Erfolgreich: Redakteur Sven Jachmann (links) und Verleger Dirk Schulz präsentieren ihren 1.000. Comic. - © Maria Frickenstein
Erfolgreich: Redakteur Sven Jachmann (links) und Verleger Dirk Schulz präsentieren ihren 1.000. Comic. | © Maria Frickenstein

Bielefeld Der Bielefelder Splitter Verlag bringt seinen 1.000. Comic auf den Markt

Auf Wunsch wird nachgedruckt / Gewaltige Steigerung in sechs Jahren

Maria Frickenstein

Bielefeld. Das Comic-Genre blüht und mit ihm freut sich der Bielefelder Splitter Verlag, ansässig in einem schönen Altbau an der Detmolder Straße in Bielefeld. 2009 kam der 100. Comic des Verlags in den Handel, sechs Jahre später das 1.000. Album. Das nennt man Erfolg. Dirk Schulz, Delia Wüllner-Schulz, Absolventen der hiesigen Fachhochschule und Horst Gotta aus dem Raum Frankfurt, kannten sich seit Jugendtagen, als sie 2006 den Splitter-Verlag gründeten. Im ersten Verlagsjahr erschienen "Die Schiffbrüchigen von Ythaq" und "Das verlorene Paradies". Jetzt ist mit "Die Legende der Drachenritter. Das Reich des Ostens" das 1.000 Album erschienen, eine Reihe, die seit den Anfängen Publikumsliebling ist. Üble Drachen treiben darin ihr Unwesen und nur die mutigen Frauen des Ordens der Drachenritter sind in der Lage, sie zu töten. Der Comicfan wird bei Splitter immer fündig, ob Science-Fiction, Horror oder Western, Manga oder Graphic Novel. Meist stammen die Bildgeschichten aus der französischen und frankobelgischen Erzähltradition. Aber der Verlag schaut voraus, begibt sich in Amerika auf die Suche nach neuen Verlagen, Zeichnern und Autoren. "Die Auflagen liegen zwischen zwei- und viertausend", so Dirk Schulz. Aber es gibt auch positive Ausnahmen. "Blau ist eine warme Farbe", das Graphic-Novel-Debüt von Julie Maroh erzählt die Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen und erreichte eine Gesamtauflage von 8.000 Stück. Auch die Romanadaption von Erich Maria Remarques Antikriegsroman "Im Westen nichts Neues" der Meller Künstler Peter Eickmeyer (Zeichnung) und Gaby von Borstel (Textadaption) ist mit bislang 6.000 Stück in jeder Hinsicht erfolgreich. "Die Stadt Osnabrück hat bereits alle Originalzeichnungen der Graphic Novel gekauft", sagt Verlagsredakteur Sven Jachmann. Eickmeyer habe für seine atmosphärisch dichten Zeichnungen in erdigen Farben intensiv Bildmaterial des 1. Weltkrieges recherchiert. "Wir sind wählerisch", sagt Dirk Schulz zum Verlagsprogramm. "Die Zeichnung muss zur Geschichte passen", ergänzt Sven Jachmann. Der Verlag möchte den Comic als eigenständiges literarisches Genre neu beleben. Gute Geschichten sind Usus, denn sonst passt auch die beste Zeichnung nicht. Zeichner wie Romain Renard vertrauen ihrer Bildsprache, und nur das Wesentliche wird im Text transportiert. Wie in seiner Graphic Novel "Melvile" erzählen Bilder die Geschichte eines Schriftstellers, der im Örtchen Melvile, im Haus seiner Kindheit, schöpferisch auftanken will. Dann jedoch kommt alles ganz anders. Ein Acht-Stunden-Tag reicht für die Comicmacher selten aus. Leider lässt die Verlegertätigkeit auch Dirk Schulz keine Zeit, wie früher eigene Comics zu zeichnen. Es gibt viel zu tun und flatterige Heftchen wie am Kiosk sucht man hier vergebens. Mit alten Bekannten wie "Die Schlümpfe", "Pinocchio" und "Percy Pickwick" im Hardcover-Album und Vierfarbendruck sprechen sie jüngere Leser an. Fest integriert sind auch literarische Klassiker, so Edgar Allan Poes "Geister der Toten", Lewis Carrolls "Alice im Wunderland" und Herman Melvilles "Moby Dick". Ein anspruchsvolles Publikum erreicht der Verlag mit Graphic Novels, auch mit Sonderausgaben wie Steven Kings "Der Turm", gefüllt mit vielen redaktionellem Erläuterungen. Und auf was freuen sich die Macher, für die Comics eine Herzensangelegenheit ist? Auf "Die Alten Knacker" aus der Feder der Franzosen Wilfrid Lupano und Paul Cauuet. Der Comic erscheint im August. Den Splitter Verlag, der sich in relativ kurzer Zeit zu einem respektablen Vertreter der Branche gemausert hat, zeichnen wir mit einem Stern der Woche aus. Eine Initiative der Neuen Westfälischen (NW), der Lippischen Landes-Zeitung (LZ) und des Haller Kreisblatts (HK).

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