Neugierige Blicke: Büffel der Swim Creek Station kühlen sich tagsüber im Wasser ab. - © Rainer Heubeck
Neugierige Blicke: Büffel der Swim Creek Station kühlen sich tagsüber im Wasser ab. | © Rainer Heubeck

Australien Safari Down Under

Im Sumpfboot geht es trockenen Fußes durch die Bamurru Plains im Mary-River-Delta.Und zur Krönung trifft man auf jede Menge wilde Tiere – vom Krokodil bis zum Büffel

Ich liege im Bett – und werde angestarrt. Zumindest fühle ich mich intensiv beobachtet, denn ich kann den Büffel sehen, der etwa zwanzig Meter von meinem Bungalow entfernt unter den Bäumen steht und unentwegt in meine Richtung blickt. Dieser jedoch kann mich durch die feine Gitterstruktur, die vor meinem Fenster hängt, sicherlich nicht erkennen. Der schwarze Büffel verliert das Interesse und wendet sich ab. Doch einen Moment später hüpft ein Känguru vorbei und zwei übermütige Kälber starten eine Rauferei. Die Szene wird untermalt von krähenden, pfeifenden und zirpenden Lauten, mannigfaltigen Vogelschreien, von sägenden Tönen und vom gellenden Ruf der Wildgänse. Ein ganz normaler Tagesanbruch in der Bamurru Plains Lodge, einem Luxus-Safari-Camp im australischen Northern Territory, das sich auf dem Gelände einer riesigen Büffelfarm befindet, der Swim Creek Station. Das Safari-Camp umfasst Savannen und Wälder, aber auch ein verzweigtes Feucht- und Überschwemmungsgebiet. Insbesondere diese Floodplains sind ein faszinierendes Vogel- und Tierparadies, das mit Wildlife- und Safari-Erlebnisse lockt, die sonst eher für Afrika typisch sind. Mit unserem Guide Sam French steigen wir in ein flaches Sumpfboot, das durch einen imposanten Luftpropeller angetrieben wird. Sonnencreme und Sonnenhüte sind Pflicht – und eigenmächtig verlassen sollten wir das Boot auf keinen Fall. Denn auch wenn zahlreiche Büffel scheinbar unbesorgt durch den Sumpf waten und an Wasserpflanzen ziehen und kauen, in den Gewässern hier lauern auch Krokodile. „Morgens und abends kommen sie oft heraus, um sich zu sonnen, um die Mittagszeit hingegen sind sie eher im Wasser, da sieht man sie seltener", erläutert Sam. Er lenkt unsere Aufmerksamkeit erst einmal auf andere Pflanzen und Tiere. Etwa auf die Wasserlilien, auf Kingfisher und auf einen schwarzen Vogel mit langen Beinen, weißem Hals und rotem Kamm, der nahezu magisch über das Wasser zu laufen scheint. Der Jacana, so erfahren wir, wird auch Jesus-Vogel oder Lotusvogel genannt, weil er sich dank seiner langen Hinterzehen geschickt auf den Blättern von Lotuslilien fortbewegt und dabei so wirkt, als spaziere er souverän über die Wasseroberfläche. Einen schwarzen Hals, einen weißen Bauch und dichte schwarze Flügelfedern hingegen haben die Spaltfußgänse, die wir an einer Stelle gleich zu Hunderten antreffen – als wir mit dem Sumpfboot wieder weiterfahren wollen, erhebt sich der ganze Schwarm plötzlich in die Luft. Der englische Name der Spaltfußgänse, die nur in Australien und Neuguinea vorkommen, lautet Magpie-Gänse, die australischen Aborigines nannten sie Bamurru – nach diesen Wildgänsen ist das gesamte Feuchtgebiet benannt. Als es auf die Mittagszeit zugeht, wird es heißer. Sam steuert mit dem Boot ein schattiges Plätzchen an, er manövriert uns in einen Wald, der vor allem aus den aus dem Wasser ragenden Paperbark Trees besteht, einer Baumart, die eigentlich Malaleuca heißt und die von den Aborigines auf vielfältige Art und Weise verwandt wurde. Sie nutzten die dicke, leicht feuchte Rinde unter anderem dafür, Nahrungsmittel einzupacken und diese dann darin zu räuchern. Unser Mittagessen heute ist allerdings nicht von der Aborigional-Küche inspiriert, sondern von balinesischen Traditionen. Das Top End Australiens ist nur gute zwei Flugstunden von der beliebten indonesischen Ferieninsel entfernt – und Made Mustika, der balinesische Koch der Bamurru Plains Lodge, kreiert phantastische Menüs, die häufig von den kulinarischen Besonderheiten seiner Heimat beeinflusst sind. Am Nachmittag geht es noch einmal nach draußen, diesmal zu einem Safari Drive durch den bewaldeten Teil der Swim Creek Station. Die junge Australierin Emma Walton, unser Nachmittags-Safariguide, hat früher im Büro gearbeitet. „Das habe ich gehasst, ich muss nach draußen, das ist meine Welt", beteuert sie – und zeigt uns Andreaskreuzspinnen, bunte Papageien, haarige Raupen, Banyan-Feigen und Chininbäume. Am Ende der Nachmittagstour parkt Emma das offene Safarifahrzeug nicht weit von einem Ausläufer des Überschwemmungsgebietes entfernt. Zum Sundowner serviert sie Sekt und Häppchen – und verrät, dass sie nicht nur leidenschaftlich an Natur interessiert ist, sondern auch gerade dabei ist, ein Buch zu schreiben. Die Büffel der Creek Station sind um diese Zeit längst ins Landesinnere gezogen – bevor sie am nächsten Morgen wieder Richtung Gewässer ausschwärmen.

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