergangenheit. Von Bonnie Tylers „Totale Eclipse of the Heart“, das zu den nachdenklicheren Parts des Abends gehörte, bis zu Falcos „Out of the Dark“, das hingegen sein komischer Höhepunkt war, reichte die Palette. Leichte, aber nie seichte Unterhaltung, wie sie von Zeit zu Zeit einfach nur gut tut. Hingehen als Paar und gemeinsam lachen. Das ist auch Therapie. Die nächsten Vorstellungen: 27. Mai., 2., 3., 8.-11. sowie, 15.-17. Juni. Karten bei der NW unter Tel. 555-444. Info: www.komoedie-bielefeld.de

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