Symbolträchtige Flagge: In regenbogenfarben hängt die Fahne der Homosexuellen nahe dem Brandenburger Tor in Berlin. - © picture alliance / Eventpress
Symbolträchtige Flagge: In regenbogenfarben hängt die Fahne der Homosexuellen nahe dem Brandenburger Tor in Berlin. | © picture alliance / Eventpress

"Gay Travel Index" Deutschland ist für homosexuelle Urlauber gefährlicher geworden

Umgang mit Schwulen, Lesben und Transsexuellen: Die Bundesrepublik stürzte im Ranking von Platz drei auf 23 ab.

Berlin (fr). Die Entwicklung gibt Anlass zur Sorge: Deutschland ist 2019 im internationalen Ranking des Berliner Reiseportals Spartacus von Platz 3 auf Platz 23 abgestürzt und damit für homosexuelle Reisende gefährlicher geworden. Der von Spartacus herausgegebene jährliche Gay Travel Index gibt einen Überblick über die Risiken für reisende Homosexuelle und Transsexuelle in 197 Ländern und Regionen. Ein wesentlicher Grund für den Absturz ist demnach der Anstieg homo- und transphober Gewalt. Für das Ranking werden verschiedene Kriterien bewertet. Es basiert unter anderem auf Kriminalstatistiken und auf Quellen von Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch, aber auch auf der jeweiligen Gesetzgebung und Bürgerrechten. So wird beispielsweise überprüft, ob Homosexuelle heiraten dürfen und ob es Antidiskriminierungsgesetze gibt. Ein weiteres Kriterium sind Reisebeschränkungen für HIV-Infizierte. Die Rechte stehen nur im Gesetz In Deutschland stünden die Rechte Homosexueller zwar im Antidiskriminierungsgesetz, sie hätten aber keinen Verfassungsrang. Auch die heftig umstrittene Homo-Heilung sei nach wie vor erlaubt, und wer hierzulande eine Geschlechtsanpassung vornehmen wolle, brauche dafür „Gutachten ohne Ende", zitierte die Welt Christian Knuth, Autor des Gay Travel Index. „In Frankreich gibt es eine ähnlich besorgniserregende Entwicklung, worauf die Regierung umgehend mit einem Aktionsplan reagierte. Die Bundesregierung hingegen negiert das Problem", kritisiert Knuth. Lesen Sie auch: Homosexualität im Fußball: Über ein altes Männlichkeitsbild Spitzenreiter sind Kanada und Portugal Laut dem Ranking hat sich die Situation für diese Reisecommunity (LGBT) auch in Brasilien und in den USA verschlechtert. Deren „rechtskonservative Regierungen" arbeiteten daran, LGBT-Rechte wieder einzuschränken. Zu den homofreundlichsten Ländern gehört dagegen neben den Spitzenreitern Kanada (Platz eins) und Schweden (Platz drei) nun auch Portugal (Platz zwei) – dank neuer Gesetze für mehr Gleichberechtigung von Trans- und Intersexuellen. Knuth lobte aber auch die streng katholischen Länder Spanien, Irland und Malta (Platz zehn). Neben Portugal seien sie vorbildlich. Gerade die dortige Kirche, die sich lange gegen die gesellschaftliche Entwicklung stemmte, habe einen großen Willen zur Veränderung. Indien ist der größte Aufsteiger Der größte Indexaufsteiger ist Indien, das Land machte einen Sprung vom 104. auf den 57. Platz - dank Entkriminalisierung der Homosexualität. Aber auch Trinidad und Tobago sowie Angola, wo homosexuelle Handlungen nicht mehr strafbar seien, verbesserten sich. Die gefährlichsten Länder sind laut Ranking der Iran, Saudi-Arabien, Somalia sowie auf dem letzten Platz Tschetschenien. In dem Land droht Homosexuellen die Ermordung. Es gibt Berichte über Folterungen und Morde. In Katar, den Vereinigten Arabischen Staaten, Libyen, dem Jemen und Afghanistan steht die Todesstrafe zwar im Gesetz, sie wird aber nicht verhängt. Diese Länder stehen deshalb vor dem Iran und werden etwas besser bewertet.

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