Kultur Kunsthalle Bielefeld zeigt Werke der Malerin Else Lohmann

Etwa 40 Werke ließen sich zumeist aus Privatbesitz zusammentragen

Bielefeld. Sie teilte ihr Schicksal mit vielen anderen Künstlerinnen der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg: Obgleich talentiert und auf der Höhe der aktuellen künstlerischen Strömungen, gaben viele Frauen ihr eigenständiges Schaffen auf, um sich ganz Haushalt und Familie zu widmen. In Else Lohmanns (1897-1984) Fall trug die Ablehnung avantgardistischer Malerei durch ihren holländischen Ehemann und Sammler alter Kunst, Cees van der Feer Ladèr, dazu bei, dass die 1897 in eine Bielefelder Unternehmerfamilie geborene Malerin ihr Schaffen ab 1921 ruhen ließ. Als sie es 1951 nach dem Tod ihres Mannes wieder aufnahm, so Henrike Mund, Kuratorin der Bielefelder Kunsthalle, erhielten ihre Arbeiten nie wieder die Qualität der frühen Jahre. Eine bedauerliche Tatsache, denn Lohmann steht laut Mund den weitaus bekannteren Künstlerkollegen und Zeitgenossen Peter August Böckstiegel, Hermann Stenner und Viktor Tuxhorn in ihrer Rolle als regionale Impulsgeber der Moderne in nichts nach. Die lange vom männlichen Blick geprägte Kunstgeschichte hatte das geflissentlich übersehen. Das möchte die Kunsthalle Bielefeld ändern, indem sie die zu Unrecht Vergessene jetzt mit einer überblicksartigen Schau in der Studiengalerie ans Licht holt. Etwa 40 Werke ließen sich zumeist aus Privatbesitz zusammentragen. Die meist kleinformatigen Ölgemälde, oft auf Karton gefertigt, zeigen überwiegend Landschaftsmotive. Aber auch Porträts, Stillleben und eine beeindruckende kleine Auswahl an Aktstudien sind dabei. Lohmann hatte nach ihrem Schulabschluss an der Bielefelder Cecilienschule, dem Besuch der Dresdner Töchterschule und einem Intermezzo an der Kunstgewerbeschule Bielefeld, schließlich 1916 die Stadt endgültig verlassen. Sie nahm ein Studium an der privaten Malschule des lettischen Malers Johann Walter-Kurau in Dresden auf. Dort lernte sie eine avantgardistischere Malerei kennen, als dies an den staatlichen Kunstakademien möglich gewesen wäre, zu denen Frauen in jenen Jahren ohnehin keinen Zugang hatten. Ihrem Lehrer folgte sie nach Berlin. Dort entstand auch die überwiegende Zahl der nun in der Kunsthalle Bielefeld ausgestellten Werke. Henrike Mund und Jutta Hülsewig-Johnen, stellvertretende Direktorin der Kunsthalle, sind erstaunt darüber, wie viele Lohmann-Werke sich in der Region zusammentragen ließen. Expressionistische Farbgebung, die Auseinandersetzung mit rhythmischen Gesetzmäßigkeiten in der Natur und eine sehr ernsthafte Anlehnung an die Vorbilder Cézanne und Kandinsky prägen das durchweg gegenständliche Werk Else Lohmanns. Sie beschritt, wie viele avantgardistische Künstler ihrer Zeit, neue Wege der Abbildung von Wirklichkeit, unter dem Eindruck der neuartigen Fotografie.

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