Kennt sich aus: Eva Nduwimana ist im regionalen Skigebiet rund um Bozi Dar für die Koordinierung der Loipenpräparierung zuständig. - © Michael Juhran
Kennt sich aus: Eva Nduwimana ist im regionalen Skigebiet rund um Bozi Dar für die Koordinierung der Loipenpräparierung zuständig. | © Michael Juhran

Tschechien Langlauf im Erzgebirge

Auf der tschechischen Seite des Gebirges lässt sich der Winterspaß perfekt mit einer Gesundheitskur verbinden

Michael Juhran
02.03.2019 | Stand 28.02.2019, 17:00 Uhr

Es ist der perfekte Tag für eine Skitour entlang der Erzgebirgsmagistrale. Sonnenschein, blauer Himmel, anderthalb Meter Schnee und frisch gespurte Loipen lassen die Herzen der Skiwanderer höher schlagen, die sich im böhmischen Bozi Dar (Gottesgab) eingefunden haben, um in unmittelbarer Nähe der deutsch-tschechischen Grenze durch die malerischen Winterlandschaft zu laufen. „Gestern herrschte hier noch dichtes Schneetreiben", sagt Eva Nduwimana, die im regionalen Skigebiet für die Koordinierung der Loipenpräparierung zuständig ist. Tagsüber waren 30 Zentimeter Neuschnee gefallen, so dass die Spurmaschinenfahrer am späten Abend und darauffolgenden Morgen unablässig im Einsatz waren, um zumindest 50 der über 150 Kilometer langen Langlaufstrecken für die Wintersportgäste in einen optimalen Zustand zu versetzen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Nicht nur die 41 Kilometer lange Magistrale ist bestens für klassische Langläufer und Skater präpariert, auch zahlreiche Nebenstrecken befinden sich in ausgezeichnetem Zustand. Die Erzgebirgsmagistrale ist wegen ihres sanften Geländeprofils bei deutschen und tschechischen Freizeitsportlern beliebt. Auf dem rund elf Kilometer langen Abschnitt auf der Hochebene zwischen Bozi Dar und der Roten Grube bewegt man sich stets zwischen 950 und 1.050 Höhenmetern. Wer keine steilen Steigungen oder Abfahrten mag, ist hier genau richtig. Das kann an Wochenenden zu einem regen Verkehr auf der Hauptstrecke führen. Doch Eva kennt alternative Strecken, auf denen es völlig ruhig zugeht. Auf einer parallel zur Magistrale verlaufenden Loipe skatet sie lässig und ohne Gegenverkehr in Richtung des zweithöchsten Berges Böhmens, dem Spicak (Spitzberg). Gerade noch auf einer großen weißen Ebene auf dem Gottesgaber Torfmoor, taucht man nun in einen Wintermärchenwald ein. Fichten und Krüppelkiefern bücken sich unter der schweren Last des Schnees und bilden natürliche Torbögen. Viele Bäume tragen eine dicke weiße Schlumpfmütze. Man fühlt sich wie im Reich der Schneekönigin. Mal vermeint man in den schneeumhüllten Bäumen einen Elefantenkopf, mal einen Schwan oder eine Schnecke zu erkennen. Meterhohe Schneewehen am Rande kleiner Bäche avancieren mit ihren bizarren Strukturen zu Kunstwerken der Natur. Die Sonne funkelt im Schnee und spiegelt sich im Eis der Bäche. Selbst auf den Nebenloipen ist es nahezu unmöglich, sich bei der ausgezeichneten Ausschilderung zu verlaufen. Mal ist man auf dem Christkindweg, dann auf dem Jens-Weißflog-Weg unterwegs. Immer wieder weisen große Infotafeln auf die bewegte Geschichte der Region hin. Nahe Hrebecna (Hengstererben) passiert man eine Bergbauregion, in der seit Ende des 15. Jahrhunderts Erzvorkommen gefördert wurden. Nach elf Kilometern am Ziel der Tour, der Roten Grube, angelangt, befindet man sich direkt im Epizentrum von 15 Haupterzgängen, in denen Bergleute mit primitiven Werkzeugen in 60 Meter tiefen Stollen Kassiterit (Zinnstein) abbauten. Im 16. Jahrhundert sollen hier jährlich bis zu 50 Tonnen hochwertiges Zinn gefördert worden sein, das sich europaweit großer Nachfrage erfreute. Jetzt haben Skilangläufer die Bergleute ersetzt. Eine Imbisshütte steht dort, wo einst zahlreiche Pochwerke, eine Schmelzhütte und eine Schmiede das kostbare Erz vor Ort verarbeiteten. Für den Rückweg fällt die Wahl auf eine Route über den Tellerhäuser auf deutscher Seite. Bis nach Bozi Dar sind es von dort nur noch vier Kilometer. Trainierte Skater machen einen Umweg über den sieben Kilometer entfernten Fichtelberg, doch dafür benötigt man eine recht gute Kondition. Von Zeit zu Zeit muss man auch auf der kurzen Strecke innehalten, nicht weil die gemächlichen Abfahrten oder Anstiege zu anstrengend wären, sondern weil man einfach den Blick nicht von der fantastischen Winterlandschaft abwenden kann. Inmitten dieses Panoramas erkennt man deutlich den Klinovec (Keilberg), die höchste Erhebung des Erzgebirges, von dem die alpinen Skiläufer auf einer breiten Piste ins Tal wedeln. So ganz nebenbei tut man bei der Bewegung in freier Natur auch etwas für seine Gesundheit. Die Lunge füllt sich mit frischer Waldluft und ein Wohlgefühl macht sich im Körper breit. Wer dieses Wohlgefühl auf die Spitze treiben möchte, fährt nach der Skitour nach Karlsbad und nimmt im Hotel Ambassador ein Entspannungsbad mit Cannabis-Extrakt und reinem Hanföl. „Ein effektives Antioxidationsmittel gegen trockene, dehydrierte Haut", schwärmt Martin Kumicik, Manager im Ambassador, der für seine Gäste eine breite Palette von Anwendungen bereithält. Nur wenige Meter von seinem Hotel entfernt sprudeln 15 warme Trink-Heilwasserquellen in den Kurkollonaden, mit denen sich das körperliche Wohlbefinden auch gratis verbessern lässt. Goethe zog es 13-mal ins böhmische Bäderdreieck und das tat ihm offensichtlich so gut, dass er als 72-Jähriger im benachbarten Marienbad um die Hand einer 17-Jährigen anhielt. Allerdings muss man das mineralhaltige Wasser mindestens drei Wochen einnehmen, um seine heilenden Effekte auf das Verdauungssystem und den Stütz- und Bewegungsapparat nachhaltig zu verspüren. Besser als der kohlendioxidhaltige Naturtrunk schmeckt der in Karlsbad nach einem alten Geheimrezept hergestellte Kräuterlikör Becherovka. Auch der, so versichert Gästeführerin Michaela Svecova im Jan-Becher-Museum, sei gesund – zumindest für den Magen. Zwischen Bozi Dar und Karlsbad gibt es eine weitere Heilwasseroase, die neben dem berühmten Bäderdreieck lange ein Schattendasein fristete. Das 2.500 Einwohner zählende Jachymov (Joachimsthal) kann auch bei unsicheren Schneeverhältnissen mit einem Trumpf aufwarten, den die Stadt der polnischen Nobelpreisträgerin Marie Curie zu verdanken hat. 1898 gelang es der Wissenschaftlerin, aus Abfällen der Joachimsthaler Uranfarbenfabrik die Elemente Radium und Polonium zu extrahieren. Darauf folgende Messungen wiesen Radongase im Wasser der Uranstollen in unmittelbarer Nähe zum Zentrum der Stadt nach, die bei der Behandlung von Rheuma, Arthritis, Gicht oder anderen entzündungsbedingten Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie bei Neuralgien Verwendung finden. Folgerichtig wurde Joachimsthal 1911 das erste Radonkurbad der Welt. Etwa 10.000 Kurgäste zieht es jährlich auch heute aus diesem Grunde nach Jachymov. Und manche Rheumatiker sollen anschließend sogar wieder Ski laufen können.

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