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Ein Ort macht sich bereit: Das beschauliche Oberammergau in Oberbayern liegt inmitten der Ammergauer Alpen. 2020 werden dort die 42. Passionsspiele stattfinden. - © Ammergauer Alpen GmbH, Florian Wagner
Ein Ort macht sich bereit: Das beschauliche Oberammergau in Oberbayern liegt inmitten der Ammergauer Alpen. 2020 werden dort die 42. Passionsspiele stattfinden. | © Ammergauer Alpen GmbH, Florian Wagner

Gewinnspiel Ein Dorf macht Theater

Die Geschichte hinter der Passion: Mit den Pestspielen bereiten sich die Oberammergauer auf ihr weltberühmtes Laienspiel vor, das alle zehn Jahre bis zu einer halben Million Menschen in den bayerischen Bilderbuchort lockt

09.02.2019 | Stand 07.02.2019, 17:02 Uhr

Bis zur Premiere der 42. Passionsspiele in Oberammergau im Mai 2020, die alle zehn Jahre bis zu einer halben Million Menschen in den bayerischen Bilderbuchort locken, dauert es noch über ein Jahr. Wer schon in diesem Jahr alle Laienspieler und Musiker auf der Freilichtbühne erleben möchte, hat ab 28. Juni die Gelegenheit dazu. Dann hebt sich der Vorhang für „Die Pest – das Spiel vom Oberammergauer Passionsgelöbnis." „Für die Darsteller der Passionsspiele, die dann zum ersten Mal alle zusammen auf der Bühne stehen werden, ist es eine gute Gelegenheit, sich ins Spiel und ihre Rollen hineinzufinden", erzählt Frederik Mayet, der bei der Passion 2020 bereits zum zweiten Mal einer der Jesus-Darsteller ist. Er kann sich noch gut an den besonderen Moment erinnern, als er zum ersten Mal als einer der Hauptdarsteller verkündet wurde. Die Zuschauer erleben in dem knapp dreistündigen Stück sozusagen die Vorgeschichte der Passionsspiele, die alle zehn Jahre in dem 4.500 Zuschauer fassenden, überdachten Freilufttheater aufgeführt werden. Und das schon seit 1634. Im Dreißigjährigen Krieg verdingte sich der Oberammergauer Tagelöhner Kaspar Schisler in Eschenlohe als Knecht. Dort wütete, wie in vielen Teilen Bayerns, die Pest. Die Sehnsucht nach seiner Familie veranlasste Schisler, sich zum Kirchweihfest 1633 über den Berg in sein Heimatdorf zurückzuschleichen. So umging er die Pest-Wachen, die eine Ausbreitung verhindern sollten – und hatte den schwarzen Tod im Gepäck. 84 Menschen starben, einschließlich Schisler selbst. Woraufhin die Oberammergauer feierlich gelobten, alle zehn Jahre das Leiden und Sterben Jesus Christus aufzuführen, wenn Gott der Krankheit Einhalt böte. Laut der „Geschichte des Dorfes Oberammergau" von Josef A. Daisenberger ist „von dieser Zeit an kein einziger Mensch mehr gestorben, obwohl noch etliche Pestzeichen an sich hatten". „Das Pestspiel wird seit 1933 aufgeführt", erklärt Frederik Mayet. „Es ist eine der wichtigen Stationen auf dem Weg zur Passion 2020". Im September 2019 bereiten sich die Darsteller der Hauptrollen durch eine von Theologen begleitete Fahrt nach Israel vor. „Dann besuchen wir die historischen Stätten in Jerusalem und werden viel diskutieren." Im November starten dann die Proben zu den 42. Passionsspielen, etwas früher beginnen Chor und Orchester. Regie bei beiden Stücken führt der 57-jährige Oberammergauer Christian Stückl, der bekannte Intendant des Münchner Volkstheaters. Er inszeniert schon seit 1987 die Passionsspiele immer wieder neu: Bühnenbild, Kostüme und Musik ändern sich jeweils, auch der Text wird aktuell überarbeitet. „Natürlich spiegeln die Textversionen immer auch die Zeit und die politischen Umstände wieder", weiß Frederik Mayet. Die Mischung aus Tradition und Moderne, das imposante Passionstheater – die größte Freiluftbühne mit überdachtem Zuschauerraum weltweit – und die Leidenschaft der Oberammergauer für ihr Spiel haben sich schon längst zu einem Zuschauermagneten entwickelt: Für 2020 werden rund 450.000 Zuschauer aus aller Welt erwartet. Zu den vergangenen Passionsspielen kamen mehr als 50 Prozent der Besucher aus dem englischsprachigen Raum. Beim weltweit bekanntesten Laienspiel werden rund 2.000 Leute auf der Bühne stehen, das sind über die Hälfte der Dorfbewohner. Für sie gilt von Aschermittwoch 2019 an der „Haar- und Barterlass". Nach alter Tradition müssen sich die Darsteller Haare und Bart wachsen lassen – Friseurtermine sind gestrichen. Herren, die im Job repräsentieren müssen, haben damit manchmal ihre liebe Not. Wer den Barterlass umgehen will, konnte sich als römischer Soldat bewerben – für die Römer gelten Ausnahmen. Sonst dürfen nur Musiker und Helfer hinter der Bühne glattrasiert und mit kurzem Haar dabei sein. Für den gewaltigen Besucherandrang braucht es eine gute Logistik: Zurzeit können Arrangements erworben werden, also Übernachtungen in verschiedenen Hotelkategorien im Paket mit den Eintrittskarten. Ab 6. März gehen dann die rund 200.000 Einzeltickets in den Verkauf. Infos zu den Pest-und den Passionsspielen Die Pest Die Premiere ist am 28. Juni. Weitere Vorstellungen: 29. Juni und 12./13./19./20. Juli und 2./3. August. Die Karten kosten 19, 29, 39 oder 49 Euro. Sie sind erhältlich unter www.passionstheater.de oder per Tel. (0 88 22) 9 45 88 88 oder bei der Geschäftsstelle der Passionsspiele 2020, Dorfstr. 3 und der Ammergauer Alpen GmbH, Eugen-Papst-Str. 9a. Unterkunftsbuchungen unter Tel.: (0 88 22) 92 27 40, www.ammergauer-alpen.de Passion 2020 Es stehen Arrangements mit einer (ab 294 Euro pro Person im Doppelzimmer) oder zwei (ab 394 Euro pro Person im Doppelzimmer) Übernachtungen in verschiedenen Hotelkategorien und mit unterschiedlichen Ticketkategorien zur Auswahl. Unter www.passionsspiele-oberammergau.de können Ticket- und Hotel-Arrangements gebucht werden – ab 6. März dann auch die Einzelkarten. Geplant sind 103 Vorstellungen, vom 16. Mai bis zum 4. Oktober 2020. Die fünfstündige Aufführung beginnt nachmittags mit dem Einzug in Jerusalem und erzählt mit einer dreistündigen Pause die Passionsgeschichte über das Abendmahl bis hin zur Kreuzigung und endet in den Abendstunden mit der Auferstehung. Infos Passionsspiele Oberammergau, Ludwig-Thoma-Straße 10, 82487 Oberammergau, Tel. (0 88 22) 9 49 88 52, www.passionsspiele-oberammergau.de

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